Wirtschaft · KI an der Börse
KI-Kosten erschüttern US-Techbörsen
Die Sorge vor immer höheren Ausgaben für Künstliche Intelligenz hat am Donnerstag die US-Technologiewerte belastet. Die Alphabet-Aktie verlor etwa 12,5 bis fast 13 Prozent, der Börsenwert sank um rund 460 Milliarden Dollar bis etwa eine halbe Billion Dollar. Auch Amazon geriet nachbörslich unter Druck, obwohl das Cloudgeschäft stark wuchs.
Alphabet verliert historisch stark
Der Kursrutsch bei der Google-Mutter zählt zu den schwersten Handelstagen in der Unternehmensgeschichte. Das Minus übertraf frühere Schocks rund um die Finanzkrise und die Pandemie. Der Verkauf traf nicht nur Alphabet selbst, sondern zog auch die großen US-Indizes nach unten.
Der Dow Jones beendete den Handel 0,2 Prozent niedriger bei 52.342 Punkten. Der S&P 500 gab 0,3 Prozent auf 7.720 Punkte ab. Am deutlichsten fiel der Rückgang an der Technologiebörse Nasdaq aus, wo der Index 1,4 Prozent auf 26.184 Punkte verlor.
Auslöser waren die Zahlen für das dritte Quartal 2026. Alphabet meldete zwar kräftiges Wachstum in Teilen des Geschäfts. Der Umsatz lag im Jahresvergleich deutlich höher, auch der Betriebsgewinn stieg nach Unternehmensangaben. Gleichzeitig fiel der Nettogewinn um nahezu ein Viertel. Der operative Mittelzufluss sank auf 42,3 Milliarden Dollar.
Rechenzentren verschlingen Milliarden
Besonders stark richten sich die Blicke auf die Investitionen in Infrastruktur für KI-Anwendungen. Alphabet gab im dritten Quartal 51,3 Milliarden Dollar für Anlagegüter aus. Das war mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum und rund neun Milliarden Dollar mehr als der operative Cashflow.
Damit blieb der freie Cashflow erneut negativ. Es war bereits das zweite Quartal in Folge mit einem Minus, und die Entwicklung verschärfte sich. Im Markt wächst damit die Frage, wie lange sich hohe Investitionen, neue Schulden und zusätzliche Aktienausgaben rechtfertigen lassen.
Alphabet nahm allein im dritten Quartal 29 Milliarden Dollar an neuen Schulden auf. Zusätzlich brachte die Ausgabe neuer Aktien netto 12,4 Milliarden Dollar ein. Bereits im Juni hatten frische Aktien rund 40 Milliarden Dollar geliefert. Für die weitere Finanzierung sind weitere Aktienemissionen vorgesehen, die 27,6 Milliarden Dollar einbringen sollen.
Auch die Zinslast steigt. Im dritten Quartal 2025 lagen die Zinszahlungen noch bei 143 Millionen Dollar. Ein Jahr später waren sie fast siebenmal so hoch. Hinzu kamen Verluste auf gehaltene Aktien und Anleihen. Der Wert dieser Positionen sank im Quartal um mehr als neun Milliarden Dollar.
Amazon zeigt das gleiche Spannungsfeld
Der Druck auf Techwerte beschränkte sich nicht auf Alphabet. Amazon verlor nachbörslich zeitweise mehr als acht Prozent. Der Konzern legte zwar beim Umsatz zu, enttäuschte aber mit seiner Prognose für das Weihnachtsquartal und mit einem kaum wachsenden Onlinehandel.
Der Umsatz stieg im dritten Quartal um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar. Damit blieb Amazon knapp unter den Markterwartungen. Der Nettogewinn sank um gut zwei Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar. Je Aktie verdiente der Konzern 1,89 Dollar, erwartet worden waren 1,96 Dollar.
Operativ schnitt Amazon deutlich stärker ab. Das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft legte um 61 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar zu. Der wichtigste Wachstumstreiber war erneut Amazon Web Services. Die Cloudsparte steigerte ihren Umsatz um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar. Ihr operatives Ergebnis kletterte um 56 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar.
Gerade diese Stärke zeigt das Dilemma der Branche. Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach Rechenleistung und Cloudkapazitäten. Gleichzeitig zwingt er die großen Plattformkonzerne zu Rekordinvestitionen in Rechenzentren, Chips, Stromversorgung und langfristige Infrastruktur.
Gute Konjunkturdaten helfen kaum
Die breitere Wirtschaftslage in den USA wirkte robuster als die Stimmung an den Techbörsen. Die Konsumausgaben stiegen im September um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 3,4 Prozent.
Der von der US-Notenbank stark beachtete PCE-Preisindex entwickelte sich im September wie erwartet. An den Finanzmärkten wird dennoch mit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember gerechnet. Nach der ersten Anhebung seit rund drei Jahren im September wäre das der nächste Schritt.
Für Technologiekonzerne verschärft ein höheres Zinsniveau die Debatte über den KI-Ausbau. Je teurer Fremdkapital wird, desto stärker achten Anlegerinnen und Anleger darauf, wann die Investitionen Erträge liefern. Der KI-Boom bleibt damit intakt, doch die Geduld des Marktes wird geringer.