Wirtschaft · Techmärkte
Softwarewert bricht ein, Apple warnt vor höheren Kosten
Ein deutlicher Kursrutsch bei Teamviewer und höhere Kosten bei Apple haben am Dienstag die Aufmerksamkeit auf die Technologiewerte gelenkt. Der Fernwartungsanbieter meldete erneut sinkende Erlöse und Gewinne und kappte sein Wachstumsziel für das Gesamtjahr. Die Aktie verlor zeitweise fast 27 Prozent. Apple hatte zuvor mit dem iPhone-Geschäft die Erwartungen übertroffen, rechnet im wichtigen Weihnachtsquartal aber mit Belastungen durch teure Speicherchips.
Teamviewer senkt Wachstumsziel
Teamviewer geriet nach neuen Quartalszahlen massiv unter Druck. Das Unternehmen aus dem Softwarebereich berichtete einen weiteren Rückgang bei Umsatz und Ergebnis. Zusätzlich senkte der Konzern seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Anlegerinnen und Anleger reagierten mit starken Verkäufen; der Wert brach um fast 27 Prozent ein.
Der Kursrutsch fiel in eine Marktphase, in der Investoren Unternehmensausblicke besonders genau prüfen. Bei Softwarefirmen steht dabei nicht nur das Umsatzwachstum im Fokus, sondern auch die Frage, ob Kosten, Nachfrage und Gewinnmargen zusammenpassen. Die neue Prognose von Teamviewer verstärkte diese Vorsicht.
Auch andere Einzelwerte zeigten, dass gute Kennzahlen nicht automatisch für steigende Kurse reichen. Zalando steigerte Umsatz und Gewinn, gestützt von einem robusten Geschäft mit Firmenkundinnen und Firmenkunden. Dennoch gab die Aktie knapp fünf Prozent nach und gehörte damit zu den schwächsten Werten im Leitindex.
Apple übertrifft beim iPhone
Apple lieferte vor allem im iPhone-Geschäft bessere Zahlen als am Markt erwartet. Gleichzeitig verwies der Konzern auf steigende Belastungen durch teure Speicherchips. Diese treffen Apple ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft, das für Elektronikkonzerne eine besonders wichtige Verkaufsphase ist.
Der Hinweis auf höhere Komponentenpreise passt zu einem Marktumfeld, in dem Technologieunternehmen stark auf ihre Kostenbasis achten müssen. Steigende Preise bei zentralen Bauteilen können Margen unter Druck setzen, selbst wenn die Nachfrage nach einzelnen Produkten solide bleibt. Für Investoren ist deshalb nicht nur entscheidend, ob Umsätze zulegen, sondern auch, wie teuer das künftige Wachstum wird.
Google stellte unterdessen eine Erweiterung seiner Funktion Quick Share in Aussicht. Entwicklerinnen und Entwickler sollen Quick Share ab der ersten Hälfte des kommenden Jahres direkt in Android- und iOS-Apps einbauen können. Geplant ist ein SDK, mit dem Apps plattformübergreifend Peer-to-Peer-Übertragungen ermöglichen sollen. Dazu gehören auch Funktionen, bei denen sich Daten durch das Annähern zweier Geräte übertragen lassen.
Google zufolge soll die Übertragung Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Fotos und Videos sollen ohne Komprimierung und damit in voller Auflösung geteilt werden können. Je nach Gerät kann die Technik Wi-Fi Direct nutzen und damit auch ohne Mobilfunk- oder WLAN-Netz funktionieren. Für die Integration nannte Google einen geringen Entwicklungsaufwand; Mishaal Rahman sprach von etwa 20 Zeilen Code.
Energiepreise stützen den Gesamtmarkt
Am deutschen Aktienmarkt halfen am Dienstag fallende Energiepreise, die anfänglichen Verluste im Dax einzudämmen. Der Leitindex lag am Nachmittag nahezu unverändert. Die genannten Indexstände schwankten in den Angaben zwischen rund 25.700 und knapp 30.000 Punkten; zugleich wurde eine Rückkehr in Richtung 26.000 Punkte beschrieben.
Der Ölpreis gab weiter nach. Ein Barrel Brent zur Lieferung im Januar kostete rund 104 Dollar und damit etwa ein Prozent weniger. Zeitweise lag der Preis unter 101 Dollar. Auch US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich. Noch stärker fiel der Rückgang am Gasmarkt aus: Der TTF-Kontrakt in Amsterdam verlor mehr als vier Prozent und lag bei etwa 90 Euro je Megawattstunde. Zuvor war der Preis erstmals seit mehreren Jahren über 100 Euro gestiegen.
Die niedrigeren Energiepreise entlasteten den Gesamtmarkt, konnten die Schwäche einzelner Technologie- und Softwarewerte aber nicht überdecken. Bei den Unternehmenszahlen zeigte sich ein gemischtes Bild. Bayer hob nach einem starken Pharmageschäft die Jahresziele an, die Aktie gewann mehr als sieben Prozent. Lufthansa übertraf im dritten Quartal trotz deutlich höherer Treibstoffkosten die Erwartungen und meldete 12,2 Milliarden Euro Umsatz. Schaeffler kündigte dagegen einen Abbau von rund 3.500 Stellen in Europa an, davon 2.660 in Deutschland.
Politische Risiken bleiben im Blick
Zusätzlich richtet sich der Blick der Märkte auf die Zwischenwahlen in den USA. Neu vergeben werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Sitze im Senat. Seit der Wahl 2024 verfügen die Republikaner von Präsident Donald Trump in beiden Kammern über Mehrheiten. Umfragen deuten auf enge Rennen hin.
Ein Machtverlust der Republikaner in einer oder beiden Kammern könnte politische Vorhaben des Präsidenten erschweren und die Kontrollrechte der Demokraten stärken. Für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte wäre das ein wichtiger Faktor. Technologieaktien reagieren in einem solchen Umfeld besonders sensibel, weil hohe Erwartungen an Wachstum, Kostenkontrolle und künftige Investitionen bereits in vielen Bewertungen stecken.