Wirtschaft · Börse
Dax steigt nach US-Zwischenwahlen auf Rekordhoch
Der Dax hat am Donnerstag ein neues Rekordniveau erreicht. Im frühen Handel stieg der deutsche Leitindex zeitweise auf rund 26.646 Punkte und übertraf damit die bisherige Bestmarke aus dem August. Bereits am Mittwoch hatte der Index kräftig zugelegt und bei 26.437 Punkten geschlossen. Als wichtigste Auslöser gelten die Reaktion der Märkte auf die US-Zwischenwahlen, sinkende Ölpreise und bessere Konjunkturdaten aus der deutschen Industrie.
Märkte setzen auf mehr Berechenbarkeit
Der Erfolg der Demokratischen Partei bei den amerikanischen Zwischenwahlen hat an den Börsen weltweit für Erleichterung gesorgt. Viele Anlegerinnen und Anleger verbinden das Ergebnis mit der Erwartung, dass die politische Macht in Washington stärker verteilt ist und abrupte Entscheidungen unwahrscheinlicher werden. Das stützt besonders Aktienmärkte, die empfindlich auf politische Unsicherheit reagieren.
Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies darauf, dass der Wahlausgang aus Sicht der Märkte mehrere beruhigende Signale sende: Das Ergebnis sei rasch klar gewesen, Präsident Donald Trump akzeptiere es, und eine geteilte Machtlage begrenze unvorhersehbare politische Schritte. Die Börse bevorzuge Berechenbarkeit, erklärte Stanzl sinngemäß.
Auch Andreas Lipkow, Marktbeobachter von CMC Markets, sieht mögliche Folgen für die Finanzpolitik der USA. Die neuen Kräfteverhältnisse könnten den Druck erhöhen, die Haushaltspolitik stärker zu begrenzen. Dadurch könnten Sorgen über die hohe Staatsverschuldung und längerfristig erhöhte Anleiherenditen etwas nachlassen.
Ölpreis fällt, Inflationssorgen nehmen ab
Zusätzlichen Schub erhielt der Aktienmarkt von den Rohstoffmärkten. Der Ölpreis gab nach den Wahlen deutlich nach. Der Preis für ein Barrel fiel von mehr als 100 Dollar auf zuletzt etwa 95 Dollar. Viele Investoren setzen darauf, dass eine Entspannung im Nahen Osten wahrscheinlicher wird. Ein dauerhaft niedrigerer Ölpreis könnte die Inflation dämpfen und zugleich die Kosten vieler Unternehmen senken.
Der Goldpreis entwickelte sich in die andere Richtung. Er stieg wieder über die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze und lag zuletzt bei 4.126 Dollar. Das zeigt, dass trotz der freundlichen Aktienmärkte weiterhin Absicherungsbedarf besteht.
Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG warnte vor zu viel Sorglosigkeit. Die aktuelle Begeisterung verbessere zwar das kurzfristige Bild, sagte er. Zugleich blieben geopolitische Risiken und die Gefahr deutlicher Rücksetzer bestehen. Die alte Börsenregel, wonach politische Ereignisse Märkte oft nur kurz bewegen, bleibt damit ein wichtiger Vorbehalt.
Industriedaten stützen die Stimmung
Neben der politischen Entwicklung halfen neue Daten aus Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Auftragseingänge der Industrie im September um 4,4 Prozent. Damit erholte sich das Neugeschäft von dem deutlichen Rückgang im Vormonat.
Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer sprach von einer erfreulichen Überraschung. Auch ohne besonders schwankungsanfällige Großaufträge seien die Bestellungen kräftig gestiegen. Damit erhöhe sich die Chance, dass die Aufträge nach längerer Stagnation wieder aufwärts tendieren.
Am Aktienmarkt fielen einzelne Unternehmenswerte besonders auf. Heidelberg Materials gewann am Donnerstagmorgen 3,8 Prozent. Zalando legte um 4,4 Prozent zu. Deutliche Bewegungen gab es auch außerhalb des Leitindex: Lanxess stieg im M-Dax kräftig, nachdem Quartalszahlen weniger schwach ausfielen als befürchtet.
Belastet wurden dagegen unter anderem Aktien von Rheinmetall, die vorbörslich stark zurückfielen. Auch Deutsche Telekom, Siemens Healthineers, DHL Group und Commerzbank lagen zeitweise im Minus. Bei der Telekom standen neben soliden Zahlen erneut Fragen rund um T-Mobile US im Fokus. Die angekündigte Dividendenerhöhung um zehn Prozent blieb hinter höheren Markterwartungen zurück.
Dax-Konzerne profitieren vom Auslandsgeschäft
Dass der Dax trotz schwacher deutscher Konjunktur neue Höhen erreicht, hängt auch mit der Struktur des Index zusammen. Viele der dort vertretenen Unternehmen erzielen große Teile ihrer Umsätze und Gewinne außerhalb Deutschlands. Sie sind deshalb weniger eng an die Binnenkonjunktur gebunden als viele kleinere Firmen.
Für den weiteren Verlauf bleibt entscheidend, ob die Erwartungen an stabilere politische Rahmenbedingungen, niedrigere Energiepreise und bessere Unternehmensgewinne Bestand haben. Die Chancen auf eine Jahresendrally gelten nun als gestiegen. Gleichzeitig können neue geopolitische Spannungen, höhere Renditen oder enttäuschende Quartalszahlen die positive Stimmung rasch wieder bremsen.