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Wissen & Technik · UN-Klimabericht

UNEP warnt vor 2,8 Grad Erderhitzung bis 2100

Die Welt verfehlt das 1,5-Grad-Ziel voraussichtlich deutlich. Der neue UNEP-Bericht verweist besonders auf den Rückzug der USA aus früheren Klimaplänen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Der UNEP-Bericht warnt vor deutlich steigenden Klimarisiken bei unzureichendem Klimaschutz.
Symbolbild: Der UNEP-Bericht warnt vor deutlich steigenden Klimarisiken bei unzureichendem Klimaschutz. KI-generiert

Der neue Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP zeigt eine wachsende Lücke zwischen Klimazielen und tatsächlicher Politik: Bei den derzeitigen Maßnahmen könnte sich die Erde bis zum Jahr 2100 um 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmen. Das Pariser Ziel, die Erhitzung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, rückt damit weiter außer Reichweite. Besonders schwer wiegt nach Einschätzung der Vereinten Nationen der Kurswechsel der USA, die unter Präsident Donald Trump frühere Klimaschutzpläne aufgegeben haben und erneut aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen sind.

1,5-Grad-Marke kaum noch zu halten

UN-Generalsekretär António Guterres macht deutlich, dass ein Überschreiten der 1,5-Grad-Schwelle praktisch nicht mehr zu verhindern ist. Entscheidend sei nun, den Temperaturanstieg nur möglichst kurz und gering über diese Marke hinausgehen zu lassen. Die Grenze gilt nicht automatisch als verfehlt, sobald einzelne Jahre darüberliegen. Maßgeblich ist eine längerfristige Entwicklung.

Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus sieht für die Jahre 2023 bis 2025 erstmals einen Dreijahreszeitraum mit mehr als 1,5 Grad Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Fachleute richten den Blick deshalb zunehmend darauf, ob die globale Temperatur nach einem Überschießen später wieder sinken kann.

Die Folgen einer stärkeren Erwärmung sind bereits sichtbar. UNEP verweist auf steigende Risiken durch Überschwemmungen, Hitzeperioden und Waldbrände. Guterres betont zudem, dass ärmere und besonders verletzliche Gesellschaften oft am stärksten betroffen sind, obwohl sie historisch vergleichsweise wenig zum Ausstoß von Treibhausgasen beigetragen haben.

USA verschlechtern globale Bilanz

Der Bericht verbindet die verschlechterte Perspektive ausdrücklich mit der Klimapolitik der USA. Das Land ist nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Änderungen in Washington wirken sich deshalb stark auf die weltweiten Berechnungen aus. Hinzu kommt, dass frühere Daten zum globalen Ausstoß nach oben korrigiert wurden.

Selbst wenn Staaten ihre bisherigen Zusagen vollständig einhalten, reicht das nicht für den Pariser Pfad. Je nach Szenario ergeben sich weiterhin deutlich zu hohe Werte: Bei vollständiger Umsetzung aktueller Klimazusagen läge die Erwärmung ungefähr bei 2,6 Grad. In einem optimistischeren Fall, der auch langfristige Klimaneutralitätsziele berücksichtigt, wären es immer noch etwa 2,1 Grad bis 2100.

Um die Erhitzung langfristig wieder auf 1,5 Grad oder darunter zu bringen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen nach UNEP bis 2030 um 18 Prozent sinken, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent. Ausgangspunkt ist jeweils das Niveau von 2025. Derzeit ist ein solcher Rückgang nicht absehbar. Werden nur geplante Maßnahmen berücksichtigt, liegen die möglichen Minderungen bis 2030 bei höchstens 8 Prozent und bis 2035 bei höchstens 15 Prozent.

Erneuerbare Energien machen Hoffnung

Trotz der Warnungen verweist UNEP auf Fortschritte. Seit dem Pariser Klimaabkommen ist der Ausbau erneuerbarer Energien schneller vorangekommen als damals erwartet. Die weltweiten Kapazitäten bei sauberer Stromerzeugung wuchsen deutlich stärker als prognostiziert. Besonders die Photovoltaik legte erheblich zu, während Kohleenergie weniger stark wuchs als befürchtet.

UNEP-Direktorin Inger Andersen sieht darin einen Hinweis, dass schnelle Emissionssenkungen möglich bleiben. Notwendig seien politische Entscheidungen, die Investitionen in klimafreundliche Technik beschleunigen und fossile Energien zurückdrängen. Zusätzlich müssten große Mengen Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre entfernt werden. Solche Verfahren gelten in der Klimaforschung zunehmend als erforderlich, sind jedoch technisch schwierig und teuer.

Druck vor Konferenz in Antalya

Anfang November beraten die Staaten bei der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya über weitere Schritte. Auf der Tagesordnung steht auch ein mögliches globales Ziel für Elektrifizierung. Umweltorganisationen fordern, dass ein solcher Beschluss eng mit zusätzlichem Strom aus Wind- und Solarenergie verbunden wird.

Der Emissions Gap Report untersucht jährlich, wie weit die erwarteten Treibhausgasemissionen von den Mengen entfernt sind, die mit den Pariser Klimazielen vereinbar wären. Seit 2015 hat sich die langfristige Prognose zwar verbessert: Damals lagen Schätzungen noch bei etwa 3 bis 3,5 Grad. Der aktuelle Bericht zeigt jedoch, dass die bisherigen Fortschritte nicht reichen, um die gefährlichsten Folgen der Erderhitzung zu begrenzen.