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Wissen & Technik · Klima und Extremwetter

Warnungen vor El Niño und Korallensterben nehmen zu

WMO und UN warnen vor einem außergewöhnlich starken El Niño. Zugleich sieht die IUCN fast alle untersuchten Korallenriff-Ökosysteme bis 2075 in kritischer Gefahr.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: Erwärmte Meere, Extremwetter und schmelzende Gletscher stehen für wachsende Klimarisiken.
Symbolbild: Erwärmte Meere, Extremwetter und schmelzende Gletscher stehen für wachsende Klimarisiken. KI-generiert

Weltweit verdichten sich die Warnungen vor Klimarisiken: Die Weltorganisation für Meteorologie und die Vereinten Nationen rechnen mit einem außergewöhnlich starken El Niño, die Weltnaturschutzunion IUCN sieht Korallenriffe in vielen Regionen vor dem Zusammenbruch, und Nepal benötigt nach einer verheerenden Sturzflut Milliarden für den Wiederaufbau. Die Entwicklungen zeigen, wie eng ökologische Schäden, Extremwetter und humanitäre Folgen inzwischen zusammenfallen.

Pazifik erwärmt sich stark

Die Weltorganisation für Meteorologie und die Vereinten Nationen warnen vor einer besonders starken Erwärmung der Meeresoberfläche im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik. Zwischen November und Januar könnte die Temperatur dort nach Schätzungen bis zu 3,8 Grad über dem Durchschnitt liegen. Ein solcher Wert wäre höher als bisherige Messstände.

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo erklärte, ein Wert von 3,8 Grad sei bislang nicht verzeichnet worden. Das Ereignis könne eine außergewöhnliche Stärke erreichen und schwere klimatische sowie soziale Folgen auf mehreren Kontinenten auslösen. Saulo betonte zugleich: „Wir können El Niño zwar nicht verhindern, aber wir können viele seiner schwerwiegendsten Folgen für den Menschen abwenden.“

El Niño tritt in unregelmäßigen Abständen von zwei bis sieben Jahren auf. Das Phänomen entsteht im Pazifik vor der Küste Ecuadors, wenn sich Oberflächenwasser ungewöhnlich stark erwärmt. Dadurch verändern sich Meeres- und Luftströmungen. Die Folgen reichen je nach Region von Hitze und Trockenheit bis zu Starkregen und Überschwemmungen.

Der langfristige Klimawandel und El Niño sind unterschiedliche Prozesse, können sich aber gegenseitig verstärken. Eine wärmere Atmosphäre und höhere Meerestemperaturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Hitzewellen intensiver werden. Auch Dürren, Starkregen und Waldbrandrisiken können sich verschärfen.

Überflutungen in Südamerika

In Argentinien zeigen sich bereits Folgen ungewöhnlicher Niederschläge. Im Norden des Landes und im Süden Brasiliens haben starke Regenfälle die Abflussmengen im La-Plata-Becken erhöht. Zu dem riesigen Einzugsgebiet gehören unter anderem die Flüsse Paraná, Iguazú, Paraguay und Uruguay, die in den Río de la Plata entwässern.

In der argentinischen Provinz Corrientes wurden einzelne Orte überflutet. Der Paraná erreichte dort am Montag einen Pegel von 8,24 Metern. Damit lag er über dem bisherigen Höchststand von 2023, als 8,07 Meter gemessen wurden. Zwei Männer kamen ums Leben, als sie offenbar versuchten, Rinder vor dem steigenden Wasser in Sicherheit zu bringen, und von der Strömung erfasst wurden.

Die Hilfsorganisation Oxfam warnt, viele Menschen seien auf die Folgen von El Niño nicht ausreichend vorbereitet. Besonders im Globalen Süden fehlten Mittel für Vorsorge gegen Dürren und Überschwemmungen. Für die Bewältigung des aktuellen Ereignisses stehen Oxfam zufolge weltweit rund 450 Millionen Dollar bereit. Beim starken El Niño 2015 und 2016 lag der internationale Finanzierungsaufruf bei mehr als 5 Milliarden Dollar.

Korallenriffe auf der Kippe

Parallel dazu verschärft sich die Lage der Korallenriffe. Eine globale Bewertung der Weltnaturschutzunion IUCN kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2075 voraussichtlich 96 Prozent der untersuchten Korallenriff-Ökosysteme als kritisch gefährdet gelten. Die Bewertung wird bei der UN-Biodiversitätskonferenz COP17 in Eriwan vorgestellt.

Untersucht wurden 127 tropische und subtropische Ökoregionen mit insgesamt rund 188.000 Quadratkilometern Korallenriffen. Bereits auf Grundlage bisheriger Veränderungen ist ein großer Teil der Riffe stark bedroht. Der Meeresbiologe Georg Flückiger von der National University of Singapore sagte: „Momentan sieht es düster aus.“ Er verwies darauf, dass bereits 90 Prozent der Korallenriffe stark vom Zusammenbruch bedroht seien.

Korallenriffe zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Rund ein Viertel aller Meerestiere lebt in enger Verbindung mit ihnen. Für Millionen Menschen sind Riffe zudem Nahrungsquelle, Küstenschutz und Grundlage für Einkommen. Wenn sich das Wasser zu stark erwärmt, stoßen Korallen Algen ab, die sie mit Energie versorgen. Die Korallen bleichen aus und können absterben, wenn die Belastung anhält.

Neben höheren Temperaturen setzen Verschmutzung, Versauerung, Küstenbebauung und Überfischung den Riffen zu. Schutzgebiete, weniger lokale Belastung und die Erholung wichtiger Fischbestände können ihre Widerstandskraft erhöhen. Entscheidend bleibt nach Einschätzung der Forschenden aber eine deutliche Verringerung der CO2-Emissionen.

Hilfe nach Sturzflut in Nepal

Auch im Himalaya werden Risiken durch Naturereignisse sichtbar. Nach einer Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet stellt ein Klimafonds der Vereinten Nationen Nepal Hilfen von bis zu 20 Millionen Dollar in Aussicht. Das ist der Höchstbetrag, den ein Land mit einem einzelnen Antrag abrufen kann. Nepal muss dafür zunächst ein Projekt vorlegen, über das der Verwaltungsrat entscheidet.

Die Flut Ende August richtete schwere Schäden an. In Nepal starben mehr als 1.400 Menschen, etwa 5.000 werden weiter vermisst. Fachleute gehen davon aus, dass ein Gletscherabbruch die Sturzflut ausgelöst hat. Die Regierung in Kathmandu beziffert die Kosten für den Wiederaufbau auf rund 4,8 Milliarden Dollar.

Die Beispiele aus dem Pazifik, Südamerika, den Tropenmeeren und dem Himalaya zeigen unterschiedliche Facetten derselben Herausforderung: Klimarisiken treffen Ökosysteme, Infrastruktur und Gesellschaften zugleich. Besonders teuer wird es dort, wo Vorsorge fehlt und Schäden erst nach Katastrophen finanziert werden.