Wirtschaft · Druck auf Techwerte
KI-Kosten belasten US-Börsen und Dax
Die Sorge vor immer teureren KI-Projekten belastet am Freitag die Aktienmärkte in den USA und in Deutschland. An der Wall Street geben die großen Indizes nach, zugleich rutscht der Dax am Nachmittag in Richtung 25.000 Punkte. Im Zentrum steht die Frage, ob die massiven Investitionen der Technologiekonzerne schnell genug zu höheren Gewinnen führen. Gute Quartalszahlen reichen Anlegerinnen und Anlegern derzeit nicht mehr aus, wenn zugleich neue Milliardenbeträge für Rechenzentren, Chips und weitere KI-Infrastruktur angekündigt werden.
Wall Street unter Druck
Der Dow Jones liegt am Freitag zeitweise rund 1,5 Prozent im Minus bei 52.096 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verliert 0,6 Prozent auf 7.615 Punkte. Die technologielastige Nasdaq gibt um 0,4 Prozent auf 25.934 Zähler nach. Der Nasdaq 100 startet nahezu unverändert in den Handel, bleibt aber nach den Verlusten der Vortage im Fokus.
Die Schwankungsanfälligkeit ist erhöht, aber nicht außergewöhnlich. Der Volatilitätsindex des Nasdaq 100 steht bei 29 Punkten. Der Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate liegt nach Einordnung von Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Markets, bei 24 Punkten. Im April 2025 hatte das Barometer knapp 40 Punkte erreicht. Von Panik ist der Markt damit entfernt, die Nervosität ist aber klar sichtbar.
Auslöser der neuen Vorsicht sind nicht in erster Linie aktuelle Gewinne. Mehrere große Technologiekonzerne konnten zuletzt solide oder starke Quartalsberichte vorlegen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Unternehmen zugleich höhere Ausgaben für Künstliche Intelligenz ankündigen. Anlegerinnen und Anleger bewerten deshalb stärker, ob die erwarteten Erträge die hohen Kosten rechtfertigen.
Meta wird zum Warnsignal
Besonders deutlich zeigt sich die Neubewertung bei Meta. Die Aktie des Konzerns verlor am Donnerstag rund sieben Prozent, nachdem die Ausgabenpläne für KI erneut in den Mittelpunkt gerückt waren. Im laufenden Jahr will Meta mindestens 135 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken; die Angaben zu den geplanten Investitionen reichen bis 145 Milliarden Dollar. Finanziert werden die Ausgaben bisher vor allem durch das starke Werbegeschäft.
Die operativen Zahlen fielen dennoch kräftig aus. Im vergangenen Quartal steigerte Meta den Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf fast 65 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag bei nahezu zehn Milliarden Dollar, nach 2,7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Trotzdem überwog am Markt die Sorge, dass sich die steigenden Investitionen erst spät oder nicht ausreichend auszahlen.
Auch Chipwerte gerieten unter Druck. Nvidia verlor mehr als vier Prozent, Micron mehr als sechs Prozent, Broadcom etwa vier Prozent. Halbleiterunternehmen gelten als zentrale Gewinner des KI-Booms, weil Rechenzentren enorme Mengen leistungsfähiger Chips benötigen. Gerade deshalb reagieren ihre Aktien empfindlich, wenn Zweifel an der Dauer und Profitabilität des Booms wachsen.
Brendon Dashiell, Portfoliomanager bei Bogart Wealth, spricht von einer „gesunden Skepsis gegenüber KI“. Santiago Mateo von CaixaBank AM sieht steigende Anforderungen an den Nachweis, dass KI-Ausgaben zu Wachstum, besserer Monetarisierung und am Ende auch zu höheren Gewinnen führen.
Dax nähert sich 25.000 Punkten
Die Schwäche der US-Technologiewerte erreicht auch den deutschen Markt. Der Dax liegt am Freitagnachmittag 1,3 Prozent tiefer bei 25.036 Punkten. Damit rückt die Marke von 25.000 Punkten näher, die der Leitindex zuletzt Anfang Oktober unterschritten hatte. Bereits am Donnerstag hatte der Dax 1,1 Prozent niedriger bei 25.371 Punkten geschlossen.
Neben den Vorgaben aus den USA belasten ein neuer Ölpreisanstieg und die Lage am französischen Anleihemarkt. Die Ratingagentur Moody’s überprüft die Kreditwürdigkeit Frankreichs. Eine Herabstufung könnte die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen erhöhen und damit auch den Euro sowie europäische Banken unter Druck setzen.
Am deutschen Aktienmarkt gibt es zugleich Einzelthemen. Volkswagen und die IG Metall kommen in Hannover zusammen, um den Zukunftstarifvertrag von 2024 erneut zu überprüfen. Bei Qiagen haben Vorstand und Aufsichtsrat einem Übernahmeangebot der schwedischen Beteiligungsgesellschaft EQT zugestimmt. Der Laborausrüster könnte im Verlauf des Jahres 2027 von der Börse genommen werden, sofern die weiteren Schritte beschlossen werden.
Neue Maßstäbe für den KI-Boom
Die Kursverluste zeigen eine Verschiebung in der Bewertung von Künstlicher Intelligenz. Lange standen Wachstumsfantasien und neue technische Möglichkeiten im Vordergrund. Nun verlangen Investoren stärker belastbare Ergebnisse. Entscheidend ist nicht mehr allein, wer am meisten investiert, sondern wer daraus planbare Erträge erzielt.
Für die Technologiekonzerne erhöht das den Druck. Sie müssen gleichzeitig Rechenkapazitäten ausbauen, im Wettbewerb um KI-Modelle bestehen und ihren Aktionärinnen und Aktionären erklären, wann die Milliardenprogramme die Gewinnrechnung verbessern. Solange diese Antwort offen bleibt, dürften selbst gute Quartalszahlen nicht ausreichen, um die Nervosität an den Märkten zu beenden.