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Wissen & Technik · Suizidstatistik

Suizide steigen auf Höchststand seit 1998

In Deutschland haben sich 2025 11.334 Menschen das Leben genommen. Fachleute sehen besonders bei älteren Menschen und Frauen eine alarmierende Entwicklung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine leere Parkbank steht für Einsamkeit und die Bedeutung erreichbarer Hilfe in Krisen.
Symbolbild: Eine leere Parkbank steht für Einsamkeit und die Bedeutung erreichbarer Hilfe in Krisen. KI-generiert

Die Zahl der Suizide in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen. Nach Angaben des Nationalen Suizidpräventionsprogramms und der Deutschen Akademie für Suizidprävention nahmen sich 11.334 Menschen das Leben. Das waren 9,3 Prozent mehr als 2024 und der höchste Wert seit 1998. Die Organisationen stellten die Zahlen am Mittwoch in Kassel vor und werteten die Entwicklung als deutliches Alarmsignal für die Gesundheitsversorgung und die Prävention.

Anstieg seit 2020

Über viele Jahre war die Zahl der Suizide in Deutschland tendenziell gesunken. Seit 2020 zeigt die Statistik jedoch wieder nach oben. Den Angaben zufolge liegt der Zuwachs seitdem bei 23 Prozent. Der Anteil der Suizide an allen Todesursachen blieb 2025 mit 1,1 Prozent ähnlich wie in den Vorjahren.

Männer sind weiterhin deutlich häufiger betroffen als Frauen. Auffällig ist aber die Dynamik bei Frauen: Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der weiblichen Suizide um 17,9 Prozent. Fachleute heben besonders ältere Frauen als Gruppe hervor, die stärker in den Blick genommen werden müsse. Barbara Schneider vom Nationalen Suizidpräventionsprogramm bezeichnete die Entwicklung in dieser Gruppe als besonders besorgniserregend, obwohl die meisten Suizide weiterhin auf Männer entfielen.

Fast jeder zweite Suizid betraf 2025 Menschen ab 65 Jahren. Damit bleibt das höhere Alter ein zentraler Risikofaktor. Präventionsfachleute fordern deshalb Angebote, die ältere Menschen tatsächlich erreichen. Dazu zählen aus ihrer Sicht neben medizinischer und psychotherapeutischer Versorgung auch leicht zugängliche Beratung und regionale Netzwerke.

Fachleute fordern mehr Prävention

Die Deutsche Akademie für Suizidprävention sprach von einem „Warnzeichen“. Georg Fiedler aus dem Vorstand der Akademie sagte, Menschen mit Suizidgedanken müssten „schnell und einfach Unterstützung finden“. Die Organisation sieht einen Bedarf an mehr niedrigschwelligen Hilfen, damit Betroffene nicht erst in akuten Krisen passende Unterstützung erhalten.

Auch die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention fordert mehr Engagement. Ihr Vorstandsvorsitzender Ulrich Hegerl mahnte bereits Mitte Oktober eine staatliche Unterstützung lokaler Bündnisse zur Suizidprävention an. Er warnte zudem davor, Suizidassistenz könne durch eine sehr liberale Regelung gesellschaftlich normaler erscheinen. Dadurch könne die Hemmschwelle sinken, sagte Hegerl sinngemäß.

Nach Angaben der Präventionsorganisationen meldeten Organisationen der Suizidhilfe mehr assistierte Suizide als im Jahr zuvor. In der bundesweiten Todesursachenstatistik werden solche Fälle bislang nicht gesondert ausgewiesen. Die verfügbaren Daten lassen nach Einschätzung der Fachleute vermuten, dass die Zunahme assistierter Suizide auch zum Anstieg bei Frauen beiträgt. Gefordert wird deshalb eine bundesweit einheitliche und unabhängige Erfassung.

Rechtliche Lage in Deutschland

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Zulässig ist dagegen der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, wenn er dem Willen der Patientin oder des Patienten entspricht. Auch Beihilfe zur Selbsttötung ist nicht strafbar, wenn die Entscheidung freiverantwortlich getroffen wird. Sie kann etwa darin bestehen, ein tödliches Mittel zu beschaffen oder bereitzustellen.

Das Bundesverfassungsgericht hob 2020 das Verbot geschäftsmäßiger Suizidhilfe auf. Es sah darin einen Verstoß gegen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Seitdem wird im Gesundheitswesen immer wieder über klare gesetzliche Regeln für Suizidhilfe diskutiert. Die Präventionsorganisationen verbinden diese Debatte nun mit der Forderung, Suizidgefährdung besser zu erkennen und Hilfe schneller zugänglich zu machen.

Internationaler Vergleich und Hilfe

Weltweit gingen die Suizidraten zwischen 1990 und 2021 um knapp 30 Prozent zurück. Das zeigen Daten der Weltgesundheitsorganisation, die im Sommer 2025 veröffentlicht wurden. Die WHO verfolgt das Ziel, die Suizidrate bis 2030 um ein Drittel zu senken. Die jüngsten deutschen Zahlen laufen diesem internationalen Ziel entgegen.

Wer sich durch das Thema belastet fühlt oder selbst Suizidgedanken hat, kann jederzeit kostenfrei Hilfe bei der Telefonseelsorge bekommen: unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Unterstützung gibt es auch für Angehörige und Menschen, die sich Sorgen um andere machen.