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Wirtschaft · Energiepreise

Gas verteuert sich weiter, Stromsteuer rückt in den Fokus

Haushalte müssen sich auf höhere Gasrechnungen einstellen. In der Entlastungsdebatte geht es neben Spritpreisen auch um Strom- und Heizkosten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Steigende Energiepreise belasten Haushalte bei Heizung, Strom und Mobilität.
Symbolbild: Steigende Energiepreise belasten Haushalte bei Heizung, Strom und Mobilität. KI-generiert

Die Energiepreise bleiben für Haushalte ein zentrales Belastungsthema. Das Vergleichsportal Verivox erwartet weitere Gaspreiserhöhungen auch in bestehenden Verträgen. Zugleich wird eine Senkung der Stromsteuer als mögliche Entlastung genannt, während die politische Aufmerksamkeit stark auf den Kosten an der Tankstelle liegt.

Gaspreise steigen zeitverzögert

Nach Einschätzung von Verivox-Chef Daniel Puschmann müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mit zusätzlichen Aufschlägen bei Gas rechnen. Er sprach von erwarteten „flächendeckenden Preiserhöhungen“. Hintergrund sind deutlich gestiegene Einkaufspreise an den Großhandelsmärkten. Dort kostet eine Megawattstunde Gas inzwischen 96 Euro. Im Februar lag der Preis demnach noch bei 32 Euro.

Für private Haushalte ist der Anstieg bislang nur teilweise sichtbar. Gas kostet aktuell etwa 13 Cent je Kilowattstunde und damit knapp ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Puschmann rechnet damit, dass die höheren Großhandelspreise erst nach und nach in den Kundentarifen ankommen. Wie stark einzelne Verträge betroffen sind, hängt auch davon ab, wann und zu welchen Bedingungen Versorger eingekauft haben.

Als Preistreiber gilt unter anderem die angespannte Lage an den internationalen Energiemärkten. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran belastet den Handel und verteuert Beschaffung. Europa steht dabei in Konkurrenz zu anderen großen Abnehmern, etwa in Asien. Ein akuter Versorgungsmangel wird nach Einschätzung von Verivox dennoch nicht erwartet. Entscheidend sei vor allem, wie teuer das verfügbare Gas werde.

Stromsteuer als Entlastungshebel

In der Debatte über Entlastungen wird derzeit häufig auf Spritpreise geblickt. Puschmann warnt jedoch davor, Strom und Gas zu vernachlässigen. Kraftstoffpreise sind für viele Menschen täglich sichtbar, etwa beim Tanken. Höhere Gas- und Stromkosten wirken dagegen häufig später, etwa über Abschläge oder Jahresabrechnungen.

Eine mögliche Maßnahme wäre eine Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden ergäbe sich nach Berechnungen von Verivox eine Entlastung von rund 90 Euro. Ein Paar mit 2.500 Kilowattstunden Verbrauch könnte etwa 60 Euro sparen.

Die Forderung richtet sich an die Bundesregierung. Sie steht vor der Aufgabe, Entlastungen so zu setzen, dass sie Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar erreichen, ohne Fehlanreize zu schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Verkehr, sondern auch die Frage, wie Heizen und Strombezug bezahlbar bleiben.

Vertragscheck kann Kosten senken

Für Haushalte mit Gasheizung lohnt sich ein Blick in die Vertragsunterlagen. Wichtig sind Laufzeit, Preisgarantie, Arbeitspreis und Grundpreis. Wer noch über viele Monate eine gültige Preisgarantie hat, muss nicht sofort wechseln. Läuft die Garantie bald aus, kann ein neuer Vertrag trotz aktuell höherer Neukundenpreise sinnvoll sein, wenn weitere Aufschläge drohen.

Verbraucherfachleute empfehlen beim Vergleich, Tarife mit Preisgarantie zu prüfen und Bonusangebote nicht zum entscheidenden Kriterium zu machen. Auch lokale Stadtwerke sollten einbezogen werden, weil ihre Angebote nicht immer in Vergleichsportalen erscheinen. Ein Wechsel ist häufig bereits einige Monate vor Vertragsende planbar.

Puschmann hält die Sorge vor einem Anbieterwechsel für übertrieben. Niemand müsse befürchten, plötzlich ohne Gas oder Strom dazustehen. Der Energiemarkt sei in Deutschland stark reguliert, ein Wechsel könne schnell erledigt werden. Auch günstige Anbieter seien nicht grundsätzlich unsicherer als teure Versorger. Niedrige Preise könnten etwa durch effiziente Prozesse oder geschickten Einkauf entstehen.

Energie bleibt wirtschaftlicher Risikofaktor

Die Entwicklung trifft Haushalte in einer Phase, in der mehrere Kostenbereiche gleichzeitig unter Druck stehen. Steigende Heizkosten wirken besonders stark, weil sie viele Menschen nicht kurzfristig vermeiden können. Stromkosten betreffen zusätzlich nahezu alle Lebensbereiche, vom Wohnen bis zur digitalen Arbeit.

Für die Wirtschaftspolitik verschärft sich damit die Abwägung zwischen Entlastung, Haushaltsdisziplin und Energiesparen. Wenn Gas, Strom und Sprit zugleich teuer bleiben, wächst der Druck auf gezielte Maßnahmen. Die nächsten Preisrunden der Versorger dürften deshalb auch die politische Debatte über Steuern, Abgaben und Energieversorgung weiter prägen.