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Stündlich aktualisiert

Wissen & Technik · KI-Kontrolle

China plant neue Kontrollen für KI-Technologietransfers

China will den Abfluss wichtiger Technologien stärker steuern. Betroffen sind vor allem KI-Verfahren, außerdem Photovoltaik und Biomedizin.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Künstliche Intelligenz und Solartechnik rücken stärker in den Fokus staatlicher Kontrollen.
Symbolbild: Künstliche Intelligenz und Solartechnik rücken stärker in den Fokus staatlicher Kontrollen. KI-generiert

China will den Transfer zentraler Technologien ins Ausland deutlich enger überwachen. Das Handelsministerium und das Wissenschaftsministerium haben einen Entwurf vorgelegt, der 40 Schlüsseltechnologien aus Künstlicher Intelligenz, Photovoltaik und Biomedizin umfasst. Für 14 Bereiche ist ein Ausfuhrverbot vorgesehen, für 26 weitere sollen künftig Genehmigungen nötig sein. Unternehmen müssen betroffene Transfers bereits seit Freitag registrieren, obwohl die Regeln noch nicht endgültig beschlossen sind.

23 KI-Technologien im Fokus

Der Schwerpunkt des Entwurfs liegt auf Künstlicher Intelligenz. Von den 40 genannten Technologien entfallen 23 auf diesen Bereich. Erfasst werden unter anderem Verfahren für große KI-Modelle sowie sogenannte KI-Agenten. Damit sind Systeme gemeint, die Aufgaben in hohem Maß eigenständig ausführen können.

Die geplanten Vorgaben betreffen nicht nur klassische Warenexporte. Auch der Verkauf von Schutzrechten und die Vergabe von Lizenzen ins Ausland sollen unter die Melde- und Genehmigungsregeln fallen. Damit richtet sich der Entwurf auf den Abfluss von technischem Wissen, nicht allein auf physische Produkte.

Bis zum 15. November können Stellungnahmen zu dem Vorhaben eingereicht werden. Erst danach ist mit einer endgültigen Entscheidung zu rechnen. Die Registrierungspflicht für betroffene Technologietransfers gilt jedoch bereits seit der Ankündigung.

Ausnahmen für Dienste und fertige Module

Nicht jeder Umgang mit KI soll unter die neuen Kontrollen fallen. Der Zugriff auf KI-Dienste über Apps oder Internetseiten bleibt nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums ausgenommen. Das gilt ebenso für KI-Technologien, die bereits öffentlich verfügbar sind.

Auch bei der Solartechnik zieht der Entwurf Grenzen. Bestimmte Produktionsanlagen und Herstellungsverfahren sollen zwar erfasst werden. Fertige Solarmodule fallen aber nicht unter die geplanten Beschränkungen. Neben KI und Photovoltaik werden auch Techniken aus der Zell- und Gentherapie genannt.

Das Handelsministerium begründet den Vorstoß mit Sicherheitsrisiken. KI könne für Angriffe auf kritische Infrastruktur eingesetzt werden. Solartechnik habe zudem Bedeutung für Raumfahrt und Verteidigung. Zugleich betont das Ministerium, die Maßnahmen zielten nicht auf einzelne Staaten oder Unternehmen.

Technologiewettstreit mit den USA

Der Entwurf reiht sich in eine bereits länger laufende Verschärfung chinesischer Exportregeln ein. China hatte 2025 unter anderem bestimmte Verfahren zur Herstellung von Batteriematerialien und zur Gewinnung von Lithium eingeschränkt. Hinzu kamen Genehmigungspflichten für ausgewählte seltene Erden und Produkte daraus.

Die neuen Pläne stehen auch im Kontext des technologischen Wettbewerbs mit den USA. Washington kontrolliert seinerseits die Ausfuhr leistungsfähiger KI-Chips nach China. Peking setzt nun stärker bei technischem Wissen an, das für die Entwicklung und industrielle Nutzung von KI-Systemen wichtig sein kann.

Für Unternehmen wächst damit die Bedeutung von Compliance bei Forschung, Lizenzen und internationalen Kooperationen. Besonders sensibel werden Projekte, bei denen Know-how über Landesgrenzen hinweg geteilt wird. Das betrifft nicht nur den Verkauf fertiger Technik, sondern auch Patente, Softwareverfahren und Produktionswissen.

Nutzen und Kontrolle von KI

Wie breit KI bereits eingesetzt wird, zeigt ein deutsches Forschungsprojekt zur Erfassung von Waldschäden. Unter dem Namen SENSURE Wald sollen Satellitendaten des europäischen Copernicus-Programms mit KI-Verfahren ausgewertet werden. Ziel ist es, Schäden nach Borkenkäferbefall oder Stürmen schneller zu erkennen und Wiederaufforstung genauer zu planen.

Beteiligt sind die Hochschule RheinMain, HessenForst und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt. Das Projekt läuft bis 2028 und wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit 633.000 Euro gefördert. Mit einem Super-Resolution-Verfahren sollen aus Satellitendaten detailreichere Bilder entstehen, damit auch kleinere Schadflächen sichtbar werden.

Solche Anwendungen zeigen die Spannbreite der Technologie: KI kann Infrastruktur, Forschung und Umweltmanagement unterstützen, zugleich aber sicherheitsrelevantes Wissen bündeln. Deshalb verschiebt sich die politische Debatte zunehmend von der Frage, ob KI eingesetzt wird, hin zu Kontrolle, Zuständigkeiten und Grenzen beim Transfer der zugrunde liegenden Verfahren.