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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Börsen nach US-Wahl

Dax-Rekord verpufft nach KI-Ausverkauf an der Wall Street

Der Dax erreicht am Donnerstag zunächst einen Höchststand. Dann ziehen Zweifel an KI-Aktien und die Folgen der US-Zwischenwahlen die Märkte nach unten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Schwankende Börsenkurse spiegeln die Nervosität an den Aktienmärkten wider.
Symbolbild: Schwankende Börsenkurse spiegeln die Nervosität an den Aktienmärkten wider. KI-generiert

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag zunächst von der Lage nach den US-Zwischenwahlen profitiert und ein Rekordhoch erreicht. Der Dax stieg bis auf 26.685,23 Punkte. Mit der Eröffnung der US-Börsen drehte die Stimmung jedoch abrupt. Ein Ausverkauf bei Technologie- und KI-Werten drückte auch den deutschen Leitindex ins Minus. Am Ende stand der Dax bei 26.325 Punkten und damit etwa 0,4 Prozent niedriger.

Rekordhoch am Vormittag

Mehrere Faktoren stützten den Dax zunächst. Neben dem Ausgang der US-Kongresswahlen sorgten Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte im Irankrieg, niedrigere Energiepreise, fallende Anleiherenditen und wichtige Unternehmenszahlen für Kauflaune. Der deutsche Leitindex setzte damit seine jüngste Aufwärtsbewegung fort.

Die Erleichterung hielt aber nur kurz. Als der Handel in New York anlief, gerieten vor allem Technologiewerte stark unter Druck. Der Nasdaq gab zeitweise um mehr als fünf Prozent nach. Damit weitete sich die Verkaufswelle bei Unternehmen aus, die besonders stark mit dem Boom um Künstliche Intelligenz verbunden sind.

In Deutschland traf es vor allem Chip- und Technologiewerte. Infineon verlor im Dax mehr als acht Prozent. Im MDax gaben Siltronic, Aixtron, Nemetschek und Suss Microtec zwischen neun und 14 Prozent ab. Auch kleinere Technologiewerte standen unter Druck: LPKF und PVA Tepla lagen im SDax jeweils rund zwölf Prozent im Minus.

US-Börsen verlieren massiv

An der Wall Street fiel der Rückgang noch deutlicher aus. Die Unternehmen im S&P 500 büßten am Donnerstag zusammen etwa drei Billionen Dollar an Marktwert ein. Für die im Nasdaq gelisteten Unternehmen summierte sich das Minus auf rund 2,5 Billionen Dollar. Beide Werte markieren außergewöhnlich hohe Verluste für einen einzelnen Handelstag.

Der Nasdaq-Index schloss 5,5 Prozent tiefer und lag damit mehr als zehn Prozent unter seinem jüngsten Höchststand. Damit befindet sich der technologielastige Index in einer Korrektur. Der Dow Jones verlor 3,4 Prozent und gab damit seinen Anstieg vom Vortag wieder ab. Der S&P 500 sank um 4,3 Prozent. Der Nasdaq 100 rutschte um 6,4 Prozent ab; das war der stärkste Tagesverlust seit der Pandemie. Auch nach Handelsschluss setzten sich die Verluste zunächst fort.

Für die großen US-Indizes war es der heftigste Rückschlag seit der Ankündigung umfassender US-Importzölle im April 2025. Der Volatilitätsindex VIX stieg um rund 70 Prozent. Das zeigt, wie stark die Nervosität an den Märkten zunahm.

Sorge um KI-Infrastruktur

Als ein Auslöser gilt das überraschend starke Abschneiden der Demokraten bei den US-Kongresswahlen. An den Märkten wächst die Sorge, dass politische Mehrheiten den Ausbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz bremsen könnten. Der Widerstand gegen neue Rechenzentren spielte im Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Damit geraten Aktien unter Druck, die zuvor besonders stark von Erwartungen an den KI-Ausbau profitiert hatten. Dazu zählen Chiphersteller, Ausrüster und Softwareunternehmen. Die Kursverluste zeigen, wie abhängig ein Teil der jüngsten Börsenrally von der Annahme war, dass der Ausbau von Rechenzentren, Chips und KI-Anwendungen weiter schnell vorankommt.

US-Präsident Donald Trump stellte die Marktturbulenzen in einen direkten Zusammenhang mit dem Wahlergebnis. Er erklärte in sozialen Medien, der Aktienmarkt habe wegen der Resultate einen der schlimmsten Tage seiner Geschichte erlebt. Zugleich versuchte er, Anlegerinnen und Anleger zu beruhigen.

Dax bleibt über alter Handelsspanne

Trotz des schwachen Schlusses liegt der Dax weiter über dem Niveau, das über Wochen den Handel geprägt hatte. Im frühen Herbst bewegte sich der Index überwiegend seitwärts zwischen 25.000 und 25.600 Punkten. Erst in der vergangenen Woche gelang der nachhaltige Ausbruch aus dieser Spanne.

Die Entwicklung am Donnerstag zeigt jedoch, wie schnell internationale Impulse den deutschen Markt erfassen. Politische Unsicherheit in den USA, Zweifel an der Bewertung von KI-Aktien und Bewegungen bei Energiepreisen und Anleiherenditen wirken zusammen. Für den Dax war der Tag deshalb beides: ein neuer Höchststand und ein Hinweis auf die wachsende Anfälligkeit der Märkte.