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Wissen & Technik · Klima und Gesundheit

Studie sieht Rekordzahl an Hitzetoten in Europa

Rund 50.000 Menschen starben in europäischen Städten im Sommer 2026 an Hitze. Forschende rechnen etwa 65 Prozent der Fälle dem menschengemachten Klimawandel zu.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Extreme Hitze belastet besonders dicht bebaute Städte.
Symbolbild: Extreme Hitze belastet besonders dicht bebaute Städte. KI-generiert

Der Sommer 2026 hat in Europa nach einer britischen Modellrechnung eine Rekordzahl hitzebedingter Todesfälle verursacht. Forschende des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine schätzen die Zahl der Opfer in europäischen Städten auf rund 50.000 bis mehr als 50.000. Etwa 65 Prozent dieser Todesfälle führen sie auf die vom Menschen verursachte Erderwärmung zurück. Damit gilt der Sommer nach ihren Berechnungen als der tödlichste in Europa seit Beginn der entsprechenden Auswertungen im Jahr 2000.

Städte im Fokus der Analyse

Die Untersuchung stützt sich auf Daten aus 854 urbanen Räumen in den 27 EU-Staaten sowie in Großbritannien, Norwegen und der Schweiz. In diesen Städten lebt etwa 40 Prozent der Bevölkerung der betrachteten Länder. Die Forschenden nutzten historische Daten seit dem Jahr 2000, um hitzebedingte Übersterblichkeit zu berechnen und mit gemeldeten Sterbezahlen abzugleichen.

Zusätzlich modellierten sie ein Szenario ohne den Einfluss des menschengemachten Klimawandels. Aus dem Vergleich mit den realen Bedingungen leiteten sie ab, welcher Anteil der Todesfälle auf die zusätzliche Erwärmung durch Treibhausgasemissionen entfällt. Nach dieser Rechnung waren fast zwei Drittel der geschätzten Todesfälle klimawandelbedingt.

Die Zahlen liegen deutlich über früheren Vergleichswerten. Für 2022 wurden in derselben Region etwa 29.000 hitzebedingte Todesfälle angenommen. Der damals dem Klimawandel zugerechnete Anteil lag bei 59 Prozent. Für 2026 fällt sowohl die Gesamtzahl als auch der zugeordnete Anteil höher aus.

Besonders gefährliche Phase im Juni

Eine entscheidende Rolle spielte den Forschenden zufolge eine starke Hitzephase zu Beginn des Sommers. Fast ein Drittel aller erfassten Todesfälle entfiel demnach auf die Zeit vom 17. Juni bis zum 1. Juli. In diesem Zeitraum lagen die Temperaturen im Durchschnitt fünf Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.

Die Analyse macht zugleich deutlich, dass Hitze nicht ausschließlich ältere Menschen betrifft. Schätzungsweise 6.000 der rund 50.000 Opfer waren jünger als 65 Jahre. Damit weist die Studie auf ein breiteres Gesundheitsrisiko hin, das nicht allein auf besonders alte Bevölkerungsgruppen begrenzt ist.

Clair Barnes, Extremwetter- und Klimaforscherin am Imperial College, ordnete den Sommer 2026 als außergewöhnlich ein. Nach ihrer Einschätzung lässt sich mit hoher Sicherheit sagen, dass es in großen Teilen Europas der bislang schwerste Sommer mit Blick auf hitzebedingte Sterblichkeit war.

Forderung nach besserem Hitzeschutz

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die Ergebnisse als Hinweis auf große Lücken beim Schutz vor steigenden Temperaturen. Der Epidemiologe Pierre Masselot von der London School of Hygiene & Tropical Medicine warnte, viele Städte seien nicht ausreichend auf häufigere und intensivere Hitze vorbereitet.

Als mögliche Maßnahmen nannte er mehr Grünflächen, eine geringere Umweltbelastung und eine bessere medizinische Versorgung gefährdeter Menschen. Solche Anpassungen sollen Städte abkühlen und die gesundheitlichen Folgen künftiger Hitzewellen mindern.

Einordnung

Die Studie verbindet zwei Entwicklungen: Zum einen nehmen extreme Temperaturen im Zuge der Erderwärmung zu. Zum anderen leben viele Menschen in dicht bebauten Städten, in denen sich Hitze besonders stark stauen kann. Versiegelte Flächen, wenig Schatten und Luftverschmutzung können die Belastung zusätzlich erhöhen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Folgen des Klimawandels nicht nur in langfristigen Umweltveränderungen sichtbar werden, sondern auch in aktuellen Gesundheitsdaten. Der Sommer 2026 wird in der Analyse als bisheriger Höhepunkt einer Entwicklung beschrieben, die ohne stärkeren Klimaschutz und bessere Anpassung weitere Risiken für die Bevölkerung erwarten lässt.