Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wissen & Technik · Extremwetter

WMO warnt vor extremem El Niño und Wirtschaftsschocks

Die Vereinten Nationen warnen vor einem außergewöhnlich starken El Niño. Dürren, Fluten und Hitze könnten Landwirtschaft, Preise und Migration weltweit belasten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein stark erwärmter Pazifik kann Wetterlagen in vielen Weltregionen beeinflussen.
Symbolbild: Ein stark erwärmter Pazifik kann Wetterlagen in vielen Weltregionen beeinflussen. KI-generiert

Die Weltwetterorganisation WMO warnt vor einem El Niño von außergewöhnlicher Stärke. Die Temperaturen im tropischen Pazifik liegen nach Angaben von WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo so hoch wie seit Beginn der systematischen Messungen vor 40 Jahren nicht. Die Vereinten Nationen rufen Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitutionen auf, Hilfen und Schutzmaßnahmen vorzubereiten, bevor Schäden entstehen. Erwartet werden je nach Region Dürren, Starkregen, Überschwemmungen und zusätzliche Hitze. Auch wirtschaftliche Folgen könnten weltweit spürbar werden.

Pazifik erwärmt sich stark

El Niño entsteht durch ungewöhnlich warmes Oberflächenwasser im Pazifik. Dadurch verändern sich Luft- und Windströmungen, die das Wetter in vielen Weltregionen beeinflussen. Das Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen auf, häufig alle zwei bis sieben Jahre, und kann mehrere Monate andauern.

In diesem Jahr hat die Entwicklung nach Einschätzung von Fachleuten früh und kräftig eingesetzt. Die WMO rechnet damit, dass die Meerestemperatur im Pazifik von November bis Januar um bis zu 3,8 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt liegen könnte. Der bisherige Höchstwert lag demnach bei etwa drei Grad. Bereits ab einer Abweichung von 0,5 Grad sprechen Fachleute von El Niño.

Der Höhepunkt wird für Herbst und Winter erwartet; konkret wird auch der Dezember 2026 genannt. Saulo beschrieb die mögliche Intensität mit den Worten, der aktuelle El Niño könne die seit vier Jahrzehnten verwendeten Messskalen „wortwörtlich“ überschreiten.

Dürren und Fluten in mehreren Regionen

Die Folgen fallen regional sehr unterschiedlich aus. Nach Angaben der WMO drohen unter anderem in Ostafrika und in Teilen Zentralamerikas Trockenperioden. In anderen Gebieten steigt dagegen das Risiko für sehr starke Niederschläge. Dazu zählen das südliche Afrika, Teile Südostasiens, der Nordwesten Nordamerikas sowie die Westküste Südamerikas.

Neben Überschwemmungen und Dürre ist mit besonders hoher Hitze zu rechnen. In Verbindung mit dem menschengemachten Klimawandel könnte El Niño dazu beitragen, dass 2027 weltweit außergewöhnlich warm ausfällt. Fachleute halten es für möglich, dass das Jahr zum heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen wird.

Europa ist von El Niño weniger direkt betroffen als viele andere Weltregionen. Dennoch könnten Folgen auch hier ankommen. Wenn Ernten in stark betroffenen Ländern ausfallen oder Lieferketten unter Druck geraten, können Importpreise steigen. Das betrifft vor allem Waren, die aus Regionen mit extremer Trockenheit oder heftigen Regenfällen stammen.

Sorge vor Folgen für die Weltwirtschaft

UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warnte, die Schäden würden nicht nur jene Staaten treffen, in denen Extremwetter unmittelbar auftritt. Er sprach von möglichen „wirtschaftlichen Schocks“ und verwies zudem auf Risiken für Konflikte, Vertreibungen und Migration.

Die Vereinten Nationen drängen deshalb auf Vorsorge statt nachträglicher Krisenhilfe. Finanzmittel sollen früh bereitstehen, damit gefährdete Regionen Schutzmaßnahmen treffen und im Ernstfall schneller reagieren können. Dazu gehören nach UN-Angaben koordinierte Vorbereitungen von Staaten, Entwicklungsbanken und internationalen Finanzinstitutionen.

Fletcher betonte, El Niño lasse sich nicht verhindern. Entscheidend sei, die kommenden Belastungen ernst zu nehmen und Widerstandskraft aufzubauen. Saulo forderte ebenfalls ein vorausschauendes und abgestimmtes Vorgehen, um Menschen in gefährdeten Gebieten zu schützen.

Wetterphänomen mit globaler Reichweite

El Niño ist kein neues Phänomen. Neu ist die Stärke, die sich nach den aktuellen Messungen und Modellrechnungen abzeichnet. Weil die Erwärmung des Pazifiks Wetterlagen auf mehreren Kontinenten verschieben kann, reichen die Risiken von Ernteausfällen über beschädigte Infrastruktur bis zu steigenden Kosten für Nahrungsmittel und Hilfsmaßnahmen.

Besonders verletzlich sind Regionen, die bereits durch Armut oder Konflikte belastet sind. Dort können ausbleibender Regen, Ernteverluste oder Überschwemmungen schneller zu Versorgungskrisen führen. Die Warnungen der Vereinten Nationen zielen deshalb darauf, Hilfen nicht erst nach Katastrophen bereitzustellen, sondern gefährdete Länder vor dem erwarteten Höhepunkt des Wetterphänomens zu unterstützen.