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Wirtschaft · Autokonzern

Volkswagen verschärft Kurs unter Druck aus China und USA

Volkswagen will China stärker als Exportbasis nutzen. Zugleich verschärfen sinkende Verkäufe, US-Zölle und der umstrittene Audi-Auftritt bei Donald Trump den Druck auf den Konzern.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: Volkswagen steht durch schwächere Märkte und internationale Handelsrisiken unter wachsendem Druck.
Symbolbild: Volkswagen steht durch schwächere Märkte und internationale Handelsrisiken unter wachsendem Druck. KI-generiert

Volkswagen steht an mehreren Fronten unter Druck: In China bricht das Geschäft stark ein, in den USA erhöhen Zölle den Handlungsdruck, und die Tochter Audi gerät nach einem Auftritt ihres Chefs Gernot Döllner bei Donald Trump intern wie politisch in die Kritik. Der Konzern reagiert unter anderem mit einer neuen China-Strategie, bei der dort entwickelte und gebaute Fahrzeuge künftig stärker in andere Weltregionen exportiert werden sollen.

China wird zur Exportbasis

Volkswagen rückt von seiner bisherigen China-Logik ab. Statt Fahrzeuge und Technik vor allem für den lokalen Markt zu entwickeln, soll China künftig auch als Produktions- und Entwicklungsstandort für andere Regionen dienen. Der Konzern beschreibt den neuen Kurs mit der Formel „In China, Beyond China“. Zielmärkte sind vor allem Südostasien, das südliche Afrika und Südamerika.

Bereits heute liefert Volkswagen aus China Fahrzeuge in einzelne Märkte im Nahen Osten sowie nach Kasachstan und Usbekistan. Künftig sollen chinesische Entwicklungen auch die Basis für Verbrenner, Hybridmodelle und Elektroautos sein, die außerhalb Chinas verkauft werden. Südamerika soll nach den Konzernplänen noch vor 2030 als erste Region Technik aus China in lokale Modellpaletten übernehmen.

Hintergrund ist die veränderte Lage auf dem wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns. VW-China-Chef Ralf Brandstätter sagte, China sei „keine Wachstumsmaschine mehr“. Die Erwartungen wurden entsprechend nach unten gesetzt: Statt der zuvor angepeilten 3,2 Millionen Fahrzeuge bis 2030 ist nun von rund 2,2 Millionen Einheiten jährlich die Rede. In früheren Spitzenzeiten verkaufte Volkswagen in China mehr als vier Millionen Autos pro Jahr.

Absatzschwäche erhöht den Spardruck

Die Entwicklung schlägt bereits sichtbar durch. In den ersten neun Monaten gingen die Auslieferungen von Volkswagen in China um rund 30 Prozent auf weniger als 1,4 Millionen Fahrzeuge zurück. Für das Gesamtjahr droht der Absatz erstmals seit 2010 unter zwei Millionen Fahrzeuge zu fallen. Im dritten Quartal sank der China-Absatz um 38,5 Prozent auf 405.800 Autos. Der Rückgang in China machte damit den größten Teil des weltweiten Minus aus.

Auch der Gesamtmarkt ist schwierig. Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA zeigen für den Pkw-Einzelhandel in den ersten neun Monaten ein Minus von 21,7 Prozent. Zugleich legten die Ausfuhren chinesischer Hersteller im September um 73,7 Prozent zu. Für Volkswagen bedeutet das: Der Konzern verliert nicht nur Volumen in China, sondern trifft in anderen Märkten zunehmend auf Wettbewerber aus China.

Diese Entwicklung berührt die Finanzplanung des gesamten Konzerns. Die Spar- und Investitionspläne von Vorstandschef Oliver Blume bauen auf einem weltweiten Absatz von etwa neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr auf. Wenn in China Stückzahlen fehlen, muss Volkswagen entweder zusätzliche Verkäufe in anderen Märkten erzielen oder die Kosten stärker senken. Der Export aus China soll dabei helfen, preislich wettbewerbsfähiger aufzutreten, weil Entwicklungskosten und Markteinführungszeiten dort niedriger sind.

In Hefei präsentierte Volkswagen zudem das Technologiesystem Vega. Dazu gehören eine Elektronikarchitektur, Plattformen und Assistenzsysteme aus chinesischer Entwicklung. Blume bezeichnete China als „Innovationsmotor“ und zunehmend als Zentrum für Produkte und Technologien mit globaler Bedeutung.

Audi-Auftritt verschärft Konzernspannung

Parallel wächst der Druck auf Audi. Döllner trat in den USA gemeinsam mit Donald Trump auf einer Wahlkampfbühne auf und kündigte Pläne für ein eigenes Werk im Bundesstaat Georgia an. Dort sollen rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Über das Vorhaben ist jedoch noch nicht endgültig entschieden; zuständig ist der Volkswagen-Aufsichtsrat, in dem auch Arbeitnehmervertreter vertreten sind.

Kritik richtet sich vor allem gegen den politischen Rahmen des Auftritts. Audi hat interne Regeln, die öffentlichkeitswirksame Auftritte mit Politikerinnen und Politikern in den drei Monaten vor einer Wahl untersagen. In den USA stehen am 3. November Zwischenwahlen an. In einer YouGov-Umfrage bewerteten 39 Prozent der Befragten in Deutschland den Auftritt als überhaupt nicht angemessen, weitere 18 Prozent als eher nicht angemessen. Zustimmung äußerten deutlich weniger Befragte.

Bundesumweltminister Carsten Schneider kritisierte zudem die geplante Ausrichtung auf große SUV mit Verbrennungsmotoren. Audi setze damit auf ein „totes Pferd“, sagte der SPD-Politiker. Das Unternehmen steht wirtschaftlich ohnehin unter Druck. Absätze und Erträge sinken seit Jahren, Stellen wurden bereits abgebaut, weiterer Jobabbau steht im Raum. Anders als BMW und Mercedes betreibt Audi bislang kein eigenes Werk in den USA. Die US-Zollpolitik trifft die Marke deshalb besonders stark. Zahlen zu Umsatz und Gewinn will Audi am Donnerstag vorlegen.

Für Volkswagen verdichten sich damit mehrere Risiken zugleich: China liefert weniger Wachstum, chinesische Hersteller drängen stärker in Exportmärkte, und in den USA muss Audi zwischen Zollschutz, Investitionsbedarf und politischer Kritik navigieren. Der Konzernumbau wird damit stärker davon abhängen, ob neue Absatzregionen und niedrigere Kosten die Einbrüche im bisherigen Kerngeschäft ausgleichen können.