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Wirtschaft · Tarifkonflikt Luftfahrt

Lufthansa und Pilotenvertretung ohne Einigung

Die Schlichtung zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit ist ohne Ergebnis beendet worden. Neue Streiks stehen wegen einer laufenden Mediation vorerst nicht unmittelbar bevor.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Gespräche zwischen Lufthansa und der Pilotenvertretung bleiben ohne Schlichtungsergebnis.
Symbolbild: Die Gespräche zwischen Lufthansa und der Pilotenvertretung bleiben ohne Schlichtungsergebnis. KI-generiert

Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit haben ihre Schlichtung ohne Einigung abgeschlossen. Ein verbindlicher Vorschlag der Vermittler blieb aus. Unmittelbar drohen dennoch keine neuen Pilotenstreiks, weil parallel eine breiter angelegte Mediation weiterläuft. In dem Konflikt geht es um Vergütung, Altersversorgung und die künftige Struktur mehrerer Flugbetriebe im Konzern.

Vermittler legen keinen Spruch vor

Das Verfahren hatte Ende August begonnen. Für die Gewerkschaft war der frühere thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow als Schlichter benannt, für das Unternehmen der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch. Beide legten zunächst keinen eigenen Lösungsvorschlag vor.

Damit fehlt den Tarifparteien ein Zwischenergebnis, auf das sie bei einem Scheitern der weiteren Gespräche zurückgreifen könnten. Koch und Ramelow haben jedoch angeboten, sich auch am laufenden Vermittlungsprozess zu beteiligen. Ein Zeitplan für die nächsten Schritte ist nicht bekannt.

Die nun fortgesetzte Mediation geht über klassische Tariffragen hinaus. Sie umfasst auch strategische Themen zur Entwicklung der Kerngesellschaft Lufthansa. Für die Beschäftigten im Cockpit hängt daran unter anderem, welche Perspektiven sie innerhalb des Konzerns haben. Auch Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind von solchen Strukturentscheidungen betroffen, verhandeln aber teils separat.

Streit über Geld und Konzernstruktur

Kern der Auseinandersetzung sind Forderungen zur Bezahlung und zur betrieblichen Altersversorgung. Betroffen sind rund 5.000 Pilotinnen und Piloten der Kernmarke sowie von Lufthansa Cargo. Die Vereinigung Cockpit verhandelt damit für Beschäftigte in zentralen deutschen Flugbetrieben des Konzerns.

Zugleich geht es um die Folgen der Neuordnung innerhalb der Lufthansa-Gruppe. Die frühere Lufthansa Cityline wurde im April geschlossen. Für deren Pilotinnen und Piloten will die Vereinigung Cockpit einen Sozialplan erreichen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Verlagerung von Flugzeugen und Personal in andere Gesellschaften des Konzerns. Dort gelten niedrigere Tarifbedingungen als bei der Stammgesellschaft. Für Lufthansa kann das die Kosten senken. Die Gewerkschaft sieht darin jedoch Druck auf die Arbeitsbedingungen und die Entwicklungsmöglichkeiten der Crews.

Sollte auch die Mediation scheitern, könnte sich der Konflikt wieder zuspitzen. Im laufenden Jahr hatte die Vereinigung Cockpit ihre Mitglieder bereits an sieben Tagen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Auch rund um den Festakt zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Lufthansa im April kam es zu zahlreichen Flugausfällen.

Verdi erzielt Teilabschluss

Unabhängig vom Konflikt mit der Vereinigung Cockpit haben Verdi und Lufthansa City Airlines eine Vereinbarung zur betrieblichen Altersvorsorge geschlossen. Sie gilt für Beschäftigte im Cockpit und in der Kabine dieser Fluglinie.

Nach Angaben der Gewerkschaft finanziert das Unternehmen die Versorgung vollständig über eine Unterstützungskasse. Monatlich sollen zusätzlich zum regulären Gehalt fünf Prozent des individuellen Einkommens eingezahlt werden. Betroffen sind etwa 660 Beschäftigte.

Neu ist eine Wahlmöglichkeit für das fliegende Personal. Wer nicht an der betrieblichen Altersvorsorge teilnehmen möchte, kann sich den Betrag auszahlen lassen. Das Bruttoeinkommen steigt in diesem Fall entsprechend.

Für Discover Airlines laufen ebenfalls Gespräche über eine betriebliche Altersvorsorge. Verdi bewertet das dortige Angebot für Cockpit und Kabine bislang als nicht ausreichend. Die Einigung bei Lufthansa City Airlines löst den Tarifkonflikt zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit nicht.

Bedeutung für den Flugbetrieb

Für Reisende bedeutet das Ende der Schlichtung zunächst keine unmittelbare Streikwelle. Entscheidend wird nun, ob die Mediation eine Verständigung über die großen Streitpunkte ermöglicht. Der Konflikt berührt nicht nur einzelne Tarifpositionen, sondern die Frage, wie Lufthansa künftig Arbeit zwischen Kernmarke, Frachtgeschäft und günstigeren Tochtergesellschaften verteilt.

Damit steht mehr auf dem Spiel als ein einzelner Abschluss. Die Gespräche entscheiden mit darüber, ob der Konzern seinen Kurs der Verlagerung fortsetzen kann und welche Absicherung die Pilotinnen und Piloten dafür erhalten.