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Wissen & Technik · Klima und Folgen

Hitzesommer belastet Europa und Korallenriffe

Mehr als 50.000 Menschen starben im Sommer 2026 in Europa hitzebedingt. Zugleich warnt die IUCN vor massiven Schäden an Korallenriffen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Extreme Hitze und geschädigte Ökosysteme stehen für wachsende Klimarisiken.
Symbolbild: Extreme Hitze und geschädigte Ökosysteme stehen für wachsende Klimarisiken. KI-generiert

Der Sommer 2026 hat Europa nach neuen Berechnungen schwer getroffen: Mehr als 50.000 Menschen starben infolge extremer Hitze, allein in Deutschland wurden rund 16.000 Todesfälle geschätzt. Eine am Freitag veröffentlichte Studie sieht den menschengemachten Klimawandel als zentralen Treiber der Belastung. Parallel warnt die Weltnaturschutzunion IUCN vor einem weitreichenden Verlust von Korallenriffen, die für Küstenschutz, Fischerei und Ökosysteme eine wichtige Rolle spielen.

Europa erlebt tödlichen Hitzesommer

Die Untersuchung zur hitzebedingten Sterblichkeit stammt von Forschenden des Imperial Grantham Institute und der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Sie beruht auf Modellen für 854 Städte und Ballungsräume in 27 EU-Staaten sowie in Großbritannien, Norwegen und der Schweiz. In diesen Gebieten leben etwa 40 Prozent der Bevölkerung der berücksichtigten Länder.

Nach den Berechnungen war 2026 der schwerste Hitzesommer in Europa seit Beginn der Modellreihe im Jahr 2000. Besonders stark betroffen waren Länder in Süd- und Westeuropa. Auch Staaten mit sonst milderem Klima verzeichneten hohe Opferzahlen. Für Großbritannien wurden etwa 4.500 hitzebedingte Todesfälle berechnet. Für Deutschland nannte das Robert Koch-Institut rund 16.000 Tote in diesem Sommer.

Zum Vergleich: Für 2022 wurden europaweit etwa 29.000 Hitzetote berechnet, für 2003 rund 28.000. Damit liegt der Sommer 2026 deutlich über früheren Extremjahren. Die stärkste Belastung fiel auf die Phase vom 17. Juni bis 1. Juli. In diesem Zeitraum ereignete sich fast ein Drittel der geschätzten Todesfälle.

Erderwärmung verstärkt Risiken

In Westeuropa lagen die Sommertemperaturen im Mittel 2,9 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Die Forschenden führen etwa zwei Drittel der hitzebedingten Todesfälle auf die durch Treibhausgase verursachte Erwärmung zurück. Die Klimaforscherin Clair Barnes vom Imperial College London ordnete die Ergebnisse als Hinweis auf den bislang tödlichsten Hitzesommer in großen Teilen Europas ein.

Auch die wissenschaftliche Initiative World Weather Attribution bewertet die Rekordhitze als Folge der menschengemachten Erwärmung. Demnach wären die hohen Tageswerte und die warmen Nächte während der Hitzetage Ende Juni vor einem halben Jahrhundert praktisch nicht zu erwarten gewesen.

Hitze trifft Menschen nicht nur während einzelner Spitzentemperaturen. Warme Nächte erschweren die Erholung des Körpers. Für ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen in dicht bebauten Städten steigt dadurch das Risiko besonders. Die neuen Berechnungen zeigen, wie stark sich Temperaturrekorde inzwischen in Gesundheitsfolgen niederschlagen.

Korallenriffe unter Druck

Neben den Folgen an Land verschärft sich die Lage in den Meeren. Die IUCN warnt, dass die Erderwärmung in den kommenden 50 Jahren bis zu 96 Prozent der Korallenriffe weltweit zerstören könnte. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass bei einer Erwärmung um 2 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit bis zu 99 Prozent der globalen Riffe verschwinden könnten.

Korallenriffe gelten als besonders artenreiche Lebensräume. Sie sind Grundlage vieler Nahrungsketten und Kinderstube zahlreicher Fischarten, darunter auch wirtschaftlich bedeutende Bestände. Mindestens eine halbe Milliarde Menschen hängt in ihrer Lebensgrundlage von Leistungen der Riffe ab. Studien beziffern den jährlichen Wert dieser ökologischen Funktionen auf 6,8 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt ihre Bedeutung für den Küstenschutz. Riffe brechen Wellen und können dadurch Erosion sowie Überflutungen abmildern. Ihr Verlust hätte deshalb nicht nur ökologische Folgen, sondern könnte auch Siedlungen, Infrastruktur und lokale Wirtschaft in Küstenregionen stärker gefährden.

Einordnung

Die aktuellen Befunde zeigen zwei Seiten derselben Entwicklung: Steigende Temperaturen erhöhen unmittelbar die Gefahr für Menschen und verändern zugleich die Grundlagen ganzer Ökosysteme. Während Europa bereits eine außergewöhnlich hohe Zahl hitzebedingter Todesfälle verzeichnet, geraten Korallenriffe weltweit an Belastungsgrenzen. Gesundheitssysteme, Stadtplanung, Küstenschutz und Klimapolitik stehen damit vor langfristigen Anpassungsaufgaben.