Wirtschaft · KI und Märkte
KI-Ausbau beflügelt Samsung und Microsoft
Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren prägt weiter die Geschäftszahlen großer Technologiekonzerne. Samsung Electronics meldet für das dritte Quartal ein Rekordergebnis im operativen Geschäft von 107,4 Billionen Won, umgerechnet rund 72 Milliarden Euro. Microsoft übertraf zum Start seines neuen Geschäftsjahres die Erwartungen und verdiente im abgelaufenen Quartal 36,6 Milliarden Dollar. An den Börsen fielen die Reaktionen dennoch unterschiedlich aus.
Speicherchips bleiben knapp
Samsung profitiert besonders von der Nachfrage nach Halbleitern, die für KI-Systeme benötigt werden. Der operative Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal fast auf das Neunfache. Der Umsatz erreichte im dritten Quartal etwas mehr als 131 Milliarden Euro. Zusätzlich stellte der südkoreanische Konzern eine Dividende von insgesamt rund 20 Milliarden Euro in Aussicht.
Trotz dieser Zahlen gaben Samsung-Papiere nach der Veröffentlichung zunächst um mehr als vier Prozent nach. Die Ergebnisse reichten damit offenbar nicht aus, um die sehr hohen Erwartungen am Markt vollständig zu erfüllen. Der Konzern zählt zu den wichtigsten Anbietern von Speicherchips und ist besonders stark von der Investitionswelle in Rechenzentren abhängig.
Samsung erwartet, dass die Nachfrage nach Halbleitern auch 2027 deutlich über dem verfügbaren Angebot liegen wird. Die knappen Kapazitäten wirken sich bereits auf die Preise aus. Besonders gesucht sind schnelle HBM-Speicher, also High Bandwidth Memory. Diese Bausteine werden in KI-Servern eingesetzt, weil sie große Datenmengen sehr schnell bereitstellen können.
Microsoft wächst mit Azure
Auch Microsoft zeigt, wie stark KI und Cloud-Dienste die großen Technologiewerte antreiben. Der Konzern startete am 1. Juli in sein neues Geschäftsjahr und erzielte im ersten Quartal Erlöse von 92,3 Milliarden Dollar. Das entspricht 82,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte damit um fast ein Fünftel zu. Ein zentraler Treiber war erneut die Cloud-Plattform Azure.
Der Nettogewinn stieg von 27,7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf 36,6 Milliarden Dollar. Umsatz und Ergebnis lagen über den durchschnittlichen Erwartungen von Analystinnen und Analysten. Positiv wirkte zudem, dass die Investitionen zuletzt nicht ganz so hoch ausfielen, wie zuvor befürchtet.
Nachbörslich reagierten Anlegerinnen und Anleger deutlich freundlicher als bei Samsung. Die Microsoft-Aktie legte rund 45 Minuten nach Bekanntgabe der Zahlen um etwa vier Prozent auf 552 Dollar zu. Zwischenzeitlich wurde ein Kurs von mehr als 560 Dollar erreicht. Damit rückte das bisherige Rekordhoch von etwas über 555 Dollar aus dem Sommer 2025 wieder in Reichweite. Der Börsenwert des Konzerns liegt derzeit bei rund vier Billionen Dollar.
Investitionswelle hält an
Microsoft will seine Ausgaben trotz der hohen Summen weiter ausweiten. Für das kommende Quartal sind Investitionen von mehr als 50 Milliarden Dollar geplant. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 nennt der Konzern sogar 170 Milliarden Dollar. Das Geld fließt vor allem in Rechenzentren und die dafür benötigten Chips.
Finanzchefin Amy Hood begründete die Pläne mit weiterem Kapazitätsmangel. „Die Nachfrage übersteigt nach wie vor das Angebot“, sagte sie. Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres erwartet Microsoft demnach zusätzliche Investitionen, vor allem in fortgeschrittene Prozessoren und Grafikchips.
Der Markt bewertet die KI-Ausgaben derzeit danach, ob sie sich bereits in steigenden Umsätzen und Gewinnen niederschlagen. Microsoft liefert dafür ein positives Beispiel: Hohe Investitionen gehen dort bislang mit kräftigem Wachstum und steigenden Gewinnen einher. Bei Samsung zeigt sich dagegen, dass selbst Rekordzahlen nicht automatisch für Kursgewinne reichen, wenn Anlegerinnen und Anleger noch mehr erwarten.
KI als Treiber der Hardwaremärkte
Der Hintergrund ist der enorme Bedarf an Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Betreiber von Cloud-Diensten und KI-Plattformen bauen weltweit Rechenzentren aus. Dafür werden Server, Netzwerktechnik, Prozessoren, Grafikchips und Speicher in großen Mengen benötigt. Davon profitieren Halbleiterhersteller ebenso wie Cloud-Konzerne.
Gleichzeitig entstehen Engpässe entlang der Lieferketten. Wenn Spezialchips und schnelle Speicher knapp sind, steigen Preise und Lieferzeiten. Für Unternehmen wie Samsung kann das kurzfristig hohe Gewinne bedeuten. Für Cloud-Anbieter wie Microsoft erhöht es den Druck, frühzeitig Kapazitäten zu sichern. Der KI-Boom bleibt damit ein zentraler Faktor für Unternehmensgewinne, Investitionen und Börsenbewertungen.