Wirtschaft · Künstliche Intelligenz
Schwarz-Gruppe steigt groß bei KI-Firma Cohere ein
Die Schwarz-Gruppe baut ihr Engagement in Künstlicher Intelligenz deutlich aus und führt eine neue Finanzierungsrunde des kanadisch-deutschen Unternehmens Cohere an. Cohere peilt in der Series-E-Runde bis zu 7 Milliarden kanadische Dollar an, umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro. Die Unternehmensbewertung steigt damit auf etwa 35,7 Milliarden kanadische Dollar, rund 23,9 Milliarden Euro. Wie hoch der Anteil der Schwarz-Gruppe an der Runde ist, wurde nicht beziffert.
Kapital für KI und Cloud
Cohere zählt die Kapitalaufnahme zu den größten privaten Finanzierungen im Technologiesektor Kanadas. Neben der Schwarz-Gruppe beteiligen sich auch die kanadische Regierung sowie bereits engagierte Investoren, darunter Nvidia. Für den Konzern hinter Lidl und Kaufland ist die Beteiligung ein weiterer Schritt in Richtung eigener digitaler Infrastruktur.
Die Schwarz-Gruppe investiert seit Jahren in IT- und Cloud-Geschäfte. Über ihre Digitalsparte Schwarz Digits betreibt sie unter anderem die Cloud-Plattform STACKIT. Dort sollen künftig auch Modelle von Cohere eingebunden werden. Christian Müller, Chef von Schwarz Digits, stellte den Aspekt der digitalen Kontrolle in den Mittelpunkt. Digitale Souveränität bedeute, Wahlfreiheit zu haben, Systeme miteinander verbinden zu können und die eigenen Daten selbst zu beherrschen.
Cohere will das neue Kapital für die Weiterentwicklung seiner Modelle, den Ausbau technischer Infrastruktur und internationale Expansion nutzen. Vorstandschef und Mitgründer Aidan Gomez bezeichnete die Finanzierung als Signal für den Anspruch, weltweit in der Spitzengruppe der KI-Anbieter mitzuhalten. Das Unternehmen arbeitet vor allem für Firmenkunden und öffentliche Auftraggeber.
Fokus auf souveräne KI
Cohere positioniert sich anders als Anbieter, die stark auf Endverbraucherprodukte setzen. Das Unternehmen konzentriert sich auf sogenannte souveräne KI. Gemeint sind Systeme, die sich in kontrollierten Umgebungen einsetzen lassen, etwa in privaten Clouds, in abgeschotteten Installationen oder auf eigener Infrastruktur von Kunden.
Dieser Ansatz ist besonders für Organisationen wichtig, die strenge Vorgaben bei Datenschutz, Sicherheit und Kontrolle erfüllen müssen. Dazu zählen etwa Behörden, Banken, Industrieunternehmen oder andere stark regulierte Branchen. Die Technologie soll nicht zwingend an große Rechenzentren einzelner US-Anbieter gebunden sein. Damit knüpft Cohere an eine Debatte an, die in Europa seit längerem geführt wird: Wie lassen sich leistungsfähige KI-Systeme nutzen, ohne die Kontrolle über sensible Daten und zentrale IT-Abhängigkeiten zu verlieren?
Für die Schwarz-Gruppe passt die Beteiligung in diese strategische Linie. Der Handelskonzern will sich nicht nur als Nutzer digitaler Technologien aufstellen, sondern auch als Anbieter von Cloud- und KI-Infrastruktur. Die Verbindung von Cohere-Modellen mit STACKIT könnte dem Konzern helfen, Unternehmenskunden stärker anzusprechen, die europäische oder eigenständig kontrollierbare IT-Lösungen bevorzugen.
Aleph Alpha wird Teil des Plans
Vor der Finanzierungsrunde hatte Cohere bereits seine Stellung in Europa gestärkt. Dazu gehört der Zusammenschluss mit Aleph Alpha aus Heidelberg. Formal wurde die Transaktion als transatlantische Fusion beschrieben; tatsächlich übernimmt Cohere damit den Heidelberger KI-Spezialisten. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger sagte damals: „Es wird ein globaler KI-Champion entstehen.“
Cohere hat Standorte in Toronto und Berlin. Heidelberg soll weiterhin eine zentrale Rolle für Forschung und Entwicklung spielen. Aleph Alpha war in Deutschland vor allem mit dem Anspruch bekannt geworden, erklärbare KI-Systeme für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen anzubieten. Durch die Verbindung mit Cohere sollen europäische KI-Kompetenz und internationale Skalierung zusammengeführt werden.
Einordnung im KI-Wettlauf
Die Finanzierung fällt in eine Phase, in der KI-Anbieter sehr hohe Summen für Rechenleistung, Chips, Fachkräfte und Modelltraining benötigen. Gleichzeitig wächst der Druck, aus diesen Investitionen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Große Technologieunternehmen investieren Milliardenbeträge in Rechenzentren und andere Infrastruktur; an den Kapitalmärkten wird zunehmend geprüft, ob sich diese Ausgaben schnell genug auszahlen.
Cohere setzt in diesem Umfeld auf einen klar abgegrenzten Markt: Unternehmen und Regierungen, die leistungsfähige Sprachmodelle nutzen wollen, aber besonderen Wert auf Datenhoheit und kontrollierbare Betriebsumgebungen legen. Für die Schwarz-Gruppe eröffnet die Beteiligung die Möglichkeit, im europäischen Cloud- und KI-Geschäft stärker aufzutreten. Für Cohere bringt die Runde Kapital, einen großen strategischen Partner und zusätzliche Sichtbarkeit in Europa.