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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Inflation und Märkte

Preisauftrieb bleibt Risiko für Wirtschaft und Märkte

Hohe Lebenshaltungskosten, Ölpreise und Zölle rücken erneut in den Fokus. Ökonomen sehen Belastungen für Unternehmen, Handel und Verbraucher.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Steigende Preise und höhere Kosten beschäftigen Haushalte, Unternehmen und Finanzmärkte.
Symbolbild: Steigende Preise und höhere Kosten beschäftigen Haushalte, Unternehmen und Finanzmärkte. KI-generiert

Hohe Lebenshaltungskosten und neue Preisrisiken bestimmen wieder stärker die wirtschaftliche Debatte. Nach den Zwischenwahlen in den USA richten Ökonomen den Blick vor allem auf Zölle, Energiepreise und politische Unsicherheit. Für deutsche Unternehmen bleibt der Kurs der US-Handelspolitik ein wichtiger Belastungsfaktor. Zugleich warnt EZB-Direktorin Isabel Schnabel davor, die Bankenregulierung zu lockern, weil das Finanzsystem in Krisen stabil bleiben müsse.

Zölle belasten Handelspartner

Die Zwischenwahlen haben die Machtverhältnisse in den USA verschoben. Die Republikaner von Präsident Donald Trump mussten deutliche Verluste hinnehmen, die Demokraten legten zu. Für die Wirtschaftspolitik bedeutet das nach Einschätzung mehrerer Fachleute aber nicht automatisch eine Abkehr vom bisherigen Kurs.

Besonders die Zollpolitik bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Hohe Abgaben auf Importe treffen Handelspartner und erschweren auch deutschen Unternehmen die Planung. Das Institut der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass Betriebe sich weiter auf die bestehende Richtung einstellen müssen. In einer Einschätzung heißt es, deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die Grundlinie der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 fortbestehe.

Auch der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel, sieht die Gefahr, dass Handelsfragen wieder stärker ins Zentrum rücken. Wenn innenpolitisch neue Mehrheiten Druck erzeugen, könnte sich der US-Präsident stärker auf außenpolitische Themen verlegen. IW-Direktor Michael Hüther erwartet zudem, dass politische Unsicherheit beim wichtigsten Handelspartner Deutschlands den transatlantischen Austausch belastet.

Für die Preisentwicklung sind Zölle relevant, weil sie Waren verteuern und Lieferketten zusätzlich belasten können. Zugleich bremsen sie den Handel und erschweren Investitionsentscheidungen. ZEW-Präsident Achim Wambach verweist darauf, dass Abschottung in Washington nicht allein mit der Regierung Trump verbunden ist. Beim Umgang mit China und beim Schutz der eigenen Industrie gebe es parteiübergreifend große Übereinstimmungen.

Energiepreise bleiben heikel

Ein zweiter Faktor sind die Öl- und Kraftstoffpreise. In den USA spielten höhere Lebenshaltungskosten im Wahlkampf eine zentrale Rolle. Der von Trump ausgelöste Krieg mit Iran hatte die Benzinpreise stark steigen lassen und viele Wählerinnen und Wähler belastet.

Berenberg-Ökonom Holger Schmieding rechnet deshalb mit zunehmendem Druck auf Trump aus den eigenen Reihen. Ziel könnte sein, die Iran-Frage so zu lösen, dass sich die Benzinpreise wieder normalisieren. Am Mittwoch gaben die Ölpreise zwar leicht nach. Die Risiken rund um mögliche Störungen an der Straße von Hormus gelten jedoch weiter als nicht ausgeräumt. Die Meerenge ist für den internationalen Öltransport von großer Bedeutung.

Energiepreise wirken schnell auf Haushalte und Unternehmen. Teurer Kraftstoff erhöht Transportkosten, verteuert Produktion und mindert die Kaufkraft. Sinkende Ölpreise können dagegen entlasten, sofern sie sich dauerhaft durchsetzen.

Märkte reagieren unterschiedlich

An den Börsen fiel die Reaktion auf den Wahlausgang gemischt aus. Im Technologiesektor standen vor allem Unternehmen mit Bezug zu künstlicher Intelligenz unter Druck. Marktteilnehmer rechnen mit strengerer Regulierung und mehr Gegenwind beim Ausbau von Rechenzentren. Diese Anlagen benötigen viel Strom und Wasser und stoßen deshalb zunehmend auf politische Vorbehalte.

Aktien mehrerer Chip- und Technologiekonzerne gaben nach. Auch Papiere von Unternehmen des Unternehmers Elon Musk verloren zeitweise deutlich. Dagegen waren Anbieter erneuerbarer Energien gefragt. Der deutsche Leitindex Dax stieg um mehr als 2,2 Prozent in Richtung seines Rekordniveaus. In New York legte der Dow Jones Industrial kräftiger zu, während Technologiewerte im Nasdaq 100 uneinheitlicher reagierten.

Thomas Gitzel warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen aus den ersten Marktbewegungen. In den vergangenen 75 Jahren hätten die Börsen in den 100 Tagen nach Zwischenwahlen meist zugelegt. Ein verlässliches Muster für Phasen mit geteilten Mehrheiten im Kongress lasse sich daraus aber nicht ableiten.

Einordnung

Für Europa treffen mehrere Risiken zusammen: Handelskonflikte können Exporte belasten, Energiepreise bleiben empfindlich, und politische Unsicherheit erschwert Planung. Diese Faktoren sind für Unternehmen ebenso wichtig wie für Verbraucherinnen und Verbraucher, weil sie Kosten, Investitionen und Preise beeinflussen.

Vor diesem Hintergrund betont Isabel Schnabel die Bedeutung eines widerstandsfähigen Finanzsystems. Auf einer EZB-Konferenz in Frankfurt sprach sie sich gegen eine Rücknahme von Bankenregeln aus. Die Reformen nach der globalen Finanzkrise hätten dazu beigetragen, dass Banken in jüngeren Schocks stabilisierend wirkten. Zugleich sieht sie Risiken durch stärker wachsende Finanzgeschäfte außerhalb des regulierten Bankensektors. Enge Verbindungen zwischen Banken und solchen Akteuren könnten Stress schneller im Finanzsystem verbreiten.