Wirtschaft · Künstliche Intelligenz
KI-Kosten setzen Apple und Anthropic unter Druck
Der Boom um Künstliche Intelligenz belastet inzwischen auch große Namen der Techbranche. Anthropic meldet trotz stark steigender Erlöse wieder einen operativen Verlust, weil kurzfristig zusätzliche Rechenleistung teuer eingekauft werden musste. Apple verweist zugleich auf knappe Speicherchips und erwartet für das laufende Quartal ein geringeres Wachstum. Die Apple-Aktie gab nachbörslich nach; die Angaben zum Minus schwankten zwischen zeitweise rund einem und knapp vier Prozent.
Anthropic fällt zurück ins Minus
Anthropic hat seinen Börsenprospekt um Zahlen für das dritte Quartal ergänzt. Der Anbieter des KI-Systems Claude steigerte den Umsatz binnen drei Monaten von 11,6 auf 17 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht das nach Unternehmensangaben etwa einer Verzwölffachung.
Trotz dieses Zuwachses schrieb Anthropic operativ wieder rote Zahlen. Das Betriebsergebnis lag bei minus 567 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen noch einen operativen Gewinn von 974 Millionen Dollar ausgewiesen. Damit wird sichtbar, wie stark die Kosten für Rechenkapazität das Geschäft mit generativer KI prägen.
Als ein wesentlicher Faktor gilt ein kurzfristiger Zukauf von Rechenleistung im Umfang von 5 Milliarden Dollar. Die Nachfrage überstieg demnach die längerfristig gesicherten Kapazitäten. Solche zusätzlichen Kontingente sind deutlich teurer als mehrjährige Verträge. Hinzu kam ein Aufwand von 2 Milliarden Dollar für ein Programm, bei dem Anthropic Spendenanteile von Beschäftigten in gleicher Höhe ergänzt. Geld floss dafür bislang nicht ab, die Summe wurde aber bilanziell als Aufwand berücksichtigt.
Bereinigt um diese Buchung und um aktienbasierte Vergütungen erzielte Anthropic einen operativen Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar. Die bereinigte Marge sank dennoch von 19 auf 15 Prozent. Grund dafür waren vor allem die hohen Kosten für zusätzliche Rechenkapazitäten.
Apple warnt vor langsameren Zuwächsen
Auch Apple spürt Folgen des KI-Investitionsbooms, wenn auch an anderer Stelle. Der Konzern meldete für das Schlussquartal seines Geschäftsjahres 2025/2026 einen Umsatzanstieg um 12 Prozent auf 114,5 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn wuchs ebenfalls um 12 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar. Die Erwartungen am Markt wurden damit insgesamt leicht übertroffen.
Das Wachstum fiel jedoch niedriger aus als im Quartal davor, als Apple noch 16 Prozent mehr Umsatz erzielt hatte. Für das laufende Quartal rechnet Finanzvorstand Kevan Parekh nur noch mit einem Plus von 7 bis 10 Prozent. Als Belastung nennt Apple unter anderem die angespannte Versorgung mit Speicherchips. Die starke Nachfrage nach Bauteilen für KI-Rechenzentren treibt auch die Preise für Speicherkomponenten.
Apple hat bereits Preise für Macintosh-Computer und iPads erhöht. Auch die im September vorgestellte neue iPhone-Generation ist teurer als die Vorgängermodelle. Im iPhone-Geschäft lief es zuletzt dennoch stark: Der Umsatz mit dem wichtigsten Apple-Produkt stieg um rund 17 Prozent auf etwa 57,6 Milliarden Dollar und machte damit ungefähr die Hälfte der Konzernerlöse aus.
Starkes iPhone, schwächere Sparten
Der neue Apple-Chef John Ternus legte damit erstmals Quartalszahlen an der Konzernspitze vor. Er hatte den Posten am 1. September von Tim Cook übernommen, der Vorsitzender des Verwaltungsrats bleibt. Kurz danach stellte Apple die neuen iPhones vor. Erste Varianten des iPhone 18 kamen kurz vor Ende des Quartals in den Handel.
Zusätzlich brachte Apple vor rund einer Woche sein erstes faltbares Smartphone, das iPhone Duo, auf den Markt. Für das Gerät bestehen weiter Lieferengpässe; in den USA reichen die Liefertermine bei neuen Bestellungen bis Januar. Apple räumte außerdem Probleme bei einer kleinen Zahl von Geräten ein, nachdem Nutzerinnen und Nutzer Risse im Bildschirm beim Aufklappen gemeldet hatten.
Neben dem iPhone entwickelte sich das Geschäft uneinheitlich. Die Dienstleistungssparte legte um 10 Prozent auf 31,6 Milliarden Dollar zu, soll im laufenden Quartal aber ebenfalls langsamer wachsen. Macintosh-Computer erreichten ein Umsatzplus von 24 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Dagegen gingen die Erlöse mit iPads um 10 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar zurück. Die Sparte mit Geräten wie Apple Watch, Airpods und Vision Pro verlor 8 Prozent und kam auf 8,3 Milliarden Dollar.
Hohe Erwartungen, steigende Kosten
Die Zahlen zeigen zwei Seiten des KI-Booms. Anbieter wie Anthropic wachsen rasant, müssen aber enorme Summen für Rechenleistung einplanen. Hardwarekonzerne wie Apple profitieren zwar von starken Produktzyklen, geraten aber über Lieferketten und Chippreise unter Druck.
Im gesamten Geschäftsjahr steigerte Apple den Umsatz um 15 Prozent auf 478,8 Milliarden Dollar, der Gewinn legte um 18 Prozent auf 132,2 Milliarden Dollar zu. Die gedämpfte Prognose und die neuen Verlustzahlen von Anthropic machen jedoch deutlich, dass die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur zunehmend in den Bilanzen der Branche sichtbar werden.