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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Volkswagen im Konflikt

VW-Betriebsrat verschärft Druck wegen Audi-US-Plänen

Nach dem Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei Donald Trump wächst der Druck im Volkswagen-Konzern. Betriebsrat und IG Metall verlangen Klarheit für deutsche Standorte.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: Bei Volkswagen stehen Investitionspläne, Kosten und Standortfragen unter besonderer Beobachtung.
Symbolbild: Bei Volkswagen stehen Investitionspläne, Kosten und Standortfragen unter besonderer Beobachtung. KI-generiert

Der Konflikt um Volkswagens US-Strategie spitzt sich zu: Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo kritisiert Audi-Chef Gernot Döllner wegen seines Auftritts bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf. Zugleich knüpft die Arbeitnehmerseite eine mögliche Zustimmung zu einem neuen Audi-Werk in Georgia an Bedingungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Folgen die Milliardeninvestition für Werke und Beschäftigung in Deutschland hätte.

Scharfe Kritik an Döllner

Cavallo warf Döllner vor, sich in eine politische Veranstaltung einbinden lassen zu haben, die aus ihrer Sicht den Werten des Konzerns widerspricht. In einem internen Gespräch sprach sie von „aktiver Wahlkampfhilfe“ und nannte den Vorgang „beschämend“. Auch den Volkswagen-Vorstand um Konzernchef Oliver Blume nahm sie in die Verantwortung. Der Konzern habe sich nach ihrer Darstellung von Trump für dessen politische Inszenierung nutzen lassen.

Döllner war am Samstag in Perry im US-Bundesstaat Georgia auf die Bühne gekommen, nachdem Trump dort überraschend den geplanten Bau eines Audi-Werks angekündigt hatte. Der Audi-Chef dankte dem US-Präsidenten für die Unterstützung. Später verwies Döllner darauf, eine Einladung des Präsidenten angenommen zu haben. Döllner führt Audi und sitzt zugleich im Volkswagen-Konzernvorstand. Dort ist er für die Markengruppe Progressive zuständig, zu der neben Audi auch Bentley, Lamborghini und Ducati gehören.

Für zusätzliche Brisanz sorgt die Unternehmensgeschichte. Volkswagen entstand in den 1930er-Jahren und wurde im Nationalsozialismus als Vorzeigeprojekt genutzt. Cavallo warnte deshalb vor einer politischen Symbolik, die dem Konzern erheblich schaden könne.

IG Metall sieht Regelbruch

Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner verurteilte Döllners Auftritt. Sie bezeichnete ihn am Montag als „politisch inakzeptabel“ und „peinlich“. Die Präsentation in den USA sei den Beschäftigten bei Audi nicht angemessen gewesen. Benner sieht zudem einen schweren Verstoß gegen unternehmensinterne Vorgaben zur politischen Neutralität.

Cavallo verweist ebenfalls auf Audi-Regeln für die Zeit vor Wahlen. Danach sollen öffentlichkeitswirksame Termine mit kandidierenden Politikerinnen und Politikern in den letzten drei Monaten vor einer Wahl unterbleiben. Döllner habe diese Grundsätze erst vor wenigen Monaten mitgetragen. Cavallo sprach deshalb von „sicherlich ein klarer Verstoß“. Die US-Zwischenwahlen sind für den 3. November angesetzt.

Damit verlagert sich die Debatte von der reinen Standortentscheidung auf die Führungskultur im Konzern. Der Vorgang trifft Volkswagen in einer Phase, in der Kosten, Auslastung und internationale Wettbewerbsfähigkeit besonders sensibel diskutiert werden. Die Arbeitnehmerseite macht deutlich, dass sie die US-Pläne nicht isoliert betrachten will.

US-Werk bleibt unter Vorbehalt

Audi plant in Georgia eine große Fertigung für SUV. In dem Werk sollen bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr entstehen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund vier Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa 3,6 Milliarden Euro. Vorgesehen sind 4.500 neue Arbeitsplätze. Der Baubeginn ist für 2027 geplant, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Für Audi wäre es die erste eigene Fabrik in den Vereinigten Staaten.

Cavallo erkennt an, dass eine stärkere Präsenz in den USA aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar sein kann. Der Markt ist groß und profitabel, der Anteil von Volkswagen dort aber niedrig. Hinzu kommen hohe Zölle, die den Konzern stark belasten. Unklar ist aus Sicht der Arbeitnehmerseite jedoch, ob die Investition Zollerleichterungen für den gesamten Konzern bringt und wie stabil mögliche Zusagen politisch wären.

Eine Zustimmung im Aufsichtsrat ist deshalb nicht sicher. Cavallo verlangt vor einer Entscheidung ein Gesamtbild für alle Standorte, ausdrücklich auch für Deutschland. Ohne diese Übersicht werde die Arbeitnehmerseite kein grünes Licht geben. Der Audi-Aufsichtsrat unterstützt die Pläne zwar, die Entscheidung steht nach Unternehmensangaben aber weiter unter dem Vorbehalt der zuständigen Gremien.

Sorge um deutsche Arbeitsplätze

Der Berliner Autoexperte Frank Schwope sieht durch ein neues Audi-Werk in den USA tendenziell Risiken für Beschäftigung in Deutschland. Volkswagen habe bereits Überkapazitäten. Er warnt vor möglichen Verlagerungen von Modellen und Arbeit. Als besonders sensibel gilt aus seiner Sicht der Standort Neckarsulm mit rund 15.000 Beschäftigten. Auch Jobs bei Porsche könnten betroffen sein, falls dort künftig Modelle für den US-Markt gebaut würden.

Audi weist die Deutung zurück, die Investition richte sich gegen Deutschland. Das Unternehmen erklärte, ein starkes US-Geschäft könne zusätzliche Produktion in Europa ermöglichen und deutsche Werke stärken. Die Investitionspläne für Deutschland blieben unverändert. Eine Sprecherin betonte: „Jeder Standort muss seinen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Stärke von Audi leisten.“

Für Volkswagen geht es damit um mehr als eine Fabrik in Georgia. Der Konzern muss seine globale Produktion an Zölle, Märkte und Kosten anpassen. Gleichzeitig wächst im Inland der Druck, Beschäftigung und Auslastung abzusichern. Die Auseinandersetzung um Döllners Auftritt verschärft diesen Zielkonflikt nun auch politisch.