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KI-Geschäft stützt Techriesen, Prognosen belasten Aktien
Der Boom rund um künstliche Intelligenz treibt weiter die Umsätze in Rechenzentren und Cloud-Diensten. An den Börsen reicht das derzeit aber nicht aus: Intel sackt nach einer schwachen Prognose im späten US-Handel um fast 20 Prozent ab, Amazon verliert zeitweise mehr als sechs Prozent. Bereits zuvor war Alphabet deutlich unter Druck geraten; der Börsenwert des Google-Mutterkonzerns schrumpfte am Donnerstag um nahezu 500 Milliarden Dollar.
Intel enttäuscht mit Ausblick
Intel meldet für das dritte Quartal zwar ein Umsatzplus von 21 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar. Damit liegt der Halbleiterkonzern leicht über den Erwartungen am Markt. Der Nettogewinn sinkt jedoch um 18 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Beim Gewinn je Aktie schneidet Intel besser ab als von Analystinnen und Analysten erwartet.
Der Rückschlag entsteht vor allem durch den Ausblick auf das laufende Schlussquartal. Intel stellt Erlöse zwischen 15,0 und 16,0 Milliarden Dollar in Aussicht. Das entspräche einem Zuwachs von fünf bis zwölf Prozent. Erwartet worden waren jedoch mehr als 17 Milliarden Dollar. Die Aktie reagiert entsprechend heftig und verliert nach Börsenschluss fast ein Fünftel ihres Werts.
Dabei läuft ein zentraler Zukunftsbereich stark. In der Sparte mit Chips für Rechenzentren steigt der Umsatz um 78 Prozent. Intel profitiert dort vom Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Zwar dominiert Nvidia weiter den Markt für Grafikprozessoren, die für KI-Anwendungen besonders wichtig sind. Klassische Prozessoren, wie Intel sie herstellt, spielen in KI-Rechenzentren aber ebenfalls eine größere Rolle.
Belastend wirkt dagegen das Geschäft mit Chips für Personalcomputer. Der Umsatz in diesem Bereich fällt um fünf Prozent. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner geht der weltweite PC-Absatz im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um mehr als 22 Prozent zurück. Intel-Finanzvorstand David Zinsner rechnet damit, dass die Schwäche mindestens bis zum Ende des ersten Halbjahres 2027 anhält.
Amazon wächst stark in der Cloud
Auch bei Amazon zeigt sich ein ähnliches Bild: Das KI-nahe Cloud-Geschäft wächst kräftig, zugleich enttäuscht der Ausblick auf das Handelsgeschäft im Weihnachtsquartal. Der Konzernumsatz steigt im dritten Quartal um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn sinkt leicht auf 20,7 Milliarden Dollar. Amazon verweist dabei auf einen Sondereffekt im Vorjahr, als Bewertungsgewinne aus der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic das Ergebnis erhöht hatten.
Die Cloud-Sparte AWS legt deutlich zu. Der Umsatz steigt um 39 Prozent auf 46,0 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis des Bereichs erreicht 17,8 Milliarden Dollar und liegt damit 55 Prozent über dem Vorjahreswert. AWS trägt damit einen großen Teil zur Profitabilität des Konzerns bei.
Amazon investiert zugleich massiv in Rechenzentren und Technik. Für das laufende Jahr sind Kapitalausgaben von 220 Milliarden Dollar vorgesehen. Vorstandschef Andy Jassy zeigt sich für die Cloud-Sparte optimistisch und stellt für 2027 sowie 2028 jeweils ein Umsatzwachstum von mehr als 40 Prozent in Aussicht.
Alphabet zieht Indizes nach unten
Der Druck auf Technologiewerte hatte bereits zuvor die großen US-Indizes belastet. Alphabet erlebt am Donnerstag den schwächsten Börsentag seit der Erstnotierung des Konzerns. Die Aktie fällt bis Handelsschluss um 12,64 Prozent. Der Marktwert sinkt auf 3,47 Billionen Dollar, der Tagesverlust liegt bei fast 500 Milliarden Dollar.
Auch der Gesamtmarkt gibt nach. Der Dow Jones beendet den Handel 0,3 Prozent tiefer bei 52.343 Punkten. Der S&P 500 verliert ebenfalls 0,3 Prozent und schließt bei 7.721 Zählern. Die technologielastige Nasdaq fällt um 1,4 Prozent auf 26.185 Punkte. Der Nasdaq 100 gibt ebenfalls 1,4 Prozent ab und steht zum Schluss bei 29.403 Punkten.
Hohe Erwartungen an KI-Konzerne
Die Zahlen zeigen, wie stark künstliche Intelligenz inzwischen die Bewertung großer Technologiekonzerne prägt. Cloud-Plattformen, Rechenzentren und Halbleiter für Server bleiben Wachstumstreiber. Gleichzeitig reagieren Anlegerinnen und Anleger empfindlich, wenn Prognosen die hohen Erwartungen nicht erfüllen oder klassische Geschäftsbereiche schwächeln.
Intel hatte sich zuletzt von früheren Problemen erholt. Die Aktie war deutlich gestiegen, nachdem sie im vergangenen Jahr zeitweise unter 20 Dollar gelegen hatte. Vor den neuen Zahlen notierte sie bei mehr als 92 Dollar. Auch der Einstieg der US-Regierung mit einem Anteil von zehn Prozent hatte den Konzern zeitweise gestützt. Die jüngsten Kursreaktionen zeigen jedoch, dass der KI-Boom allein keine Garantie für steigende Bewertungen ist.