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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Branche unter Druck

Autoindustrie kürzt Jobs und Forschungsausgaben

Bosch streicht in Abstatt 750 Stellen. Zugleich sinken die Forschungsetats der Autoindustrie, während chinesische Konkurrenz, US-Zölle und schwache E-Auto-Margen die Branche belasten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Autoindustrie steht bei Jobs, Forschung und Investitionen unter Druck.
Symbolbild: Die Autoindustrie steht bei Jobs, Forschung und Investitionen unter Druck. KI-generiert

Die Krise der deutschen Autoindustrie trifft Beschäftigung und Forschung zugleich: Bosch will am Standort Abstatt 750 Stellen abbauen, während die Branche ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung spürbar zurückfährt. Der Druck kommt von mehreren Seiten: chinesische Wettbewerber gewinnen an Bedeutung, Zölle in den USA belasten das Geschäft, und Elektroautos bringen vielen Unternehmen nur geringe Margen.

Bosch baut in Abstatt ab

Der Autozulieferer Bosch begründet den geplanten Stellenabbau in Abstatt vor allem mit der stärkeren Konkurrenz aus China und einer Verlagerung von Entwicklungsarbeit. Systeme sollen künftig stärker am Bosch-Entwicklungsstandort in China gemeinsam mit dortigen Kunden entwickelt werden. Dadurch fallen in Abstatt Aufgaben weg, die eng an Kunden gebunden waren.

Bereichsfinanzvorstand Mohammed Abraham erklärte, Bosch müsse Strukturen und Kosten anpassen, um die Zukunft des Standorts abzusichern. Abstatt soll nach Unternehmensangaben aber weiterhin Entwicklungsstandort bleiben.

Der Schritt fügt sich in einen größeren Umbau der Mobilitätssparte ein. Bereits im September hatte Bosch angekündigt, am Standort Nürnberg 900 Arbeitsplätze zu streichen. Dort soll etwa jede zweite Stelle wegfallen. Zusammen mit den nun bekannt gewordenen Plänen für Abstatt steigt der angekündigte Personalabbau in Deutschland in der Bosch-Mobilitätssparte um 1.650 Stellen auf insgesamt 23.650.

Bosch hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrere Sparrunden eingeleitet. Hintergrund ist der tiefgreifende Wandel der Branche. Chinesische Autohersteller treten nicht mehr nur als Wettbewerber auf den Absatzmärkten auf, sondern werden auch bei neuen Technologien früher zu wichtigen Kunden. Dazu zählen etwa elektronische Lenk- und Bremssysteme.

Forschungsetats geraten ins Rutschen

Parallel zum Stellenabbau schwächt sich die Forschungstätigkeit der Branche ab. Nach Daten des Stifterverbands, der Unternehmen im Auftrag der Bundesregierung zu ihren Forschungsaktivitäten befragt, sanken die internen Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Autoherstellern und Zulieferern im vergangenen Jahr um knapp fünf Prozent auf rund 30 Milliarden Euro.

Trotz des Rückgangs bleibt die Autoindustrie der wichtigste private Forschungssektor in Deutschland. Sie steht weiter für knapp ein Drittel der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben der deutschen Wirtschaft im Inland. In keiner anderen forschungsintensiven Industrie fiel das Minus zuletzt jedoch so stark aus.

Auch externe Forschungsaufwendungen wurden reduziert. Für Projekte mit Partnern im Ausland, mit anderen Unternehmen oder mit Forschungseinrichtungen gab die Autoindustrie 1,6 Prozent weniger aus. Das Volumen lag bei etwas mehr als 17 Milliarden Euro.

Die Entwicklung betrifft auch die Beschäftigten in den Entwicklungsabteilungen. Im Jahr 2025 wurden dort bei Autoherstellern und Zulieferern mehr als 9.000 Stellen gestrichen. Das entspricht einem Rückgang von fast sechs Prozent.

Innovationsziel rückt weiter weg

Die schwächeren Budgets der Autoindustrie schlagen auf die gesamte Forschungsbilanz der deutschen Wirtschaft durch. Für das laufende Jahr planen die Unternehmen laut Stifterverband mit 1,7 Milliarden Euro weniger internen Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Das wäre ein Minus von 1,8 Prozent. Eine ähnlich starke Kürzung gab es seit der Wiedervereinigung nur während der Finanzkrise 2009 und im Corona-Jahr 2020.

Damit entfernt sich Deutschland weiter von seinem Ziel, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben bis 2030 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil bei 3,07 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 3,12 Prozent. Die Wirtschaft trug zuletzt 2,05 Prozentpunkte bei.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär sieht die Zahlen als Aufforderung an Staat und Unternehmen, wieder näher an das 3,5-Prozent-Ziel heranzukommen. Der Stifterverband verweist auf den Transformationsdruck der deutschen Wirtschaft.

Der Verband der Automobilindustrie betont zugleich die weiterhin hohen Investitionspläne der Branche. Hersteller und Zulieferer wollen demnach zwischen 2026 und 2030 rund 320 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben. Weitere etwa 220 Milliarden Euro sollen in Sachinvestitionen fließen, vor allem in den Umbau und Neubau von Werken.

Strukturwandel mit offenem Ausgang

Die Zahlen zeigen, wie eng Kostendruck und Zukunftsinvestitionen in der Autoindustrie miteinander verbunden sind. Unternehmen müssen Kapital für Elektromobilität, Software, automatisiertes Fahren und neue Produktionsstrukturen aufbringen, während zugleich Erlöse und Margen unter Druck stehen.

Für Deutschland ist das besonders relevant, weil die Autoindustrie traditionell ein zentraler Träger industrieller Forschung ist. Wenn Hersteller und Zulieferer Entwicklungsabteilungen verkleinern oder Forschungsprojekte verlagern, wirkt sich das nicht nur auf einzelne Standorte aus. Es kann auch den Innovationsstandort insgesamt schwächen.