Wirtschaft · KI-Konzentration
US-Justiz prüft Nvidias KI-Expansion
Das US-Justizministerium prüft Medienberichten zufolge Nvidias geplante Übernahme der KI-Plattform Hugging Face. Der Chipkonzern hatte den Kauf im September für 12,93 Milliarden US-Dollar angekündigt. Die Behörden befassen sich demnach mit der Frage, ob Nvidia über die Plattform seine ohnehin starke Stellung im KI-Geschäft ausbauen und Wettbewerber benachteiligen könnte. Ein konkreter Kartellrechtsverstoß ist bislang nicht belegt.
Plattform mit großer Reichweite
Hugging Face ist ein wichtiger Ort für die Entwicklung und Verbreitung von Künstlicher Intelligenz. Auf der Plattform werden KI-Modelle, Datensätze und Werkzeuge bereitgestellt. Nvidia beziffert die Reichweite auf mehr als 18 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sowie über 200.000 Unternehmen. Nach Unternehmensangaben sind dort mehr als drei Millionen Modelle und rund 500.000 Datensätze verfügbar.
Die Plattform wird nicht nur von Start-ups und Forschungsteams genutzt. Auch Anbieter von Chips, Cloud-Diensten und KI-Infrastruktur greifen darauf zu. Damit ist Hugging Face eine Schnittstelle zwischen Entwicklerinnen und Entwicklern, Rechenzentren, Modellen und den Unternehmen, die KI-Anwendungen betreiben. Geld verdient die Plattform unter anderem mit Abonnements, Cloud-Kapazitäten und Angeboten für Firmenkunden.
Für Nvidia wäre die Übernahme mehr als ein Zukauf im Softwarebereich. Der Konzern dominiert zentrale Teile der KI-Infrastruktur mit seinen Grafikprozessoren. Mit Hugging Face käme ein viel genutzter Verbreitungsweg für Modelle und Trainingsdaten hinzu. Nvidia hat erklärt, die Plattform solle auch nach einer Übernahme für konkurrierende Chip-, Cloud- und Modellanbieter zugänglich bleiben.
Weitere Geschäfte im Blick
Die Prüfung beschränkt sich nicht auf Hugging Face. Das Justizministerium setzt auch Untersuchungen zu Nvidias Übernahmen, Beteiligungen und Vertriebspraktiken fort. Dabei geht es unter anderem um einen 17 Milliarden Dollar schweren Deal mit dem Chip-Start-up Groq aus dem Dezember 2025. Nvidia erhielt dabei eine nicht exklusive Technologielizenz und stellte zahlreiche Beschäftigte ein, ohne das Unternehmen vollständig zu kaufen.
Untersucht wird demnach auch, ob Nvidia Kunden größere Mengen seiner besonders gefragten KI-Chips in Aussicht stellte, wenn diese zusätzlich Netzwerktechnik von Nvidia und Prozessoren von Groq kauften. Außerdem stehen frühere Zukäufe im Fokus. Dazu gehören Run:ai, ein Anbieter von Software zur Verwaltung von GPU-Ressourcen, und SchedMD, das Open-Source-Software zur Steuerung großer Rechencluster entwickelt.
Der geplante Hugging-Face-Deal soll nach bisherigen Plänen im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden. Voraussetzung sind Genehmigungen der zuständigen Behörden. Ob die Prüfung zu Auflagen, einer Verzögerung oder einer Klage führt, ist offen.
Nvidia als Lieferant und Geldgeber
Nvidias Bedeutung im KI-Sektor reicht inzwischen weit über den Verkauf einzelner Chips hinaus. Viele KI-Systeme werden mit Grafikprozessoren des Konzerns trainiert oder betrieben. Hinzu kommt das Softwareumfeld CUDA, das stark auf Nvidia-Hardware ausgerichtet ist und den Wechsel zu anderen Anbietern erschweren kann.
Parallel investiert Nvidia Milliardenbeträge in KI-Unternehmen und Rechenzentren. Diese Firmen nutzen häufig wiederum Hardware oder Rechenleistung auf Basis von Nvidia-Technik. Dadurch entsteht eine Doppelrolle: Der Konzern ist oft zugleich Kapitalgeber, Ausrüster und technologischer Taktgeber.
Genau diese Verflechtung ist für Wettbewerbshüter relevant. Je stärker Hardware, Software, Plattformen und Finanzierungen miteinander verbunden sind, desto größer wird die Sorge, dass kleinere Anbieter keinen gleichwertigen Zugang zu wichtigen Märkten erhalten. Im KI-Boom entscheidet nicht allein die Rechenleistung über Marktchancen, sondern auch der Zugang zu Modellen, Daten, Entwicklergemeinschaften und Cloud-Infrastruktur.