Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wissen & Technik · Regeln für KI

Merz und Nvidia-Chef fordern globale KI-Regeln

Beim Investitionsgipfel in Berlin rückt die Regulierung künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt. Kanzler Merz und Nvidia-Chef Huang setzen auf Sicherheitsstandards und internationale Abstimmung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Debatte über KI-Regeln dreht sich um Sicherheit, Daten und internationale Standards.
Symbolbild: Die Debatte über KI-Regeln dreht sich um Sicherheit, Daten und internationale Standards. KI-generiert

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Nvidia-Chef Jensen Huang haben in Berlin für klarere, möglichst international abgestimmte Regeln für künstliche Intelligenz geworben. Bei einem Investitionsgipfel der Bundesregierung sagte Merz, KI solle mindestens auf europäischer Ebene, besser aber weltweit reguliert werden. Huang sprach sich dafür aus, nicht die Technologie als solche in den Mittelpunkt zu stellen, sondern konkrete Anwendungen. Unternehmen müssten sich an die besten verfügbaren Sicherheitsmaßstäbe halten.

Investitionsgipfel mit KI-Schwerpunkt

Die Bundesregierung wirbt am Montag und Dienstag in Berlin um Kapital und neue Industrieprojekte in Deutschland. Der Gipfel „Invest in Germany“ geht in die Entwickler- und Hausmesse von Nvidia über, einem zentralen Anbieter von KI-Beschleunigern. Der Konzern steht damit für eine Technik, die in Rechenzentren, Industrieanwendungen und datengetriebenen Geschäftsmodellen immer wichtiger wird.

Merz nutzte den Auftritt, um Deutschland als verlässlichen Standort für Technologie- und Industrieinvestitionen darzustellen. „Deutschland ist bereit, mit höherer Geschwindigkeit zu wachsen“, sagte der Kanzler. Es gehe um ein neues Kapitel der deutschen Wirtschaft. Er nannte dabei strategische Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur sowie eine stärkere Europäische Union und engere Partnerschaften mit internationalen Verbündeten. „Wir sind offen für Geschäfte und Partnerschaften“, sagte Merz.

Huang stellte Deutschland als attraktiven Markt für KI-Anwendungen dar. Nvidia arbeite bereits mit deutschen Unternehmen zusammen und sehe weitere Möglichkeiten. Der Konzernchef sagte, Nvidia sei in gewisser Weise einer der größten Wagniskapitalgeber in Deutschland. Zugleich machte er deutlich, dass die industrielle Nutzung von KI stark von Daten abhängt, die Unternehmen bislang häufig nicht ausreichend verfügbar machen.

Industriedaten sollen nutzbar werden

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Nvidia haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist es, Industriedaten besser für KI nutzbar zu machen. Dabei geht es nach Angaben der Bundesregierung insbesondere um Modelle wie Nemotron und Cosmos.

Merz appellierte an Unternehmen, ihre Daten stärker für KI-Anwendungen zu öffnen. Für viele Industriebetriebe ist das ein heikler Punkt, weil Produktionsdaten, Entwicklungsdaten und Maschineninformationen oft als besonders sensibel gelten. Gleichzeitig gelten sie als Grundlage für digitale Zwillinge, automatisierte Planung, Robotik und neue Formen industrieller Steuerung.

Huang betonte, die nächste Entwicklungsstufe der künstlichen Intelligenz liege in der Verbindung mit der physischen Welt. Damit sind Anwendungen gemeint, die nicht nur Texte, Bilder oder Software betreffen, sondern Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und industrielle Prozesse. Der Nvidia-Chef sagte, Deutschlands Daten seien ein Teil der Ressourcen des Landes. Sie sollten daher in lokalen Modellen genutzt werden.

Streitpunkt Regulierung

Die Debatte über KI-Regeln dreht sich zunehmend um die Frage, wie Sicherheit, Innovationsfähigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit zusammengebracht werden können. Huang sagte, Fähigkeiten seien ohne Sicherheit wenig wert. Zugleich vertrat er die Position, dass Regulierung ohne technische Grundlagen nicht funktioniere. Auch funktionale Sicherheit müsse erst entwickelt und praktisch umgesetzt werden.

Nach Huangs Ansicht sollten Regeln vor allem dort ansetzen, wo KI konkret eingesetzt wird. Damit unterscheidet er zwischen der Technologie selbst und einzelnen Anwendungen in Unternehmen, Produkten oder Infrastrukturen. Für die Industrie ist diese Unterscheidung wichtig, weil allgemeine Vorgaben für Basistechnologien andere Folgen hätten als Regeln für bestimmte Einsatzbereiche.

Merz unterstützte den Ansatz, die Regulierung über nationale Grenzen hinaus zu denken. Er verwies außerdem auf Ausnahmen für Maschinen in der europäischen KI-Regulierung. Die europäischen Regelwerke zur KI und zu Maschinen wurden 2023 verhandelt und prägen seither die Diskussion darüber, welche Systeme als besonders riskant gelten und welche Anforderungen Unternehmen erfüllen müssen.

Standortfrage für Deutschland

Hinter der Regulierungsdebatte steht auch die Frage, welche Rolle Deutschland im globalen KI-Wettbewerb spielen kann. Die Bundesregierung verbindet Investitionen in Rechenzentren, industrielle Datenräume und KI-Modelle mit der Hoffnung, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken. Nvidia wiederum profitiert von jedem Ausbau großer KI-Infrastrukturen, weil dafür spezialisierte Chips und Systeme benötigt werden.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das einen doppelten Druck. Sie sollen Daten stärker nutzen, ohne Kontrolle über sensible Informationen zu verlieren. Zugleich müssen sie sich auf Regeln einstellen, die Sicherheit gewährleisten und international anschlussfähig bleiben. Die Berliner Gespräche zeigen, dass die Regulierung von KI nicht mehr nur als Rechtsfrage behandelt wird, sondern als Kern der Technologie- und Standortpolitik.

Künstliche IntelligenzKI-RegulierungNvidiaFriedrich MerzTechnologiepolitik

Weitere Links zum Thema