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Wirtschaft · Energiepolitik

Neue Gaskraftwerke verschärfen Strompreisdebatte

Die Bundesnetzagentur hat in einer ersten Ausschreibung elf Zuschläge zur Absicherung der Stromversorgung erteilt. Zum Zug kamen ausschließlich Gaskraftwerke.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Stromleitungen, Windkraft und ein Kraftwerk stehen für den Konflikt zwischen Versorgungssicherheit, Klimazielen und Strompreisen.
Symbolbild: Stromleitungen, Windkraft und ein Kraftwerk stehen für den Konflikt zwischen Versorgungssicherheit, Klimazielen und Strompreisen. KI-generiert

Die Debatte über hohe Stromkosten bekommt neuen Stoff: Die Bundesnetzagentur hat in einer ersten Ausschreibung zur Absicherung der Stromversorgung elf Zuschläge vergeben, und alle gingen an Gaskraftwerke. Stromspeicher hatten sich ebenfalls beworben, erhielten aber keinen Zuschlag. Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie Deutschland bezahlbaren Strom sichern kann, wenn Wind- und Solaranlagen wetterbedingt wenig liefern.

Reserve für schwache Einspeisung

Der Ausbau erneuerbarer Energien verändert das Stromsystem grundlegend. Windräder und Photovoltaikanlagen liefern große Mengen Strom, wenn Wetter und Tageszeit passen. Es gibt aber Phasen, in denen beide Quellen gleichzeitig nur wenig beitragen. Für solche Situationen braucht das System zusätzliche Kapazitäten, die kurzfristig einspringen können.

Die nun vergebenen Zuschläge zeigen, dass Gaskraftwerke dabei weiter eine wichtige Rolle spielen sollen. Sie gelten im Stromsystem als flexible Erzeuger, weil sie vergleichsweise schnell hochgefahren werden können. Zugleich handelt es sich um fossile Kraftwerke. Genau daraus entsteht der politische Konflikt: Einerseits soll die Stromversorgung verlässlich bleiben, andererseits soll der Energiesektor klimafreundlicher werden.

Staatlich geförderte Reservekraftwerke sind deshalb mehr als eine technische Lösung. Sie berühren auch die Kostenfrage. Wer zusätzliche Kapazitäten bereithält, schafft Sicherheit im System, verursacht aber auch Ausgaben. In der laufenden Strompreisdebatte trifft diese Entscheidung auf Forderungen nach Entlastungen für Unternehmen und Haushalte.

Speicher bleiben vorerst außen vor

Besonders auffällig ist, dass Stromspeicher in der ersten Ausschreibung nicht zum Zug kamen, obwohl entsprechende Bewerbungen vorlagen. Speicher gelten als Baustein für ein Energiesystem mit viel Wind- und Solarstrom, weil sie überschüssige Energie aufnehmen und später wieder abgeben können. In dieser Ausschreibung setzten sich jedoch ausschließlich Gaskraftwerke durch.

Damit verschiebt sich die Diskussion nicht nur auf die Frage, wie viele neue Kraftwerke benötigt werden. Es geht auch darum, welche Technologien künftig die Lücken im Stromsystem schließen sollen. Speicher, flexible Verbraucher und Reservekraftwerke erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die aktuelle Vergabe stärkt zunächst die Rolle von Gaskraftwerken.

Für die Strompreise ist entscheidend, wie Versorgungssicherheit, Netzausbau, Erzeugung und staatliche Abgaben zusammenspielen. Die Debatte über die Stromsteuer und mögliche Entlastungen läuft deshalb parallel zur Frage nach neuen Kraftwerken. Niedrigere staatliche Belastungen könnten Stromrechnungen senken. Neue Reservekapazitäten sollen dagegen verhindern, dass bei schwacher Einspeisung aus erneuerbaren Quellen Engpässe entstehen.

Konflikt zwischen Kosten und Klimazielen

Die neue Vergabe macht den Zielkonflikt der Energiewende sichtbar. Deutschland will mehr Strom aus erneuerbaren Quellen nutzen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an gesicherter Leistung für Zeiten, in denen Wetter und Verbrauch nicht zusammenpassen. Gaskraftwerke können diese Leistung bereitstellen, binden das System aber weiterhin an fossile Energieträger.

Für die Politik entsteht daraus ein schwieriger Abwägungsprozess. Eine verlässliche Stromversorgung ist Voraussetzung für Industrie, Dienstleistungen und private Haushalte. Zu hohe Preise belasten jedoch die Wettbewerbsfähigkeit und die Kaufkraft. Jede Entscheidung über zusätzliche Kraftwerke wirkt daher auch in die Preisdebatte hinein.

Noch ist offen, wie stark die neuen Zuschläge die weitere Diskussion prägen werden. Klar ist aber: Die Strompreisfrage lässt sich nicht allein über Steuern oder kurzfristige Entlastungen beantworten. Sie hängt auch davon ab, welche Reserve das Stromsystem bekommt und wie schnell klimafreundliche Alternativen wie Speicher eine größere Rolle übernehmen können.