Wirtschaft · Volkswagen-Krise
VW und IG Metall starten Tarifgespräche im November
Volkswagen und IG Metall nehmen im festgefahrenen Streit über Sparmaßnahmen und Beschäftigung Ende November Tarifverhandlungen auf. Darauf verständigten sich Konzern und Gewerkschaft am Freitag nach Gesprächen in Hannover. Die erste Runde ist für den 24. November in Emden geplant, eine Fortsetzung soll am 15. Dezember in Zwickau folgen. Zugleich bleiben die Fronten verhärtet: Volkswagen will die Arbeitskosten senken und hält an der Kündigung von zehn Tarifverträgen fest, während IG Metall und Betriebsrat vor einem Arbeitskampf warnen.
Streit über Stellenabbau verschärft sich
Im Mittelpunkt steht der geplante Sparkurs des Konzerns. Volkswagen steckt seit längerer Zeit in einer schwierigen Lage und will Personal abbauen. Im September hatte der Aufsichtsrat beschlossen, in den kommenden Jahren weltweit 50.000 zusätzliche Stellen zu streichen. Ob und wie dieser Beschluss umgesetzt wird, soll nun mit der Arbeitnehmerseite verhandelt werden.
In Deutschland gelten mehrere Standorte als gefährdet. Genannt werden die VW-Werke in Hannover, Emden und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Insgesamt steht damit der Fortbestand von vier Werken zur Debatte. Die Gewerkschaft verlangt, dass Volkswagen die Kündigung der Tarifverträge zurücknimmt und Beschäftigungssicherung nicht aushebelt.
IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger warf dem Management vor, Vertrauen zerstört zu haben. Der Vorstand müsse den „Vertrauensbruch“ korrigieren, sagte er vor der weiteren Gesprächsrunde. Die Gewerkschaft setzte dem Unternehmen eine Frist bis Ende Oktober. Andernfalls könne ein Arbeitskampf vorbereitet werden.
Transfergesellschaft stößt auf Widerstand
Für zusätzlichen Konflikt sorgt ein Vorschlag des Konzerns, Beschäftigten den Wechsel in eine öffentlich geförderte Transfergesellschaft zu ermöglichen. Dort könnten Betroffene Unterstützung beim Übergang in neue Arbeit erhalten. Eine Finanzierung wäre teilweise über Transfer-Kurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit möglich.
Die Arbeitnehmerseite lehnt diesen Weg ab. Die IG Metall sieht darin eine Verlagerung von Kosten auf die Allgemeinheit und spricht von einer „Sanierung auf Kosten der Steuerzahler“. Auch der Betriebsrat reagierte ablehnend. Die Gewerkschaft wirft dem Vorstand zudem vor, mit einem solchen Modell die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 zu unterlaufen.
Volkswagen begründet die geplanten Maßnahmen mit dem Ziel, die Personalkosten rasch zu reduzieren. Medienberichten zufolge steht auch zur Debatte, dass Beschäftigte weltweit über mehrere Jahre auf Lohnerhöhungen verzichten. Die IG Metall fordert dagegen für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld.
Friedenspflicht endet zum Jahreswechsel
Die Gespräche am Freitag waren das zweite sogenannte Überprüfungsgespräch zwischen Unternehmensseite und Arbeitnehmervertretung. Dabei ging es auch darum, in welchem Umfang Volkswagen an frühere Zusagen gebunden bleibt. Die Einigung auf Termine für Tarifverhandlungen gilt zwar als Bewegung im Verfahren, löst den Grundkonflikt aber nicht.
Die Gewerkschaft bereitet sich nach eigenen Angaben zum Jahreswechsel auf eine Auseinandersetzung vor. Hintergrund ist das Ende der Friedenspflicht am 31. Dezember. Danach wären auch Streiks bei Volkswagen möglich. Kurz vor dem Treffen in Hannover hatte Gröger vor „gewaltigen Folgen“ gewarnt, falls der Konzern die Kündigung der Tarifverträge nicht zurücknehme.
Die Wahl der Verhandlungsorte ist politisch und betrieblich bedeutsam. Emden und Zwickau zählen zu den Standorten, über deren Zukunft diskutiert wird. Die IG Metall hatte gefordert, die Gespräche an betroffenen Werken zu führen. Volkswagen kommt diesem Wunsch mit dem Auftakt in Emden und der Fortsetzung in Zwickau entgegen.
Grundsatzkonflikt über die Zukunft
Der Konflikt berührt mehrere Ebenen zugleich: Kosten, Standorte, Tarifbindung und Beschäftigungssicherheit. Für Volkswagen geht es um eine tiefgreifende Neuaufstellung in einer angespannten wirtschaftlichen Lage. Für Betriebsrat und IG Metall steht die Frage im Vordergrund, ob der Konzern Einschnitte zulasten der Belegschaft und öffentlicher Kassen durchsetzt.
Bis zum Start der Tarifrunde bleiben die Beteiligten unter Druck. Die Gewerkschaft hat ihre Frist bis Ende Oktober gesetzt, der Konzern hält an seinen Sparzielen fest. Damit entscheiden die kommenden Wochen darüber, ob die Verhandlungen in Emden in ein geordnetes Verfahren münden oder ob sich der Konflikt bei Deutschlands größtem Autobauer weiter zuspitzt.