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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Streit um Energiepreise

Länder drängen auf niedrigere Stromsteuer für alle

Die Länder verlangen vom Bund eine rasche Entlastung bei der Stromsteuer. Haushalte könnten je nach Verbrauch um mehrere Dutzend Euro pro Jahr profitieren.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Stromzähler und eine Haushaltsrechnung stehen für die Debatte über Entlastungen bei Energiepreisen.
Symbolbild: Ein Stromzähler und eine Haushaltsrechnung stehen für die Debatte über Entlastungen bei Energiepreisen. KI-generiert

Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder erhöhen den Druck auf die Bundesregierung: Die Stromsteuer soll für alle Verbraucherinnen und Verbraucher zügig sinken. Der Beschluss der Länder richtet sich an Union und SPD, die eine solche Entlastung bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart haben. Offen ist, ob der Bund im Haushalt genug Geld dafür freimacht.

Länder erhöhen den Druck

Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder verweisen auf weiter hohe Energiekosten in Deutschland. Aus ihrer Sicht soll der Bund vorhandene finanzielle Möglichkeiten nutzen, um Strom für private Haushalte und Unternehmen günstiger zu machen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU), derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, betonte, die Länder gingen von entsprechenden Spielräumen im Bundeshaushalt aus.

Die Entlastung bei der Stromsteuer ist politisch nicht neu. Union und SPD hatten vereinbart, die Abgabe auf das europäische Mindestniveau abzusenken. Bisher gilt die Entlastung aber nur für die Industrie sowie für Land- und Forstwirtschaft. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterstützt eine Ausweitung grundsätzlich. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) verweist dagegen darauf, dass trotz erwarteter zusätzlicher Steuereinnahmen keine neuen finanziellen Spielräume für solche Vorhaben bestünden.

So stark könnten Haushalte profitieren

Die Stromsteuer beträgt derzeit 2,05 Cent je Kilowattstunde. Das europäische Mindestmaß liegt bei 0,10 Cent. Würde die Abgabe entsprechend reduziert, fiele der Strompreis rechnerisch um 1,95 Cent je Kilowattstunde. Weil auf den Strompreis Mehrwertsteuer erhoben wird, käme ein weiterer Entlastungseffekt hinzu. Insgesamt ergäbe sich eine Senkung um rund 2,35 Cent je Kilowattstunde.

Für Haushalte wäre der Effekt spürbar, aber begrenzt. Das Vergleichsportal Verivox rechnet auf Basis eines durchschnittlichen Strompreises von 34,36 Cent je Kilowattstunde im Oktober. Demnach könnte ein Ein-Personen-Haushalt mit 1.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch etwa 35 Euro im Jahr sparen. Bei zwei Personen und 2.800 Kilowattstunden wären es rund 65 Euro. Ein Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden käme auf etwa 93 Euro Entlastung pro Jahr.

Bei anderen Verbrauchsannahmen fallen die Beträge höher aus. Nach Daten des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2021 verbrauchte ein Ein-Personen-Haushalt im Schnitt 2.100 Kilowattstunden. Daraus ergäbe sich eine jährliche Entlastung von etwa 49 Euro. Haushalte mit drei oder mehr Personen kamen damals auf durchschnittlich 5.400 Kilowattstunden und könnten rund 127 Euro sparen.

Strompreis bleibt von vielen Faktoren abhängig

Die Stromsteuer ist nur ein Teil des Endpreises. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft lag der durchschnittliche Strompreis für private Haushalte im August 2026 bei rund 37 Cent je Kilowattstunde. Davon entfielen 15,2 Cent auf Beschaffung und Vertrieb, 9,2 Cent auf Netzentgelte sowie 12,6 Cent auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Innerhalb dieses letzten Blocks macht die Stromsteuer 2,05 Cent aus.

Damit würde eine Steuersenkung den Strompreis zwar drücken, aber nicht alle Preisbestandteile betreffen. Netzentgelte, Beschaffungskosten und Vertrieb blieben davon unberührt. Die Länder begründen ihren Vorstoß dennoch mit den Belastungen durch hohe Energiepreise und mit der Zusage der Bundesregierung, Strom für breite Teile der Bevölkerung günstiger zu machen.

Debatte reicht bis zu Kraftstoffen

Parallel fordern die Länder Entlastungen bei Benzin und Diesel. Die Bundesregierung soll einen Vorschlag für einen Preisdeckel bei Kraftstoffen vorlegen. Derzeit gilt ein Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter, der bis zum Jahresende befristet ist. Eine Untersuchung des Ifo-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass diese Entlastung nicht vollständig bei Autofahrerinnen und Autofahrern ankommt.

Die Energiepreise stehen auch wegen internationaler Krisen unter Druck. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sind Öl- und Gaslieferungen über die Straße von Hormus stark eingeschränkt. Die für den Welthandel wichtige Route ist weitgehend blockiert.

Vor diesem Hintergrund arbeitet die Bundesregierung auch an einer Strategie für Raffinerien. Das Bundeswirtschaftsministerium startete am Freitag einen Dialog mit der Mineralölwirtschaft. Länder, Gewerkschaften und betroffene Industriezweige sollen einbezogen werden. Am Ende soll ein Strategiepapier für das Kabinett stehen. Deutschland verfügt über elf Raffineriestandorte; ihr Erhalt gilt dem Ministerium als industriepolitisch wichtig.