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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · KI-Standort Europa

Nvidia-Auftritt in Berlin wird zur Standortdebatte

Nvidia-Chef Jensen Huang präsentiert in Berlin neue KI-Rechner, Roboter und Industrieprojekte. Zugleich rückt Europas Rechen- und Chipinfrastruktur in den Fokus.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Konferenzbühne mit KI-Technik steht für Nvidias Auftritt in Berlin.
Symbolbild: Eine Konferenzbühne mit KI-Technik steht für Nvidias Auftritt in Berlin. KI-generiert

Nvidia-Chef Jensen Huang hat die Technologiekonferenz GTC in Berlin für eine groß angelegte Präsentation neuer KI-Technik genutzt. Der Auftritt im Tempodrom wurde zugleich zur Standortdebatte: Der US-Konzern wirbt um Europas Industrie, während die Politik Zugang zu Spitzenchips und den Aufbau eigener Infrastruktur fordert.

Berlin als Bühne für Industrie-KI

Huang stellte am Mittwoch neue Chips, Arbeitsplatzrechner, Robotiksysteme, KI-Agenten und virtuelle Assistenzlösungen vor. Im Mittelpunkt stand die Idee, Künstliche Intelligenz stärker in klassische Industrieprozesse zu bringen. Der Nvidia-Chef sprach von einer neuen Phase der technischen Entwicklung und sagte, KI könne nun an Büroarbeitsplätze und in Fabriken vordringen.

Zu den gezeigten Produkten gehören spezielle Rechner für Entwicklerinnen, Entwickler und Unternehmen. Die Geräte sollen komplexe KI-Aufgaben direkt vor Ort ausführen können, ohne dass jede Berechnung in externe Rechenzentren ausgelagert werden muss. Ein gemeinsam mit Microsoft entwickeltes System soll Ende des Jahres in Varianten vom kompakten Rechner bis zur Workstation erhältlich sein.

Ein weiterer Schwerpunkt war die sogenannte physische KI. Gemeint sind Systeme, die nicht nur Daten verarbeiten, sondern Maschinen in der realen Welt steuern. Huang beschrieb dies als nächste Welle der Künstlichen Intelligenz. Auf der Bühne wurden Roboter und digitale Figuren eingesetzt, um den Einsatz solcher Technik in Produktion und Alltag zu veranschaulichen.

Deutsche Industrie als Vorzeigefeld

Nvidia stellte mehrere Kooperationen mit deutschen Unternehmen heraus. Besonders hervorgehoben wurde das Siemens-Elektronikwerk in Erlangen. Dort arbeiten Siemens und Nvidia an einer digitalen Produktionsumgebung, in der Fertigungsabläufe virtuell vorbereitet, Planungen von KI-Agenten unterstützt und Prozesse weitgehend automatisiert werden sollen.

Die Zusammenarbeit zielt auf eine Art Betriebssystem für die vernetzte Industrie. Maschinen sollen miteinander kommunizieren, Roboter sollen Produktionslinien steuern und Werke sollen sich schneller auf neue Aufträge einstellen können. Siemens bewertet die Kooperation als wichtigen Schritt für das verarbeitende Gewerbe.

Weitere Beispiele kamen aus Robotik, Telekommunikation und Medizintechnik. Roboter des Münchner Unternehmens Agile Robots wurden als Beispiel für lernfähige Maschinen gezeigt. Bei der Telekom sollen AI-RAN-Server Funkstandorte zu kleineren KI-Rechenpunkten machen und so datenintensive Anwendungen näher an die Nutzerinnen und Nutzer bringen. Siemens Healthineers setzt Nvidia-Technik ein, um medizinische Bilddaten schneller auszuwerten.

Huang verwies außerdem auf langjährige Beziehungen zur deutschen Wirtschaft. Nvidia ist nach seinen Angaben seit Jahrzehnten in Europa aktiv und arbeitet heute unter anderem mit Siemens, Volkswagen und Mercedes-Benz zusammen. Im vergangenen Jahr investierte der Konzern demnach fast 10 Milliarden Dollar in Europa, um Start-ups und größere Industriepartner zu unterstützen.

Rechenzentren und politische Erwartungen

Der Auftritt machte deutlich, wie stark die KI-Entwicklung von Rechenleistung abhängt. Huang beschrieb große Systeme in Containern, die eigene Energieversorgung, umfangreiche Verkabelung und hohe Investitionen erfordern. Ein einzelner Rechencontainer könne die Leistung eines kleineren Datenzentrums erreichen. Große Rechenzentren können nach seinen Angaben 50 bis 60 Milliarden Dollar kosten.

Während der Rede kam es zu einer kurzen Unterbrechung durch Aktivistinnen und Aktivisten. Sie kritisierten die ökologischen Folgen neuer KI-Rechenzentren. Huang setzte die Präsentation fort und warb für kleinere, abgestufte Systeme, die Unternehmen den Einstieg erleichtern sollen.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger unterstützte die Zusammenarbeit mit Nvidia, betonte aber zugleich europäische Interessen. Deutschland müsse Zugang zu modernsten Hochleistungschips haben, um bei KI aufzuschließen. Parallel bleibe der Aufbau eigener Infrastruktur ein strategisches Ziel, einschließlich europäischer Halbleiter- und Chipfertigung.

Einordnung

Nvidias Berliner Show zeigt, wie eng KI, Industriepolitik und Standortfragen inzwischen verbunden sind. Europa verfügt über starke Anwenderbranchen in Maschinenbau, Autoindustrie, Medizin und Energie. Zugleich bleibt die Abhängigkeit von führenden Chipanbietern aus den USA ein zentrales Thema.

Für Nvidia ist der Kontinent damit nicht nur Absatzmarkt, sondern auch ein Feld für industrielle Anwendungen. Für Deutschland und Europa stellt sich die Frage, wie Partnerschaften mit globalen Technologiekonzernen genutzt werden können, ohne den Anspruch auf eigene Rechenzentren, Chipproduktion und digitale Souveränität aufzugeben.