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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Volkswagen-Konzern

Volkswagen verschärft Sparkurs und riskiert Tarifkonflikt

Bei Volkswagen wächst der Druck auf Kosten und Beschäftigung. Im Raum stehen bis zu 12.000 weitere Stellen, zugleich drohen ab Januar Streiks.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Autowerk steht für den wachsenden Spardruck in der deutschen Industrie.
Symbolbild: Ein Autowerk steht für den wachsenden Spardruck in der deutschen Industrie. KI-generiert

Volkswagen steuert auf eine neue Eskalation im Sparkurs zu. Medienberichten zufolge geht es um bis zu 12.000 weitere Stellen, während im Tarifkonflikt ab Januar Arbeitskämpfe drohen. Der Konzern steht damit vor einer schwierigen Woche: Am Donnerstag legt Volkswagen Zahlen zum vergangenen Quartal vor. Zugleich belasten hohe Kosten, der Umbau der Produktion und offene Fragen zu neuen Auslandsinvestitionen das Verhältnis zwischen Management und Arbeitnehmerseite.

Druck auf Kosten und Beschäftigung

Der mögliche zusätzliche Stellenabbau verschärft die ohnehin angespannte Lage im Konzern. Konkrete Details zu Standorten, Zeitplan oder Instrumenten sind bislang nicht öffentlich festgelegt. Klar ist aber: Die Größenordnung würde die Debatte über die Zukunft der deutschen Werke deutlich verschärfen. Für die Beschäftigten geht es nicht nur um einzelne Sparmaßnahmen, sondern um die strategische Ausrichtung des gesamten Autokonzerns.

Hinzu kommt der Tarifkonflikt. Wenn ab Januar Streiks möglich werden, steigt der Druck auf beide Seiten, vor dem Jahreswechsel eine belastbare Lösung zu finden. Für Volkswagen wäre ein Arbeitskampf in einer Phase besonders heikel, in der Investoren auf Signale zur Profitabilität, zu Kosten und zur Nachfrage warten. Die anstehenden Quartalszahlen dürften deshalb auch daran gemessen werden, wie glaubwürdig der Konzern seinen Sparkurs erklären kann.

An den Finanzmärkten beginnt in Deutschland und Europa gerade die Hochphase der Berichtssaison. Neben anderen großen Unternehmen steht auch Volkswagen in dieser Woche im Fokus. Anlegerinnen und Anleger achten dabei auf Margen, Absatzentwicklung und Hinweise auf weitere Effizienzprogramme.

Betriebsrat fordert Gesamtbild

Parallel sorgt die geplante stärkere Präsenz der Tochter Audi in den USA für Debatten im Konzern. Audi will im Bundesstaat Georgia ein Werk bauen. Vorgesehen sind Investitionen von vier Milliarden Dollar, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro. Dort sollen jährlich 200.000 SUV entstehen. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre anlaufen. Geplant sind 4.500 Arbeitsplätze.

Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo bewertet eine stärkere Produktion in den Vereinigten Staaten aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht grundsätzlich ablehnend. Der US-Markt ist groß und profitabel, zugleich ist der Marktanteil von Volkswagen dort weiterhin niedrig. Hohe Zölle belasten den Konzern nach ihren Angaben mit Milliardenbeträgen. Eine Fertigung vor Ort kann deshalb wirtschaftlich sinnvoll sein.

Cavallo knüpft eine Zustimmung der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat aber an Bedingungen. Entscheidend sei, welche Folgen ein neues US-Werk für andere Standorte habe, vor allem in Deutschland. Ohne vollständige Sicht auf die Planungen für alle Werke werde es keine Zustimmung geben. Cavallo sagte dazu: „Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht.“

Streit um politischen Auftritt

Zusätzliche Unruhe löste der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump aus. Cavallo kritisierte den Vorgang scharf. Nach ihrer Darstellung stand Döllners Teilnahme im Widerspruch zu internen Audi-Regeln. Diese untersagen in den letzten drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit kandidierenden Politikerinnen und Politikern.

Cavallo sagte in einem internen Interview, wer die Rede Trumps gehört habe und dann habe sehen müssen, dass Döllner Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor „Scham im Boden versinken“. Sie sprach von einem klaren Verstoß gegen Prinzipien, die Döllner erst wenige Monate zuvor unterzeichnet habe. Die US-Zwischenwahlen sind für den 3. November angesetzt.

Der Vorgang trifft den Konzern in einer Phase, in der die Arbeitnehmerseite ohnehin mehr Transparenz verlangt. Die Debatte über Auslandsinvestitionen, Zölle und Beschäftigung in Deutschland fällt nun mit der Verschärfung des Sparkurses zusammen.

Schwieriges Umfeld für den Konzern

Das wirtschaftliche Umfeld ist gemischt. In Deutschland hellt sich die Stimmung in den Unternehmen auf, zugleich bleibt die Erholung fragil. Ökonomen und Bundesregierung erwarten für 2026 ein Wachstum von mehr als einem Prozent. Getragen wird die Belebung vor allem von höheren staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Private Investitionen bleiben dagegen zurückhaltend.

Für Volkswagen bedeutet das: Der Konzern kann nicht allein auf einen breiten Aufschwung setzen. Der Spardruck bleibt hoch, während Investitionen in neue Werke, Elektromobilität und internationale Märkte finanziert werden müssen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Management und Arbeitnehmerseite den Konflikt eindämmen können oder ob der Sparkurs in einen offenen Arbeitskampf führt.