Wirtschaft · Reservekraftwerke
Neue Gaskraftwerke bringen Umlage für Stromkunden
Die Bundesnetzagentur hat mit der ersten Ausschreibungsrunde für neue Gaskraftwerke den Standort Jänschwalde in Brandenburg gestärkt. Dort soll ein neues Kraftwerk entstehen, das künftig Strom in Zeiten knapper erneuerbarer Erzeugung bereitstellt. Die Finanzierung soll über eine neue Umlage laufen, die alle tragen, die Strom beziehen. Wie stark die Strompreise dadurch steigen, ist noch offen.
Jänschwalde soll Kraftwerksstandort bleiben
Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement sieht in der Entscheidung eine Perspektive für Jänschwalde. Nach Angaben ihres Ministeriums bewertete sie den Zuschlag als „hervorragende Nachrichten für Brandenburg“. Der Ort werde damit weiter eine Rolle als Energie- und Industriestandort spielen.
Klement verwies darauf, dass bestehende Flächen und technische Strukturen weiter genutzt werden könnten. Auch die Beschäftigten am Standort blieben damit gefragt. Für eine Region, die stark von der bisherigen Kraftwerksinfrastruktur geprägt ist, geht es damit nicht nur um Stromproduktion, sondern auch um industrielle Kontinuität.
Am Standort Jänschwalde sind vier Gaskraftwerksblöcke vorgesehen. Sie gehören zu einem größeren Vorhaben, mit dem zusätzliche gesicherte Leistung im Stromsystem aufgebaut werden soll. Die Anlagen sollen einspringen, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend liefern.
Absicherung bei Dunkelflauten
Die neuen Gaskraftwerke sind für Phasen gedacht, in denen wenig Wind weht und zugleich wenig Sonnenstrom erzeugt wird. Solche Situationen werden in der Energiewirtschaft als Dunkelflauten bezeichnet. Dann braucht das Stromsystem Kraftwerke, die verlässlich Leistung bereitstellen können.
Bis 2031 sollen insgesamt elf Anlagen in mehreren Bundesländern entstehen. Neben Brandenburg sind Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg vorgesehen. Die erste Ausschreibungsrunde ist damit nur ein Schritt im Ausbau dieser Reservekapazitäten. Zwei weitere Runden sollen noch folgen.
Die Kraftwerke werden zunächst mit Erdgas betrieben. Spätestens im Jahr 2045 sollen sie klimaneutral mit Wasserstoff laufen. Damit verbindet der Plan kurzfristig verfügbare Technik mit dem Ziel, die Anlagen langfristig ohne fossile Brennstoffe einzusetzen.
Umlage belastet Strombezug
Die Kosten der neuen Kapazitäten sollen nicht allein bei einzelnen Betreibern oder Regionen anfallen. Vorgesehen ist eine neue Umlage, die bundesweit über den Strombezug finanziert wird. Damit werden Haushalte und Unternehmen grundsätzlich in die Finanzierung einbezogen.
Noch ist nicht beziffert, wie hoch der zusätzliche Aufschlag ausfallen wird. Klar ist aber, dass der Ausbau der Reservekraftwerke Auswirkungen auf die Stromkosten haben soll. Die konkrete Belastung hängt davon ab, welche Kosten anerkannt werden und wie die Umlage ausgestaltet wird.
Für die Wirtschaft ist dieser Punkt besonders sensibel. Strompreise sind für viele Betriebe ein zentraler Kostenfaktor. Zugleich sollen die neuen Anlagen verhindern, dass Versorgungslücken entstehen, wenn erneuerbare Energien wetterbedingt schwächer einspeisen.
Einordnung für die Energiewende
Die Entscheidung zeigt, dass der Umbau des Stromsystems nicht nur den Ausbau von Wind- und Solarenergie betrifft. Parallel werden steuerbare Kraftwerke benötigt, die kurzfristig einspringen können. Gaskraftwerke gelten dabei als Reserve für Zeiten, in denen wetterabhängige Erzeugung nicht genügt.
Der Fall Jänschwalde steht außerdem für den Versuch, bestehende Energiestandorte in die neue Struktur einzubinden. Infrastruktur, Netzanschlüsse und Fachkräfte können weiter eine Rolle spielen, auch wenn sich die eingesetzte Technik verändert.
Offen bleibt die Kostenfrage. Die geplante Umlage macht deutlich, dass Versorgungssicherheit im Stromsystem zusätzlich finanziert werden muss. Wie stark Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen belastet werden, entscheidet sich erst mit der weiteren Ausgestaltung.