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Wissen & Technik · Artenschutz weltweit

Weltnaturkonferenz startet unter Zeitdruck

In Jerewan beraten Staaten über den Schutz der Biodiversität. UN und Bundesregierung warnen vor zu langsamen Fortschritten beim 30-Prozent-Ziel bis 2030.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Weltnaturkonferenz befasst sich mit dem Schutz von Arten, Lebensräumen und Ökosystemen weltweit.
Symbolbild: Die Weltnaturkonferenz befasst sich mit dem Schutz von Arten, Lebensräumen und Ökosystemen weltweit. KI-generiert

Zum Auftakt der Weltnaturkonferenz COP17 in Armeniens Hauptstadt Jerewan wächst der Druck auf die Staaten, ihre Zusagen zum Schutz der biologischen Vielfalt schneller umzusetzen. Bis 2030 sollen 30 Prozent der Landflächen sowie 30 Prozent der Meere und Küsten unter Schutz stehen. Ein UN-Zwischenbericht kommt jedoch zu dem Schluss, dass dieses Ziel bei heutigem Tempo verfehlt wird. UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einer „Lücke zwischen Ambitionen und Maßnahmen“ und warnte, der „Krieg gegen die Natur“ sei nicht beendet.

30-Prozent-Ziel steht im Mittelpunkt

Die Konferenz knüpft an das Weltnaturabkommen von 2022 an. Damals verständigten sich 196 Nationen im Rahmen der UN-Konvention über die biologische Vielfalt auf ein Paket mit 23 Zielen. Es soll den Verlust von Arten, Lebensräumen und Ökosystemen bremsen und langfristig ein anderes Verhältnis zur Natur ermöglichen. Bis Ende Oktober ziehen die Staaten in Jerewan nun Zwischenbilanz und beraten über weitere Schritte.

Ein zentraler Punkt ist das sogenannte 30/30-Ziel. Es sieht vor, bis Ende des Jahrzehnts große Teile der Erde wirksam zu schützen. Dabei geht es nicht nur um die Fläche auf Karten, sondern auch um Management, Finanzierung und die Einbindung der Menschen vor Ort. Dazu gehören auch die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen. Viele besonders artenreiche Regionen liegen auf ihren Territorien.

Ob die Vereinbarungen rechtzeitig umgesetzt werden, ist ungewiss. Nach Einschätzung des UN-Biodiversitätssekretariats reichen Tempo und Umfang der bisherigen Fortschritte nicht aus. Besonders schwierig wird es dort, wo Schutzmaßnahmen wirtschaftliche Interessen berühren, etwa bei Landnutzung, Rohstoffen, Landwirtschaft oder Fischerei.

Bundesregierung fordert mehr Zusammenarbeit

Bundesumweltminister Carsten Schneider zeigt sich mit dem bisherigen Stand ebenfalls unzufrieden. Sein Ministerium sieht bislang keine ausreichende globale Trendwende beim Verlust von Arten, natürlichen Lebensräumen und Wäldern. Schneider will in der zweiten Konferenzwoche nach Jerewan reisen und dort für eine stärkere internationale Zusammenarbeit werben.

Für Deutschland steht dabei auch die Verbindung von Natur- und Klimaschutz im Vordergrund. Die Bundesregierung hat für afrikanische Schutzgebiete 100 Millionen Dollar zugesagt und nach eigenen Angaben weitere 200 Millionen Dollar von Stiftungen mobilisiert. Zugleich sind die deutschen Mittel für Biodiversität zuletzt zurückgegangen.

Schneider verweist darauf, dass Naturschutz nicht nur ein ökologisches Anliegen ist. Insekten bestäuben Nutzpflanzen, fruchtbare Böden sichern Ernten, Auen können Hochwasser abmildern. Der Verlust biologischer Vielfalt betrifft damit Ernährung, wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit.

Geld bleibt ein Kernproblem

Für die Umsetzung der Ziele braucht es deutlich mehr Mittel. Bis 2030 sollen weltweit jährlich mindestens 200 Milliarden Dollar für den Naturschutz mobilisiert werden. Guterres fordert die Staaten auf, zugesagte Unterstützung bereitzustellen und Subventionen abzubauen, die Natur schädigen.

Wie schwierig neue Finanzierungsinstrumente anlaufen, zeigt der Cali-Fonds. Unternehmen sollen freiwillig zahlen, wenn sie genetische Daten aus der Natur nutzen. Bis Anfang Oktober waren dort erst 6.000 Dollar dokumentiert, danach kam lediglich eine weitere Zahlung hinzu. Der Fonds gilt dennoch als ein Baustein für eine gerechtere Verteilung von Vorteilen aus der Nutzung biologischer Ressourcen.

Auch die Entscheidungsregeln erschweren Fortschritte. Bei den Weltnaturkonferenzen wird im Konsens entschieden. Dadurch können einzelne Staaten oder kleine Gruppen Vereinbarungen verzögern oder blockieren. Die COP17 wird damit auch zu einem Test, ob die internationale Zusammenarbeit trotz gegensätzlicher Interessen handlungsfähig bleibt.

Pilze rücken stärker in den Blick

Neben Schutzflächen und Finanzen geht es in Jerewan auch um bislang wenig beachtete Organismengruppen. Pilze sollen stärker in Biodiversitätsstrategien berücksichtigt werden. Nach Angaben der Mykologin Meike Piepenbring von der Universität Frankfurt am Main ist bisher nur etwa ein Prozent der Pilzarten in der Roten Liste bewertet. Dabei sind Pilze entscheidend für Böden, Nährstoffkreisläufe und das Wachstum vieler Pflanzen.

Der Handlungsdruck ist groß. Der Weltbiodiversitätsrat schätzt, dass etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Zwar zeigen einzelne Beispiele, dass gezielter Schutz Bestände stabilisieren oder wieder wachsen lassen kann. Insgesamt aber schreitet der Verlust natürlicher Lebensräume weiter voran. Die Konferenz in Jerewan soll nun zeigen, ob aus den globalen Zielen konkrete Umsetzung wird.