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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Tarifkonflikt Industrie

IG Metall weitet Warnstreiks zum Wochenstart aus

In der Metall- und Elektroindustrie legt die IG Metall weitere Betriebe lahm. Betroffen sind mehrere Bundesländer, darunter Bayern, NRW, Berlin und Brandenburg.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Stillstehende Anlagen in einer modernen Fabrik stehen für Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie.
Symbolbild: Stillstehende Anlagen in einer modernen Fabrik stehen für Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie. KI-generiert

Die IG Metall verstärkt am Montag ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie. Nach ersten Aktionen direkt nach Ablauf der Friedenspflicht sollen nun in mehreren Regionen Beschäftigte zeitweise die Arbeit niederlegen. Aufgerufen sind Betriebe unter anderem in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gewerkschaft will damit den Druck in den Tarifverhandlungen für rund 3,7 Millionen Beschäftigte erhöhen.

Ausstände in mehreren Regionen

Bereits in der Nacht zu Sonntag begannen erste Arbeitsniederlegungen. Zu den frühen Aktionen gehörten Aufrufe in Rheinland-Pfalz, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Mit Beginn der neuen Woche soll die Streikwelle deutlich größer werden. In Bayern sind nach Gewerkschaftsangaben 34 Betriebe betroffen, darunter auch Unternehmen aus der Automobilindustrie. Geplant sind zudem Ausstände bei einem bayerischen Autohersteller.

Auch in Berlin und Brandenburg hat die IG Metall Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen. Dort sollen in mehreren Betrieben für einige Stunden die Maschinen stillstehen. Genannt wurden unter anderem Standorte von Siemens Energy, Mercedes-Benz, Rheinmetall und Siemens Mobility. In Brandenburg sind ebenfalls Arbeitsniederlegungen vorgesehen.

Die Aktionen folgen auf die zweite Tarifrunde, die ohne Annäherung endete. Warnstreiks sind nach dem Ende der Friedenspflicht ein übliches Mittel in Tarifauseinandersetzungen. Die Gewerkschaft setzt sie nun breit ein, um vor der nächsten Verhandlungsphase ihre Forderungen zu unterstreichen.

Forderung und Angebot liegen auseinander

Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie fünf Prozent mehr Entgelt. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Zusätzlich will sie Regelungen erreichen, die Arbeitsplätze und Standorte absichern. In Berlin und Brandenburg verlangt die Gewerkschaft außerdem Gespräche über eine tarifliche Beteiligung am Gewinn für Beschäftigte und Auszubildende sowie über eine soziale Komponente zugunsten niedrigerer Entgeltgruppen.

Die Arbeitgeberseite hat in der zweiten Runde ein Angebot vorgelegt. Es sieht für das kommende Jahr eine Einmalzahlung vor. Für Juli 2028 ist demnach eine Entgelterhöhung um 1,3 Prozent vorgesehen. In Berlin und Brandenburg wurde das Angebot mit einer Laufzeit bis Ende 2028 verbunden. Die Einmalzahlung soll dort einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts entsprechen. Unternehmen mit sehr schwacher Ertragslage sollen sie aussetzen können.

Die IG Metall weist das Angebot als unzureichend zurück. Aus Sicht der Gewerkschaft fehlt damit eine Grundlage, um auf Warnstreiks zu verzichten. Die Arbeitgeber halten die Ausstände dagegen für überzogen und warnen vor wirtschaftlichen Schäden in einer ohnehin schwierigen Lage der Industrie.

Arbeitgeber warnen vor Belastungen

Der bayerische Arbeitgeberverband vbm fordert die Gewerkschaft zu Zurückhaltung auf. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärte, Streiks passten nicht zur aktuellen Situation. Auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert die Arbeitsniederlegungen. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander wirft der Gewerkschaft vor, unnötige Schäden zu verursachen.

Der Konflikt trifft eine Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Die Metall- und Elektroindustrie umfasst unter anderem Maschinenbau, Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Zulieferbetriebe. Sie ist stark exportorientiert und steht seit längerem unter Druck durch schwache Nachfrage, hohe Kosten und Strukturwandel. Für die Gewerkschaft stehen deshalb neben höheren Löhnen auch Beschäftigungssicherung und Standortgarantien im Mittelpunkt.

Tarifrunde mit großer Reichweite

Die Tarifverhandlungen betreffen bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Entgeltrunden in der Metall- und Elektroindustrie haben häufig Signalwirkung über die Branche hinaus. Die aktuelle Auseinandersetzung wird zusätzlich dadurch geprägt, dass die Laufzeitvorstellungen weit auseinanderliegen: Die IG Metall will einen Abschluss für ein Jahr, die Arbeitgeberseite zielt mit ihrem Angebot auf eine Regelung bis Ende 2028.

Mit den Warnstreiks beginnt nun die Eskalationsphase der Tarifrunde. Die IG Metall kündigt an, die Proteste im Laufe der Woche auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten. Damit dürfte der Druck auf beide Seiten steigen, in weiteren Gesprächen eine tragfähige Lösung zu finden.