Wissen & Technik · UN-Artenschutz
Biodiversitätskonferenz endet mit Aktionsplan
Die 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt ist am Samstagmorgen in Eriwan mit Einigungen in zentralen Punkten zu Ende gegangen. Knapp 200 Vertragsstaaten verständigten sich unter anderem auf einen Aktionsplan, der die Umsetzung der globalen Artenschutzziele bis 2030 beschleunigen soll. Umweltorganisationen bewerten das Ergebnis vorsichtig positiv, kritisieren aber weiter fehlendes Geld und ein zu langsames Tempo.
Verhandlungen dauern länger als geplant
Die Beratungen in der armenischen Hauptstadt hatten am 19. Oktober begonnen und dauerten damit fast zwei Wochen. Der Abschluss verzögerte sich um einen Tag; die letzten Gespräche zogen sich bis in die Morgenstunden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Staaten ihre bereits vereinbarten Ziele für Natur- und Artenschutz trotz deutlicher Rückstände noch erreichen können.
Grundlage ist der Weltnaturvertrag von 2022. Darin hatten sich die Vertragsstaaten auf 23 Ziele geeinigt. Besonders bekannt ist die Vorgabe, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Landflächen und 30 Prozent der Meeresgebiete weltweit unter Schutz zu stellen. Ein vor der Konferenz veröffentlichter UN-Zwischenbericht hatte gezeigt, dass die bisherigen Maßnahmen dafür nicht ausreichen.
Die Staaten legten nun einen Rahmen fest, mit dem die Umsetzung stärker vorangetrieben werden soll. Aus Sicht des WWF Deutschland enthält das Ergebnis trotz Abschwächungen wichtige Fortschritte. Heike Vesper aus dem Vorstand der Organisation sprach von „mehr Süßes als Saures“. Entscheidend sei die Einigung auf einen Plan, der die Umsetzung der selbst gesetzten Ziele bis 2030 beschleunigen solle.
Streitpunkt Geld bleibt bestehen
Besonders schwierig blieben Finanzierungsfragen. Dazu gehören Mittel für Naturschutz in Ländern des globalen Südens, aber auch die künftige Verwaltung und Auszahlung solcher Gelder. Der WWF sieht hier nur kleine Schritte in Richtung weiterer Lösungen. Auch andere Umweltorganisationen mahnten, die politischen Zusagen reichten nicht aus, um die Krise der biologischen Vielfalt wirksam einzudämmen.
Ein weiterer Konfliktpunkt war der Umgang mit Subventionen und finanziellen Anreizen, die der Natur schaden. Dabei geht es etwa um Förderungen für fossile Energien, intensive Landwirtschaft oder Überfischung. Die Konferenz verständigte sich darauf, solche Mittel stärker umzulenken und zusätzliche Gelder für Naturschutz zu mobilisieren. Greenpeace Deutschland wertete die Beschlüsse als Stärkung für Wälder und Meere, bemängelte aber, dass die Dringlichkeit des Problems nicht ausreichend beantwortet werde.
Brian O’Donnell von der Organisation Campaign for Nature sprach von vorsichtigem Optimismus. Die wachsende Zahl nationaler Biodiversitätspläne zeige, dass das 30-Prozent-Ziel weiter getragen werde. Zugleich verwies er auf rückläufige internationale Mittel für Schutzgebiete. Nach seinen Angaben sanken diese von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2025.
Deutschland kündigt weiteres Engagement an
Bundesumweltminister Carsten Schneider zog eine gemischte Bilanz. Die Konferenz habe eine klare Bestandsaufnahme geliefert, sagte der SPD-Politiker. Europa habe geschlossen für Natur- und Artenschutz verhandelt. Zugleich habe es Staaten gegeben, die weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch bei Finanzfragen. Schneider kündigte an, Deutschland werde den Ausbau von Schutzgebieten an Land und auf See weiter unterstützen.
Auch die Wiederherstellung von Ökosystemen in Deutschland solle gezielt vorangebracht werden. Umweltorganisationen fordern darüber hinaus mehr direkte Finanzierung für indigene Gemeinschaften, etwa in besonders artenreichen Regionen wie dem Amazonasgebiet. Aus ihrer Sicht hängt der Erfolg des Weltnaturvertrags stark davon ab, ob Schutzmaßnahmen vor Ort verlässlich bezahlt und umgesetzt werden.
Die Beschlüsse von Eriwan haben auch Bedeutung für andere internationale Verhandlungen. Mehrere Organisationen sehen darin ein Signal für kommende Gespräche zum Klimaschutz und für den Schutz der Hohen See. Klima- und Naturschutz sollen künftig stärker miteinander verbunden werden, weil Artensterben, zerstörte Ökosysteme und Erderhitzung sich gegenseitig verstärken.
Nächste Konferenz in Ecuador
Die nächste UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt soll 2028 in Ecuador stattfinden, als Austragungsort ist Quito vorgesehen. Bis dahin wird entscheidend sein, ob die Staaten ihre nationalen Pläne ausbauen und tatsächlich umsetzen. Der bisherige Stand zeigt, dass viele Länder zwar begonnen haben, mehr Naturflächen zu schützen, der Fortschritt aber weit hinter dem notwendigen Tempo zurückbleibt.
Damit bleibt die Bilanz von Eriwan zweigeteilt. Die Staaten verhinderten ein Scheitern und einigten sich auf politische Leitlinien für die kommenden Jahre. Gleichzeitig sind zentrale Hürden nicht beseitigt: Es fehlt an verlässlicher Finanzierung, an schnellen Reformen schädlicher Subventionen und an messbaren Fortschritten. Ob das Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 aufzuhalten und umzukehren, noch erreichbar ist, hängt nun von der Umsetzung ab.