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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autozulieferer

Schaeffler streicht 3.460 Stellen in Europa

Schaeffler legt ein weiteres Sparprogramm auf. In Deutschland sollen 2.660 Jobs wegfallen, vier Standorte stehen vor der Schließung.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Industriegebäude steht für den Stellenabbau bei einem Autozulieferer.
Symbolbild: Ein Industriegebäude steht für den Stellenabbau bei einem Autozulieferer. KI-generiert

Schaeffler will europaweit 3.460 Arbeitsplätze abbauen und fünf Standorte aufgeben. Besonders stark trifft das Programm Deutschland: Hier plant der Auto- und Industriezulieferer den Abbau von 2.660 Stellen sowie die Schließung von vier Standorten. Die Maßnahmen sollen bis 2028 umgesetzt werden. Das Unternehmen begründet den Schritt mit der Krise im europäischen Autogeschäft, schwacher Nachfrage nach Verbrennertechnik und einem langsameren Hochlauf der Elektromobilität.

Vier deutsche Standorte betroffen

In Deutschland stehen die Standorte Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach auf der Streichliste. In Dortmund arbeiten 430 Beschäftigte, in Morbach 160. Beide Werke fertigen Produkte für Verbrennungsmotoren. In Berlin sind 270 Stellen betroffen. Am Standort Schwalbach nahe Frankfurt am Main arbeiten rund 385 Menschen; ein großer Teil von ihnen soll in das Schaeffler-Werk in Frankfurt wechseln.

Darüber hinaus plant der Konzern weitere Veränderungen an mehreren deutschen Standorten. Genannt werden unter anderem Höchstadt, Erlangen, Schweinfurt, Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg. Dort sollen Geschäftsbereiche angepasst, verkleinert oder teilweise eingestellt werden.

Auch außerhalb Deutschlands sieht das Programm Einschnitte vor. In Frankreich sollen die Standorte Hagenau und Toulouse verkleinert werden. In der Slowakei sind Skalica und Kysuce betroffen. Der belgische Standort Herstal mit 15 Beschäftigten soll geschlossen werden.

Neun Prozent der deutschen Belegschaft

Schaeffler beschäftigt in Deutschland derzeit knapp 32.000 Menschen. Der nun angekündigte Abbau entspricht damit etwa neun Prozent der hiesigen Belegschaft. Zusammen mit früher beschlossenen Sparschritten summiert sich der Arbeitsplatzabbau in Deutschland auf rund 18 Prozent. Dabei berücksichtigt sind auch bereits unterschriebene Altersteilzeitverträge für 1.800 Beschäftigte.

Zusätzlich ist vorgesehen, dass die verbleibende Belegschaft in den nächsten zwei Jahren freiwillig auf einen Teil des Gehalts verzichtet. Nach Darstellung des Unternehmens wäre der Personalabbau ohne diesen Beitrag noch größer ausgefallen.

Der Stellenabbau ist Teil eines breiteren Kostensenkungsprogramms. Schaeffler kalkuliert dafür mit einmaligen Belastungen von rund 480 Millionen Euro. Ab 2030 soll das Ergebnis jährlich um 300 Millionen Euro entlastet werden.

Krise im Autogeschäft als Auslöser

Schaeffler verweist auf ein schwieriges Marktumfeld in der Automobilbranche. Vor allem das Geschäft mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verliert an Dynamik. Zugleich entwickelt sich die Nachfrage nach Elektroautos langsamer als erwartet. Für Zulieferer kommt hinzu, dass elektrische Antriebe weniger Bauteile benötigen als klassische Verbrennungsmotoren.

Das Unternehmen sieht außerdem strukturellen Handlungsbedarf. In Deutschland seien die Personalkosten vergleichsweise hoch, zugleich sei die Organisation im Konzern sehr komplex. Schaeffler betont dennoch, am Standort Deutschland festhalten zu wollen.

Einordnung

Der Einschnitt zeigt, wie stark die Umstellung der Autoindustrie auf neue Antriebstechniken die Zulieferer belastet. Besonders Standorte mit Nähe zur Verbrennertechnik geraten unter Druck. Schaeffler reagiert nun mit Werksschließungen, Verlagerungen und einem weiteren Personalabbau. Für die Beschäftigten bedeutet das bis 2028 einen tiefen Umbau des Konzerns in Deutschland und an mehreren europäischen Standorten.