Wirtschaft · Volkswagen-Krise
VW verschärft Sparkurs und baut Zwickau um
Volkswagen treibt in der Krise den Umbau seiner deutschen Werke voran und setzt in Zwickau erstmals auf eine industrielle Demontage von Altfahrzeugen. Der Konzern will dort künftig Teile und Rohstoffe zurückgewinnen, während die Zukunft der Fahrzeugproduktion offen bleibt. Parallel belastet ein Streit um Audis geplantes US-Werk in Georgia den Konzern: Im Aufsichtsrat liegen dafür bislang keine verbindlichen Zusagen vor.
Zwickau soll Autos zerlegen
Im Werk Zwickau hat Volkswagen am Mittwoch eine neue Linie für die Demontage von Fahrzeugen in Betrieb genommen. Der Standort soll damit nicht nur Elektroautos bauen, sondern gebrauchte Fahrzeuge systematisch auseinandernehmen. Aus ihnen will VW Originalteile für den Handel sowie Rohstoffe für neue Produktionen gewinnen.
Der Konzern verbindet das Projekt mit der wachsenden Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Dabei geht es auch um strengere Vorgaben für Industrieunternehmen und um den Versuch, unabhängiger von internationalen Rohstoffmärkten zu werden. Nach den Plänen von Volkswagen sollen in Zwickau ab 2030 mehr als 15.000 Fahrzeuge pro Jahr zerlegt werden. Für das kommende Jahr ist zunächst eine Größenordnung von etwas mehr als 4.000 Autos vorgesehen.
Zum Start sollen etwa 100 Beschäftigte in der Demontage arbeiten. Langfristig stellt Volkswagen bis zu 1.000 neue oder gesicherte Arbeitsplätze in Aussicht. Der Konzern investiert nach eigenen Angaben 90 Millionen Euro in das Gesamtprojekt am Standort. Der Freistaat Sachsen beteiligt sich mit rund zehn Millionen Euro.
Produktion bleibt unsicher
Für Zwickau ist die neue Aufgabe ein Signal in einer angespannten Lage. In dem Werk arbeiten derzeit rund 8.000 Menschen. Dort laufen unter anderem Elektrofahrzeuge der Marken Volkswagen, Cupra und Audi vom Band. Die Auslastung liegt jedoch seit längerem deutlich unter der technischen Kapazität von bis zu 360.000 Elektroautos pro Jahr. Aktuell werden rund 200.000 Fahrzeuge jährlich genannt.
Volkswagen will die Produktion an mehreren deutschen Standorten in den kommenden Jahren zurückfahren oder auslaufen lassen. Für Zwickau steht ein Ende der Fahrzeugfertigung im Jahr 2031 im Raum. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter betont, die Kreislaufwirtschaft könne den Standort verbreitern. Zugleich macht die Landesregierung deutlich, dass die Autoproduktion das zentrale Standbein bleiben soll.
Auch aus der Gewerkschaft kommt Zustimmung zum Einstieg in die Demontage, verbunden mit Kritik am Tempo und an der Größe des Projekts. Die IG Metall fordert, die neue Linie zügig auszubauen und zugleich eine dauerhafte Auslastung der Fahrzeugfertigung zu sichern. Ministerpräsident Michael Kretschmer hat für Zwickau ein Modell vorgeschlagen, bei dem eine neue Gesellschaft das Werk übernehmen könnte, während Volkswagen die Kontrolle behielte. Wettbewerbsfähigere Kosten sollen dabei auch durch Zugeständnisse der Belegschaft erreicht werden. Die IG Metall lehnt Eingriffe der Politik in die Tarifautonomie ab.
Strenge Prüfung neuer Projekte
Der Sparkurs zeigt sich auch daran, wie Volkswagen neue Vorhaben bewertet. Angaben zu Umsatz- und Ergebniserwartungen für das Demontagegeschäft nennt der Konzern nicht. Verantwortliche verweisen aber darauf, dass jedes freigegebene Projekt derzeit einer besonders intensiven Prüfung standhalten müsse.
Fachleute sehen die Wirtschaftlichkeit des Autorecyclings vor allem von den zurückgewonnenen Materialien abhängig. Wertvoll sind etwa Kupfer, Leiterplatten und weitere Komponenten, die in Elektroautos stärker vertreten sind. Je mehr solcher Stoffe verwertbar werden, desto größer ist die Chance, aus der Demontage ein tragfähiges Geschäftsfeld zu machen. Zugleich entsteht der Druck zum Recycling auch durch europäische Vorgaben.
Zweifel an Audis US-Plänen
Zusätzliche Unruhe entsteht durch Audis Pläne in den USA. Audi-Chef Gernot Döllner hatte gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump den Bau eines Werks im Bundesstaat Georgia öffentlich gefeiert. Der Auftritt fand bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikanischen Partei statt und sorgte in Deutschland für deutliche Kritik.
Im Volkswagen-Konzern wächst nun die Skepsis, wie belastbar die politischen Absprachen rund um das Projekt sind. Dem Aufsichtsrat liegen bislang keine bindenden Zusagen vor. Damit trifft der Konflikt um Audis US-Investition auf einen Konzern, der seine Ausgaben strenger kontrolliert und seine Werke neu ausrichtet. Zwickau wird dabei zum Beispiel für den Versuch, bestehende Standorte mit neuen Aufgaben zu stabilisieren, ohne die zentrale Frage der künftigen Autoproduktion schon zu lösen.