Wirtschaft · KI-Infrastruktur
Microsoft-Zahlen befeuern Techboom trotz Blasensorgen
Microsoft hat mit starken Quartalszahlen den Börsenoptimismus rund um künstliche Intelligenz neu angefacht. Der Softwarekonzern steigerte Umsatz und Gewinn deutlich und profitierte besonders von seiner Cloud-Plattform Azure. Gleichzeitig zeigen die Reaktionen auf andere große Techwerte, wie sensibel Anlegerinnen und Anleger inzwischen auf die hohen Ausgaben für KI-Rechenzentren, Chips und Cloudkapazitäten reagieren.
Azure treibt Microsoft an
Im abgelaufenen Quartal erhöhte Microsoft seine Erlöse um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar. Damit lag der Konzern über den durchschnittlichen Erwartungen von Analystinnen und Analysten, die mit 90,7 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Der Nettogewinn stieg um 32 Prozent auf 36,6 Milliarden Dollar. Auch beim operativen Ergebnis übertraf Microsoft die Markterwartungen.
Besonders stark entwickelte sich das Cloudgeschäft. Azure kam auf 33,2 Milliarden Dollar Umsatz und wuchs damit um 48 Prozent. Für das laufende Quartal stellt Microsoft sogar ein Plus von 49 bis 50 Prozent in Aussicht. Finanzchefin Amy Hood machte deutlich, dass der Konzern die Nachfrage weiterhin nicht vollständig bedienen kann. Das unterstreicht, wie groß der Bedarf an Rechenleistung für KI-Anwendungen derzeit ist.
An der Börse sorgten die Zahlen für Auftrieb. Im nachbörslichen Handel legte die Microsoft-Aktie je nach Zeitpunkt der Betrachtung um etwa drei bis vier Prozent zu. Zwischenzeitlich bewegte sie sich oberhalb von 560 Dollar. Damit rückte das Rekordhoch aus dem Sommer 2025 in Reichweite.
Alphabet wächst, enttäuscht aber Anleger
Auch Alphabet meldete ein kräftiges Umsatzwachstum. Die Erlöse stiegen um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar. Die Erwartungen lagen jedoch etwas höher. Der Nettogewinn sank um 25 Prozent auf 26,2 Milliarden Dollar. Als wesentlicher Grund gelten Wertminderungen auf Beteiligungen.
Im Cloudgeschäft holt Google weiter auf. Die Sparte erzielte 30,7 Milliarden Dollar Umsatz und hat sich damit mehr als verdoppelt. In diesem Bereich verbucht der Konzern auch Einnahmen aus eigenen KI-Chips. Diese Technologie entwickelt Google seit Jahren; seit kurzer Zeit werden die Chips auch externen Kunden angeboten.
Konzernchef Sundar Pichai verwies darauf, dass sich die KI-Ausgaben in mehreren Geschäftsfeldern bemerkbar machten. Dazu zählen Cloudangebote, das KI-Modell Gemini, zugehörige Anwendungen sowie KI-Funktionen in der Suchmaschine. Die Gemini-App kommt nach Unternehmensangaben inzwischen auf eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer.
Trotzdem reagierte der Markt enttäuscht. Die Alphabet-Aktie verlor nachbörslich mehr als zehn Prozent. Belastend wirkten unter anderem die schwächeren Erwartungen im Suchwerbegeschäft. Dort stiegen die Erlöse zwar um 12 Prozent auf 63,4 Milliarden Dollar, in den beiden vorherigen Quartalen hatte das Wachstum jedoch jeweils über 15 Prozent gelegen. Der in die Suche eingebaute KI-Modus erzielt nach Angaben von Google-Manager Philipp Schindler bislang geringere Einnahmen als die klassische Suche.
Hohe Investitionen erhöhen den Druck
Der KI-Boom verlangt enorme Vorleistungen. Alphabet plant für dieses Jahr Investitionen zwischen 195 Milliarden und 205 Milliarden Dollar. Für 2027 sollen die Ausgaben nach Angaben von Finanzchefin Anat Ashkenazi noch einmal deutlich steigen. Im vergangenen Quartal wies Alphabet deshalb einen negativen freien Mittelzufluss aus.
Microsoft peilt für 2026 Investitionen von 175 Milliarden Dollar an. Anders als Alphabet blieb der Mittelzufluss zuletzt klar positiv. Das gilt als wichtiger Grund dafür, dass die Microsoft-Zahlen an den Märkten besser aufgenommen wurden. Analyst Jesse Cohen bezeichnete die Bilanz als „makellos“ für einen Konzern dieser Größe.
Zugleich versucht Microsoft, die Kostenbasis zu steuern. Bekannt wurde ein Abfindungsangebot für 60.000 Beschäftigte, also etwa ein Viertel der Belegschaft. Hood erklärte intern, Microsoft rechne nur mit sehr wenigen Annahmen. In der Xbox-Sparte hatte der Konzern in diesem Jahr bereits 3.200 Stellen gestrichen, nachdem dort die Umsätze unter Druck geraten waren.
Börsenfantasie und Blasenrisiko
Die Zahlen zeigen, warum KI-Infrastruktur derzeit als zentraler Wachstumstreiber der großen Technologiekonzerne gilt. Cloudanbieter verkaufen Rechenkapazität, KI-Chips und Plattformdienste an Unternehmen, die eigene Anwendungen entwickeln oder bestehende Produkte mit KI-Funktionen erweitern wollen. Marktführer im Cloudgeschäft bleibt Amazon Web Services. Für das zweite Quartal hatte AWS einen Umsatz von 42,2 Milliarden Dollar gemeldet.
Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Investitionswelle überzogen sein könnte. Die Börse unterscheidet zunehmend scharf zwischen Unternehmen, bei denen KI-Ausgaben bereits sichtbar in Umsatz und Gewinn ankommen, und Konzernen, bei denen der Nutzen noch unsicherer wirkt. Microsoft lieferte dafür nun ein positives Beispiel. Alphabet zeigt hingegen, dass hohes Wachstum allein nicht genügt, wenn steigende Ausgaben, schwächere Werbedynamik und Fragen zur Monetarisierung neuer KI-Angebote zusammenkommen.