Wirtschaft · Industrie unter Druck
Bosch und Schaeffler bauen Tausende Stellen ab
Bosch und Schaeffler verschärfen ihre Sparpläne und setzen damit den Personalabbau in der Industrie fort. Bosch will am Standort Abstatt bis Ende 2029 rund 750 Arbeitsplätze in der Automobilsparte streichen. Bei Schaeffler soll der Standort Schwalbach im Laufe des Jahres 2028 schließen, dort fallen 190 Stellen weg. Bundesweit plant der Autozulieferer den Abbau von mehr als 2.600 Arbeitsplätzen.
Bosch streicht erneut in Abstatt
Bosch begründet die zusätzlichen Kürzungen in Abstatt mit einem schwieriger gewordenen Marktumfeld. Das Unternehmen verweist auf eine nur schwach wachsende Fahrzeugproduktion weltweit, eine geringere Nachfrage in Europa und stärkeren Wettbewerb aus Asien. In der Gemeinde südöstlich von Heilbronn entwickelt und produziert Bosch unter anderem Bremssysteme für Autohersteller.
Besonders betroffen ist das Geschäft mit modernen elektronischen Bremssystemen. Nach Darstellung des Konzerns entstehen neue Lösungen wie Brake-by-Wire zunehmend zuerst mit chinesischen Kunden und werden gemeinsam mit dem Bosch-Standort vor Ort in China entwickelt. Dadurch werde in Abstatt weniger Kapazität benötigt. Am Standort arbeiten insgesamt rund 5.300 Beschäftigte.
Für Abstatt ist es nicht die erste Abbauankündigung. In anderen dort angesiedelten Bereichen wie Autosoftware, Fahrzeugsensorik und Insassenschutz hatte Bosch bereits in den vergangenen beiden Jahren Streichungen von mehr als 600 Stellen angekündigt. Die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern über die neuen Maßnahmen sollen zeitnah beginnen. Bosch will den Abbau möglichst sozialverträglich gestalten und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.
Kürzungen summieren sich bei Bosch
Die bekannten Abbauprogramme bei Bosch erreichen inzwischen eine Größenordnung von rund 30.100 Stellen weltweit. Auf die Automobilsparte entfallen davon etwa 24.210 Arbeitsplätze, auf deutsche Standorte rund 27.000. Das Unternehmen schließt weitere Programme angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung nicht aus, betont aber zugleich, das Beschäftigungsniveau so weit wie möglich halten zu wollen.
Unter Druck steht bei Bosch nicht nur das Autogeschäft. In der Elektrowerkzeugsparte endet zum Jahresende die Produktion in Leinfelden-Echterdingen und Sebnitz. Dadurch verlieren fast 500 Beschäftigte ihre Stellen. Zuvor hatte Bosch in der Verwaltung dieses Bereichs bereits rund 500 Arbeitsplätze gestrichen.
Auch die Hausgerätetochter BSH hat in den vergangenen Jahren größere Einschnitte angekündigt. Anfang 2024 ging es um 3.500 Stellen in Verwaltung und Zentralfunktionen weltweit. Im Oktober 2025 folgten Pläne zur Schließung des Waschmaschinenwerks in Nauen und der Backofenfertigung in Bretten mit zusammen 1.400 Arbeitsplätzen. Für Teile der Produktion in Bretten wird nach einem Käufer gesucht, wodurch möglicherweise mehrere Hundert Stellen erhalten bleiben könnten.
Parallel ordnet Bosch seine Autosparte neu. Der Bereich soll künftig als hundertprozentige Tochter unter dem Dach der Konzernholding geführt werden. Vorbereitet werden Verhandlungen über den Betriebsübergang sowie über die künftige Geltung von Betriebsvereinbarungen und Tarifregeln.
Protest bei Schaeffler
Auch bei Schaeffler wächst der Widerstand gegen neue Einschnitte. Der Autozulieferer will den Standort Schwalbach schließen, den er 2024 mit der Übernahme des Antriebsspezialisten Vitesco übernommen hatte. Von den dort Beschäftigten sollen 190 ihre Arbeitsplätze verlieren, weitere 195 sollen künftig in Frankfurt arbeiten.
In Schwalbach sorgte die Entscheidung für Protest. Rund 100 Beschäftigte versammelten sich zu einer Kundgebung. Viele waren erst vor wenigen Wochen aus einem nahe gelegenen Hochhaus in ein anderes Bürogebäude umgezogen. Nach Angaben aus der Belegschaft läuft der Mietvertrag bis 2030. Der Schwalbacher Betriebsrat kritisiert, der Abbau solle über Abfindungen abgefedert werden, dafür seien allein an diesem Standort Rückstellungen von 50 Millionen Euro nötig.
Schaeffler will die Stellenstreichungen mit einem Solidaritätsbeitrag verbinden. Vorgesehen ist dem Unternehmen zufolge ein zeitlich begrenzter freiwilliger Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen und über alle Hierarchieebenen reichen soll. Arbeitnehmervertreter kritisieren diesen Ansatz und verweisen darauf, dass der Vorstand nur auf einen Teil der Vergütung verzichten wolle.
Zulieferer unter Druck
Die Einschnitte bei Bosch und Schaeffler zeigen den hohen Anpassungsdruck in der deutschen Zulieferindustrie. Die Unternehmen reagieren auf schwächere Nachfrage, veränderte Entwicklungsstandorte, Preisdruck und den Wettbewerb insbesondere aus China. Gleichzeitig erfordert die Umstellung auf neue Fahrzeugtechnologien hohe Investitionen.
Bei Bosch zeigt sich der Druck auch in den Geschäftszahlen. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 zwar um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro, getragen wurde das Wachstum aber vor allem durch Zukäufe. In der wichtigen Autosparte gingen die Erlöse zurück. Das operative Ergebnis sank um 4,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, die operative Rendite lag bei 4,6 Prozent und damit unter dem Vorjahreswert.