Wissen & Technik · Klimawandel und Gesundheit
Hitzesommer 2026 fordert rund 50.000 Tote in Städten
Der Sommer 2026 hat in Europas Städten nach einer neuen wissenschaftlichen Analyse rund 50.000 Menschen durch Hitze das Leben gekostet. Forschende des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine kommen zu dem Ergebnis, dass etwa 65 Prozent dieser Todesfälle auf die vom Menschen verursachte Erderwärmung zurückgehen. Das entspricht rund 33.000 zusätzlichen Todesfällen. Der Wert gilt als bislang höchste Schätzung für hitzebedingte Sterblichkeit in europäischen Städten.
854 Städte in 30 Ländern untersucht
Für die Studie, die im Fachmagazin „Nature Health“ veröffentlicht wurde, wertete das Forschungsteam Daten aus 854 städtischen Gebieten aus. Erfasst wurden Städte in den 27 EU-Staaten sowie im Vereinigten Königreich, in Norwegen und in der Schweiz. In diesen urbanen Räumen leben nach Angaben der Forschenden etwa 40 Prozent der Bevölkerung der betrachteten Länder.
Zum Vergleich: Für das Jahr 2022 lag die geschätzte Zahl hitzebedingter Todesfälle in derselben Region bei etwa 29.000. Damals wurde der Anteil, der auf den Klimawandel entfiel, auf 59 Prozent beziffert. Anfang der 2000er Jahre lag dieser Anteil den Berechnungen zufolge noch bei etwa zwei Fünfteln. Die Entwicklung zeigt damit nicht nur steigende Temperaturen, sondern auch wachsende gesundheitliche Folgen der Erwärmung.
Die Forschenden berechneten zunächst, wie viele Todesfälle bei den gemessenen Temperaturen zu erwarten waren. Anschließend modellierten sie ein Szenario ohne den Beitrag der menschengemachten Treibhausgasemissionen. Die Differenz zwischen beiden Werten ergibt die Zahl der Todesfälle, die der zusätzlichen Erwärmung zugeschrieben wird. Grundlage sind historische Daten seit dem Jahr 2000 sowie der statistisch gut belegte Zusammenhang zwischen Hitze und Sterblichkeit.
Ende Juni besonders gefährlich
Der Sommer 2026 war in Europa von mehreren Hitzewellen geprägt. Besonders stark betroffen waren Süd- und Westeuropa, wo die höchsten geschätzten Sterberaten auftraten. Über die gesamte Saison hinweg lagen die Temperaturen in Europa etwa 2,9 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. An einzelnen Tagen wurden Abweichungen von bis zu 12 Grad gemessen.
Die kritischste Phase fiel auf den Zeitraum vom 17. Juni bis zum 1. Juli. In diesen zwei Wochen ereignete sich nach den Berechnungen fast jeder dritte hitzebedingte Todesfall des Sommers. Die täglichen Durchschnittstemperaturen lagen in dieser Phase in der untersuchten Region mehr als fünf Grad über dem langjährigen Vergleichswert.
Auch Länder mit normalerweise kühlerem Klima waren betroffen. Für städtische Gebiete im Vereinigten Königreich schätzt die Studie rund 4.400 hitzebedingte Todesfälle. Für Deutschland nennt sie etwa 6.400 Fälle in den untersuchten Städten. Das liegt deutlich unter der Schätzung des Robert Koch-Instituts von mehr als 16.000 hitzebedingten Todesfällen in Deutschland, bezieht sich aber auf einen engeren Raum: Die Studie betrachtet ausgewählte urbane Gebiete, die RKI-Schätzung das gesamte Bundesgebiet.
Nicht nur ältere Menschen betroffen
Das Sterberisiko steigt bei Hitze besonders für ältere Menschen, Vorerkrankte und sozial benachteiligte Gruppen. Die Analyse zeigt jedoch, dass auch Jüngere in erheblichem Maß betroffen waren. Etwa 6.000 der geschätzten Todesfälle entfielen auf Menschen unter 65 Jahren. Das entspricht ungefähr jedem achten hitzebedingten Todesfall in den untersuchten Städten.
Die Forschenden verweisen auf besonders gefährdete Gruppen, die Hitze nicht ausreichend meiden können. Dazu zählen Menschen, die im Freien arbeiten, sowie Personen, deren Wohnungen sich stark aufheizen und kaum gekühlt werden können. Städte spielen dabei eine zentrale Rolle, weil versiegelte Flächen Wärme speichern und dicht bebaute Viertel nachts nur langsam abkühlen.
Als wichtige Anpassungsmaßnahmen nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr Stadtgrün, weniger Luftverschmutzung und eine bessere medizinische Vorbereitung auf Hitzeperioden. Zugleich betonen sie, dass Hitzeschutz allein nicht ausreicht. Ohne eine schnelle Verringerung der Emissionen aus Kohle, Öl und Gas werde die Belastung durch extreme Sommer weiter zunehmen.