Wirtschaft · Meeresforschung
Meerespreis 2026 geht an Tiefseeforscherin Brandt
Die Tiefseeforscherin Angelika Brandt ist mit dem Deutschen Meerespreis 2026 ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel überreicht und ist mit 20.000 Euro verbunden. Gewürdigt wird Brandts Arbeit zur biologischen Vielfalt in der Tiefsee und in den Polarregionen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hob dabei besonders hervor, dass die Wissenschaftlerin mehr als 100 zuvor unbekannte Tiefseearten entdeckt habe.
Forschung in schwer zugänglichen Lebensräumen
Brandt gehört zu den profilierten deutschen Meeresbiologinnen. Von 2017 bis 2026 war sie Professorin für Marine Zoologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Im Zentrum ihrer wissenschaftlichen Arbeit stehen Lebensräume, die für die Forschung nur mit erheblichem Aufwand erreichbar sind.
Dazu zählen die Tiefsee und die Polarregionen. Brandt untersucht, welche Organismen dort vorkommen, wie sie miteinander verwandt sind und auf welchen Wegen sie sich über Meeresräume ausbreiten. Diese Fragen sind nicht nur für die Beschreibung einzelner Arten wichtig. Sie berühren auch grundlegende Zusammenhänge der Evolutionsbiologie und der Entwicklung ganzer Ökosysteme.
Die Tiefsee gilt als einer der am wenigsten erforschten Bereiche der Erde. Viele dort lebende Organismen sind bislang nicht beschrieben. Forschung in diesen Regionen liefert deshalb Erkenntnisse darüber, wie vielfältig Leben unter extremen Bedingungen sein kann und wie sich Meeresgemeinschaften über lange Zeiträume entwickeln.
Mehr als 100 neue Arten entdeckt
Ministerpräsident Günther, Schirmherr des Preises, würdigte Brandts wissenschaftliche Leistungen bei der Veranstaltung in Kiel. Mit ihren Entdeckungen habe sie einen Bereich zugänglich gemacht, der lange weitgehend im Verborgenen gelegen habe. Er sagte: „Ihre Arbeit hilft uns zu verstehen, wie sich die Ozeane verändern und was das für unsere Lebensgrundlagen bedeutet.“
Die Entdeckung von mehr als 100 bis dahin unbekannten Tiefseearten steht beispielhaft für den Umfang ihrer Forschung. Solche Funde erweitern das Wissen über biologische Vielfalt in den Ozeanen. Zugleich können sie Hinweise darauf geben, wie Lebensgemeinschaften auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren.
Brandts Untersuchungen verbinden Artbeschreibung, Verwandtschaftsanalysen und Fragen der räumlichen Ausbreitung. Damit tragen sie dazu bei, ökologische Zusammenhänge in Regionen zu erklären, die für direkte Beobachtungen nur begrenzt zugänglich sind. Gerade in Polarregionen und in großen Meerestiefen hängt wissenschaftlicher Fortschritt häufig davon ab, Proben systematisch auszuwerten und in größere biologische Zusammenhänge einzuordnen.
Auszeichnung seit 2009
Der Deutsche Meerespreis wird seit 2009 vergeben. Geehrt werden Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für den Schutz und den Erhalt der Ozeane einsetzen. Seit 2024 wird die Auszeichnung gemeinsam mit der Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung verliehen.
Das Vergabemodell sieht seitdem einen zweijährigen Rhythmus vor. Ausgezeichnet werden abwechselnd Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Mit der Ehrung Brandts rückt die wissenschaftliche Erforschung der Ozeane in den Mittelpunkt.
Die Preisverleihung in Kiel verweist zugleich auf die Bedeutung der Meeresforschung für den Umgang mit globalen Veränderungen. Erkenntnisse über Artenvielfalt, Verwandtschaft und Verbreitung mariner Organismen bilden eine Grundlage, um Entwicklungen in den Ozeanen besser einzuordnen.