Wirtschaft · Autoindustrie
Volvo Cars streicht weltweit rund 2.500 Stellen
Volvo Cars verschärft seinen Sparkurs und baut weltweit rund 2.500 Stellen ab. Das Unternehmen teilte am Freitag in Göteborg mit, die jährlichen Kosten um etwa 5 Milliarden schwedische Kronen zu senken, umgerechnet rund 450 Millionen Euro. Besonders stark betroffen ist Schweden. Der Schritt folgt auf ein schwaches drittes Quartal mit deutlichen Verlusten, einem Einbruch im China-Geschäft und Belastungen im US-Markt.
Sparprogramm trifft vor allem Schweden
Von den geplanten Kürzungen entfallen rund 2.000 Arbeitsplätze auf Schweden. Volvo Cars will den Personalabbau unter anderem über auslaufende Beraterverträge, natürliche Fluktuation und Abfindungsangebote umsetzen. Vorstandschef Hakan Samuelsson begründet die zusätzlichen Maßnahmen mit einem deutlich schwierigeren Geschäftsumfeld als zuvor erwartet.
Das Unternehmen hatte bereits 2025 einen größeren Stellenabbau angekündigt. Die Belegschaft ist seitdem spürbar kleiner geworden: Im Vorjahreszeitraum waren es noch etwa 43.000 Beschäftigte, in den ersten neun Monaten 2026 lag die durchschnittliche Zahl bei rund 39.300.
Samuelsson hatte die Prognose für das laufende Jahr bereits Anfang Oktober zurückgenommen. Nun verschärft der Konzern die Sparmaßnahmen erneut. Der Manager bezeichnete das dritte Quartal in einem Schreiben an die Anteilseigner als „sehr enttäuschend“.
China-Geschäft bricht stark ein
Im dritten Quartal lieferte Volvo Cars rund 141.300 Fahrzeuge aus. Das waren 11 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank fast um ein Viertel auf 66,9 Milliarden schwedische Kronen. Operativ schrieb der Autobauer tiefrote Zahlen: Vor Zinsen und Steuern fiel ein Verlust von 5,6 Milliarden Kronen an. Ein Jahr zuvor hatte Volvo Cars in dieser Kennzahl noch 6,4 Milliarden Kronen Gewinn erzielt.
Auch unter dem Strich drehte das Ergebnis deutlich ins Minus. Der Nettoverlust betrug 5,7 Milliarden schwedische Kronen, umgerechnet rund 513 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte der Konzern noch 4,5 Milliarden Kronen verdient.
Besonders schwer wiegt die Entwicklung in China. Dort sank der Umsatz von Volvo Cars im Jahresvergleich nahezu um die Hälfte. Der Markt für etablierte Premiummarken schrumpft stark, zugleich drücken neue Wettbewerber und sinkende Preise auf die Ergebnisse. Die Schwäche trifft nicht nur Volvo Cars, sondern auch andere europäische Premiumhersteller, darunter Mercedes-Benz, BMW und Audi.
Belastungen auch in den USA
Neben China entwickelt sich auch der US-Markt schwach. Dort belasten Volvo Cars weiterhin Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus der Europäischen Union. Zusätzlich fallen Kaufanreize für Elektroautos weg. Damit bleiben zwei wichtige Märkte hinter den Erwartungen zurück.
Nach den Angaben des Unternehmens leisteten China und die USA zuletzt keinen Beitrag zum Konzerngewinn. Für Volvo Cars ist das besonders problematisch, weil der Hersteller stark auf Premiumfahrzeuge und auf den Ausbau elektrischer Modelle setzt. Sinkende Nachfrage, Preisdruck und politische Handelsbarrieren treffen damit zentrale Teile der Strategie.
An der Börse ist der Druck ebenfalls sichtbar. Die Aktie des Autobauers fiel in dieser Woche auf ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn hat sie mehr als die Hälfte ihres Werts verloren.
Einordnung
Volvo Cars wird vom chinesischen Autokonzern Geely kontrolliert, hat seinen Sitz aber in Göteborg. Der Pkw-Hersteller ist seit Jahrzehnten nicht mehr mit dem schwedischen Lastwagenbauer Volvo AB verbunden. Beide Unternehmen treten weiterhin unter dem Namen Volvo auf, sind aber getrennte Konzerne.
Der neue Stellenabbau zeigt, wie stark sich das Umfeld für europäische Autobauer verändert hat. In China verschärft sich der Wettbewerb durch lokale Hersteller, die mit hoher Geschwindigkeit neue Modelle auf den Markt bringen. In den USA wirken Handelspolitik und auslaufende Elektroauto-Förderung zusätzlich bremsend. Volvo Cars reagiert darauf mit Kostensenkungen, nachdem Umsatz, Absatz und Ergebnis im dritten Quartal deutlich zurückgegangen sind.