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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Energiepolitik

Länder fordern Stromsteuer-Entlastung für alle

Die Bundesländer drängen den Bund auf niedrigere Stromkosten. Zugleich deuten Berechnungen für 2027 auf steigende Netzgebühren und höhere Gaspreise hin.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Steigende Energie- und Netzgebühren stehen im Zentrum der aktuellen Entlastungsdebatte.
Symbolbild: Steigende Energie- und Netzgebühren stehen im Zentrum der aktuellen Entlastungsdebatte. KI-generiert

Die Bundesländer erhöhen bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin den Druck auf die Bundesregierung, die Stromsteuer breiter zu senken. Die Forderung trifft auf eine angespannte Lage bei Energiepreisen: Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox steigen 2027 die Netzentgelte für Strom und Gas, zudem werden flächendeckend höhere Gaspreise erwartet.

Länder pochen auf Koalitionszusage

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert eine rasche Entlastung über die Stromsteuer. Die Kosten für Energie seien für viele Menschen und Betriebe inzwischen schwer zu tragen, sagte der CDU-Politiker. Er verlangt, dass nicht nur Industrie und produzierendes Gewerbe profitieren, sondern auch Haushalte, Handel, Handwerk und Dienstleistungsunternehmen.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig verweist auf die Vereinbarung der schwarz-roten Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag ist eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß vorgesehen. Umgesetzt wurde dies bislang nur für die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Private Haushalte und viele Unternehmen außerhalb dieser Bereiche zahlen weiter den höheren Satz.

Schwesig argumentiert, günstiger erneuerbarer Strom müsse stärker bei Bürgerinnen und Bürgern sowie in der Wirtschaft ankommen. In Deutschland werde grüner Strom bereits für fünf Cent erzeugt, sagte die SPD-Politikerin. Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsident Gordon Schnieder sieht in der ausstehenden Umsetzung ein Vertrauensproblem. Als mögliches Startdatum für die Entlastung nannte er den 1. Januar.

Finanzierung bleibt umstritten

Bundeskanzler Friedrich Merz spricht sich dafür aus, vorhandene Spielräume im Haushalt zu nutzen, um die Zusage aus dem Koalitionsvertrag vollständig einzulösen. Finanzminister Lars Klingbeil zeigt sich grundsätzlich offen, verweist aber auf Zweifel an einer dauerhaften Finanzierung. Die wieder anziehende Konjunktur reiche aus seiner Sicht nicht automatisch aus, um eine dauerhafte Steuersenkung zu tragen.

Auch aus den Ländern kommen Hinweise auf die Haushaltslage. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sieht die Gegenfinanzierung als schwierig an, falls sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht weiter bessert. Zugleich hält er niedrigere Stromkosten für wirksamer als manche Förderprogramme. Lies verweist außerdem auf die Netzentgelte als großen Kostentreiber und fordert, diese stärker in den Blick zu nehmen.

Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte unterstützt eine Senkung der Stromsteuer grundsätzlich, betont aber ebenfalls die finanziellen Folgen. Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland verlangen darüber hinaus eine rasche Umsetzung eines zugesagten Spritpreisdeckels. Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger fordert zudem Entlastungen für Haushalte, die mit Heizöl heizen.

Verivox erwartet höhere Belastungen

Die Preisdebatte erhält zusätzlichen Druck durch Berechnungen von Verivox für 2027. Demnach steigen die Gasnetzentgelte bundesweit im Schnitt um 3 Prozent. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspricht das rund 19 Euro Mehrkosten.

Deutlich stärker könnten sich gestiegene Großhandelspreise auswirken. Seit Februar 2025 verteuerte sich Gas im Großhandel nach Angaben von Verivox um rund 5 Cent netto je Kilowattstunde. Das entspricht einem Plus von etwa 140 Prozent. Verivox rechnet deshalb zum Jahreswechsel mit breiten Gaspreiserhöhungen von 10 bis 20 Prozent. Für Haushalte mit Einfamilienhaus könnten daraus bis zu 500 Euro höhere Heizkosten entstehen.

Bei den Gasnetzentgelten fallen die regionalen Unterschiede groß aus. Berlin verzeichnet ein Plus von 8 Prozent, Hamburg 7 Prozent. Rheinland-Pfalz und Brandenburg liegen jeweils bei 4,4 Prozent. In Sachsen und Thüringen sinken die Gebühren leicht. Verivox-Energieexperte Thorsten Storck erklärt den Aufwärtstrend damit, dass die Netzkosten wegen eines geringeren Gasverbrauchs auf weniger Kilowattstunden verteilt werden.

Netzgebühren prägen die Stromrechnung

Auch beim Strom sollen die Netzentgelte 2027 im Bundesdurchschnitt steigen, laut Verivox um 1,9 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch wären das rund 8 Euro zusätzlich pro Jahr. Die durchschnittlichen jährlichen Stromnetzgebühren steigen damit von 428 auf 436 Euro brutto.

Ein Faktor ist der geringere Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten. Er sinkt von 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 5,525 Milliarden Euro im Jahr 2027. Das ist ein Rückgang um 15 Prozent.

In zwölf Bundesländern erhöhen sich die Stromnetzgebühren. Am stärksten steigt die Belastung in Hamburg mit 52 Euro pro Jahr. Es folgen das Saarland, Berlin und Bremen. Geringere Gebühren werden für Thüringen und Nordrhein-Westfalen berechnet, auch in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg gibt es leichte Rückgänge. Seit 2025 werden Regionen mit viel Wind- und Solarstrom bei den Netzkosten entlastet. Die Kosten werden bundesweit verteilt.