Wirtschaft · Preise und Energie
Kostendruck bleibt Risiko für Haushalte und Politik
Hohe Lebenshaltungskosten und Energiepreise bleiben ein Belastungsfaktor für Haushalte, Unternehmen und Regierungen. In Frankreich haben Proteste gegen teure Alltagskosten, soziale Ungleichheit und Kürzungen den Druck auf Präsident Emmanuel Macron erhöht. In Sachsen-Anhalt zeigen vorläufige Berechnungen des Vergleichsportals Verivox zugleich, dass die Netzentgelte für Strom und Gas 2027 leicht steigen.
Proteste wegen hoher Kosten
In Frankreich kam es nach landesweiten Demonstrationen zu schweren Ausschreitungen. Präsident Macron berief eine Krisensitzung mit Premierminister Sébastien Lecornu und zuständigen Mitgliedern der Regierung ein. Anschließend wandte er sich in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. Die Gewalt sei nicht zu rechtfertigen, sagte Macron. Er sprach von „ungezügelter Gewalt“.
Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden rund 2.000 Menschen festgenommen. Etwa 600 Polizeibeamte und Feuerwehrleute wurden verletzt. In Paris starb ein Demonstrant nach einem Herzstillstand. Ermittlungen sollen klären, wer für Gewalt, Sachbeschädigungen und Plünderungen verantwortlich ist.
Zu den Protesten hatten verschiedene Organisationen aufgerufen. Im Mittelpunkt standen hohe Lebenshaltungskosten, soziale Ungleichheit und geplante Einsparungen im öffentlichen Bereich. Genannt wurden unter anderem Spritpreise, niedrige Löhne sowie Probleme in Landwirtschaft und Feuerwehr. Auch Schülerinnen, Schüler und Studierende demonstrierten in den vergangenen Wochen für bessere Lernbedingungen, mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung.
Hohe Teilnehmerzahlen, große Schäden
Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird unterschiedlich angegeben. Behörden sprechen von etwa 550.000 Menschen, die Organisatoren von 800.000. In mehreren Städten wurden Plünderungen und erhebliche Sachschäden gemeldet, darunter in Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Rennes, Straßburg, Grenoble und Nizza. In Limoges wurde das denkmalgeschützte Rathaus durch ein Feuer teilweise zerstört.
Die Regierung macht vor allem gewaltbereite linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich. Premier Lecornu sprach zudem von Kriminellen, die plündern und zerstören wollten. Aus Paris und Marseille kam zugleich Kritik am Polizeieinsatz. Verantwortliche in den Städten warfen den Einsatzleitungen vor, das Ausmaß der Lage unterschätzt zu haben.
Der politische Hintergrund verschärft die Lage. Die Regierung will einen Sparhaushalt durchs Parlament bringen. Dieser sieht auch Kürzungen im Bildungsbereich vor. Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl wächst damit der Druck auf Macron und sein Kabinett. Macron selbst tritt nicht erneut an.
Netzentgelte steigen leicht
Auch in Deutschland bleibt Energie ein Kostenthema. In Sachsen-Anhalt sollen die Gebühren für die Nutzung der Strom- und Gasnetze 2027 nur geringfügig steigen. Bei einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr ergibt sich nach vorläufigen Verivox-Berechnungen ein Plus von rund 67 Cent. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Gasverbrauch liegt der Anstieg bei etwa 5,40 Euro.
Die Stromnetzentgelte in Sachsen-Anhalt betragen demnach 2027 knapp 397 Euro brutto pro Jahr. Im Jahr 2026 lagen sie bei rund 396 Euro. Damit bleibt Sachsen-Anhalt beim Strom unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 436 Euro. Anders sieht es beim Gas aus: Die jährlichen Gasnetzentgelte liegen im kommenden Jahr bei etwa 724 Euro brutto und damit über dem Bundesschnitt von rund 642 Euro.
Netzentgelte werden für die Nutzung von Leitungen erhoben. Sie finanzieren unter anderem Betrieb, Wartung und Ausbau der Netze. Für Verbraucherinnen und Verbraucher sind sie ein Bestandteil des Energiepreises. Hinzu kommen Beschaffungskosten, Steuern und Abgaben. Ob und in welchem Umfang Versorger Änderungen weitergeben, entscheidet jedes Unternehmen selbst.
Kostendruck bleibt politisch sensibel
Die Entwicklungen zeigen, wie stark Preisfragen inzwischen in politische Debatten hineinwirken. In Frankreich entzündet sich der Unmut an Alltagskosten und Sparplänen. In Deutschland bleiben Energiepreise auch dann relevant, wenn einzelne Preisbestandteile nur moderat steigen.
Für Haushalte zählt am Ende die Gesamtbelastung. Selbst kleine Aufschläge können stärker ins Gewicht fallen, wenn zugleich andere Ausgaben hoch bleiben. Für Regierungen und Unternehmen bleibt damit die Aufgabe, Kostensteigerungen einzuordnen, Investitionen zu finanzieren und soziale Härten zu begrenzen.