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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Volkswagen unter Druck

Volkswagen pausiert Entwicklung des ID.Golf

Volkswagen stoppt vorerst Entwicklungsarbeiten am elektrischen Golf. Der Konzern verweist auf die angespannte Finanzlage, der Betriebsrat sieht den Marktstart Anfang der 2030er Jahre noch erreichbar.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Volkswagen verschiebt Entwicklungsarbeiten am geplanten elektrischen Golf in einer angespannten Finanzlage.
Symbolbild: Volkswagen verschiebt Entwicklungsarbeiten am geplanten elektrischen Golf in einer angespannten Finanzlage. KI-generiert

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und legt Vorarbeiten für den geplanten vollelektrischen Golf vorerst auf Eis. Der ID.Golf soll zwar weiter kommen, doch Investitionen werden wegen der angespannten Ertragslage neu sortiert. Markenchef Thomas Schäfer begründete den Schritt intern mit fehlendem finanziellen Spielraum. Der Betriebsrat betont, das Projekt werde nicht beendet; ein Start Anfang der 2030er Jahre sei weiterhin möglich.

Projekt wird pausiert, nicht beendet

Bei Volkswagen sollen Entwicklungsleistungen für den ID.Golf erst wieder anlaufen, wenn die dafür nötigen Mittel sicher darstellbar sind. Schäfer sagte in einem am Freitag veröffentlichten internen Interview: „Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten.“ Zugleich stellte er klar, Volkswagen pausiere das Projekt, streiche es aber nicht.

Der künftige Elektro-Golf ist als Nachfolger im Kompaktsegment vorgesehen und soll im Stammwerk Wolfsburg gebaut werden. Der heutige Golf mit Verbrennungsmotor läuft dort noch vom Band; perspektivisch soll dieses Modell in Mexiko gefertigt werden. Der ID.Golf soll nach der bisherigen Planung Anfang der 2030er Jahre auf den Markt kommen. Ein genaues Datum nennt Volkswagen nicht.

Nach Einschätzung des Betriebsrats muss die Unterbrechung nicht automatisch zu einem späteren Verkaufsstart führen. Die Arbeitnehmervertretung verweist darauf, dass verlorene Zeit in Entwicklungsabläufen noch aufgeholt werden könne. Zugleich wertet sie den Ausgabenstopp als deutliches Signal für die schwierige Lage im Konzern.

Wolfsburg verfehlt Sparziele

Besonders das Stammwerk Wolfsburg steht nach Schäfers Darstellung unter Druck. Während Emden und Zwickau bei der Senkung ihrer Produktionskosten im Plan liegen, erreicht Wolfsburg die Vorgaben derzeit nicht. Für das laufende Jahr wird dort eine Lücke von rund 300 Millionen Euro genannt.

Schäfer beschrieb die Lage als ernst und machte deutlich, dass das Sparprogramm nicht kurzfristig erledigt sein werde. Kosten müssten weiter sinken, damit wichtige Zukunftsprojekte finanziert werden könnten. Auch Marken-Finanzvorstand David Powels verweist auf die Notwendigkeit, Investitionen stärker zu priorisieren.

Der ID.Golf soll auf der neuen Elektroplattform SSP basieren. Als erstes Modell auf dieser Architektur ist jedoch ein elektrischer T-Roc vorgesehen. Der Golf würde danach folgen. Damit rückt der Zeitplan für ein zentrales Modell der Kernmarke stärker in den Fokus.

Verluste belasten den Konzern

Die finanziellen Kennzahlen zeigen den Druck. Die Marke Volkswagen verbuchte im dritten Quartal einen Verlust von 182 Millionen Euro. Es war das erste Quartalsminus seit der Corona-Krise im Jahr 2020. Schäfer verwies unter anderem darauf, dass Elektroautos für Volkswagen derzeit weniger Ertrag bringen als vergleichbare Verbrenner. Hinzu kommt starker Preisdruck, vor allem durch Hersteller aus China.

Auf Konzernebene stand von Juli bis September ein Ergebnis nach Steuern von rund minus 5,82 Milliarden Euro. Belastend wirkten eine hohe Abschreibung im Zusammenhang mit Porsche, das schwache China-Geschäft und Kosten für den Umbau des Unternehmens. Auch Audi meldete für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang um 87 Prozent; als wesentlicher Grund gilt die schwache Nachfrage in China.

Die Markengruppe Core, zu der Volkswagen, Skoda und Seat gehören, erzielte in den ersten neun Monaten 106,4 Milliarden Euro Umsatz. Das waren 0,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn sank um 400 Millionen Euro auf 4,3 Milliarden Euro. Die Rendite ging auf 4,1 Prozent zurück.

Bedeutung für die Elektrostrategie

Für Volkswagen ist der ID.Golf mehr als ein weiteres Modell. Der Golf steht seit Jahrzehnten für die Kernmarke, zugleich muss der Konzern den Übergang zur Elektromobilität finanzieren. Der vorläufige Stopp zeigt, dass Zukunftsprojekte stärker mit kurzfristigen Sparzielen konkurrieren.

Die Automobilwissenschaftlerin Helena Wisbert von der Ostfalia Hochschule sieht Risiken für den Zeitplan. Fahrzeugentwicklungen seien eng organisiert; Verzögerungen am Anfang könnten später schwer aufzuholen sein. Zugleich ist die Nachfrage nach kleineren Elektroautos nicht grundsätzlich schwach: Für den ID.Polo und vergleichbare Modelle von Cupra und Skoda liegen nach Volkswagen-Angaben zusammen rund 150.000 Bestellungen vor.