Wirtschaft · Krypto-Rekorddiebstahl
Binance nimmt Auszahlungen nach Milliardenhack wieder auf
Nach dem Milliardenangriff auf Binance laufen Auszahlungen bei der weltgrößten Kryptobörse wieder an. Nach Daten des Analysehauses DefiLlama zogen Kundinnen und Kunden netto mehr als 3,5 Milliarden Dollar ab. Binance erklärte, die Abflüsse hätten sich nach einem starken ersten Anstieg beruhigt. Das FBI ordnet den Cyberangriff einer von Nordkorea unterstützten Gruppe zu, die unter der Bezeichnung TraderTraitor geführt wird.
Angriff in wenigen Minuten
Der Diebstahl ereignete sich am Donnerstagabend und konzentrierte sich nach Unternehmensangaben weitgehend auf einen Zeitraum von etwa 20 Minuten. Insgesamt wurden digitale Vermögenswerte im Umfang von rund 6,3 Milliarden Dollar entwendet. Co-Chef Richard Teng beschrieb den Angriff als technisch anspruchsvoll. Demnach verschafften sich die Täter über einen kompromittierten Laptop Zugang und setzten Schadsoftware ein, um ihre Spuren zu verschleiern.
Binance verwies auf Gegenmaßnahmen, die den Schaden begrenzen sollten. Gemeinsam mit Partnern seien bis Freitag Vermögenswerte im Umfang von rund drei Milliarden Dollar blockiert worden. Auch große Stablecoin-Anbieter reagierten: Tether fror Werte von fast 1,57 Milliarden Dollar ein, Circle weitere 800 Millionen Dollar. Solche Schritte sollen verhindern, dass gestohlene Token weiterverkauft oder über mehrere Plattformen verschoben werden.
Auszahlungen schrittweise freigegeben
Nach der vorübergehenden Einschränkung begann Binance am Wochenende damit, Auszahlungen wieder zu ermöglichen. Zunächst wurden unter anderem Bitcoin, Ether, XRP und Dogecoin freigegeben. Die Angaben zum bereits abgesicherten Anteil der gestohlenen Kundengelder schwanken zwischen 90 und 95 Prozent. Binance teilte zudem mit, intern rund 6,34 Milliarden Dollar aus eigenen Mitteln bereitgestellt zu haben, um Verluste abzudecken.
Der noch offene Teil betrifft nach Darstellung des Unternehmens weniger liquide Vermögenswerte. Deren Beschaffung könne länger dauern, weil große Mengen nicht ohne Weiteres am Markt verfügbar seien. Trotz der Abhebungswelle betont Binance, der Betrieb stabilisiere sich. Der Fall trifft eine Plattform mit erheblicher Marktbedeutung: Nach dem Jahresbericht für 2025 verwaltete Binance Vermögen von 162,8 Milliarden Dollar und hatte weltweit rund 335 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer.
Binance-Gründer Changpeng Zhao bedankte sich öffentlich bei US-Behörden für Unterstützung bei der Verfolgung und Blockierung von Vermögenswerten. Er schrieb ihnen auch eine Rolle dabei zu, dass der Bitcoin-Kurs nach dem Angriff nicht stärker unter Druck geraten sei.
FBI sieht Nordkorea-Spur
Die US-Bundespolizei FBI machte am Samstagabend eine staatlich gestützte Gruppe aus Nordkorea für den Angriff verantwortlich. Ermittler beobachteten demnach, wie Beteiligte gestohlene Werte in Ether umtauschten. Das FBI rechnet mit weiteren Versuchen, die Beute zu waschen und über verschiedene Kryptokanäle zu verschleiern.
Aus Nordkorea gab es zunächst keine Stellungnahme. Die Führung in Pjöngjang weist seit Jahren Vorwürfe zurück, sie setze staatliche Cybergruppen für Spionage oder Finanzdiebstähle ein. US-Präsident Donald Trump äußerte sich vorsichtiger als die Ermittlungsbehörde. Er sagte, es sei noch nicht sicher, ob Nordkorea beteiligt sei. Sollte sich dies bestätigen, werde man mit der Regierung in Pjöngjang darüber sprechen.
Branche diskutiert Frühwarnsystem
Der Angriff verstärkt den Druck auf Kryptobörsen, Emittenten und Analysefirmen, schneller auf große Diebstähle zu reagieren. Chainalysis sieht bei den Tätern neuere und ausgefeiltere Methoden zur Geldwäsche. Aus der Branche kommen Forderungen nach einem abgestimmten Warnsystem, das verdächtige Bewegungen unmittelbar meldet und ein zeitweises Einfrieren gestohlener Werte erleichtert.
Der Fall zeigt, wie eng technische Sicherheitsfragen, Marktvertrauen und geopolitische Risiken im Kryptosektor verbunden sind. Für Binance steht nach der Wiederaufnahme der Auszahlungen nun im Mittelpunkt, ob die Plattform weitere Abhebungen ohne neue Einschränkungen bewältigt und ob sich ein größerer Teil der gestohlenen Werte dauerhaft sichern lässt.