Wirtschaft · Metall-Tarifrunde
IG Metall weist Angebot zurück und droht mit Warnstreiks
Die IG Metall hat das erste Angebot der Arbeitgeber in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie zurückgewiesen. Für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten verlangt die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Arbeitgeber bieten deutlich weniger und wollen den Abschluss bis Ende 2028 festschreiben. Nach dem Auslaufen der Friedenspflicht am 31. Oktober können ab Sonntag Warnstreiks beginnen.
Angebot bleibt weit unter Forderung
Der Arbeitgebervorschlag sieht nach Angaben des Dachverbands Gesamtmetall zunächst keine unmittelbare Tabellenerhöhung vor. Im Juli 2027 soll eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts folgen. Ein Jahr später, im Juli 2028, ist eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent vorgesehen. In Baden-Württemberg entspräche die Einmalzahlung im Durchschnitt etwa 700 Euro.
Die Laufzeit soll bis Ende 2028 reichen. Damit läge der Abschluss nach Darstellung der Gewerkschaft deutlich unter dem, was sie angesichts gestiegener Preise und unsicherer Perspektiven in den Betrieben für notwendig hält. In Baden-Württemberg fordert die IG Metall für etwa 900.000 Beschäftigte im Südwesten ebenfalls fünf Prozent mehr Geld.
Die Gewerkschaft kritisiert zudem, dass die Einmalzahlung nicht in jedem Fall fließen soll. Unternehmen mit schwacher wirtschaftlicher Lage sollen sie nach dem Arbeitgebermodell verschieben oder aussetzen können. In Baden-Württemberg wären nach Angaben von Südwestmetall viele Betriebe von einer solchen Ausnahmeregel erfasst.
Gewerkschaft bereitet Aktionen vor
In mehreren Tarifgebieten gingen die zweiten Verhandlungsrunden ohne Annäherung zu Ende. Die Arbeitgeber legten ihr Angebot zunächst in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Norden vor. Weitere Regionen sollen folgen. Am Mittwoch stehen Verhandlungen in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen an, danach sind weitere Tarifgebiete vorgesehen.
IG-Metall-Bezirksleiterinnen und Bezirksleiter reagierten ablehnend. Barbara Resch, Bezirksleiterin in Baden-Württemberg, bezeichnete das Angebot als inakzeptabel und warnte, es sichere weder Kaufkraft noch Zukunft der Standorte. Niedersachsens Bezirksleiter Thorsten Gröger sprach von einem Angriff auf die Leistung der Belegschaften. Knut Giesler, Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, fasste seine Kritik mit den Worten „zu spät, zu niedrig“ zusammen.
In Nordrhein-Westfalen soll die Tarifkommission am Samstag über das weitere Vorgehen beraten. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wertete die IG Metall Warnstreiks ab dem 1. November bereits als unausweichlich. Vor Verhandlungen in Bayern demonstrierten in Coburg 3.200 Beschäftigte für die Forderungen der Gewerkschaft. Auch in anderen Tarifgebieten gab es Proteste vor den Verhandlungsorten.
Arbeitgeber verweisen auf Krise
Die Arbeitgeber begründen ihre zurückhaltende Linie mit der schwierigen Lage der Branche. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter sprach von der schwersten strukturellen Krise der Metall- und Elektroindustrie seit Bestehen der Bundesrepublik. Es gehe darum, Deindustrialisierung und Arbeitsplatzverluste zu stoppen. Nach Angaben des Verbands ist die Zahl der Beschäftigten seit 2018 um 350.000 gesunken, die Produktion um rund 15 Prozent.
Neben den Entgeltpunkten verlangen die Arbeitgeber größere Spielräume für wirtschaftlich angeschlagene Betriebe. Sonderzahlungen sollen in solchen Fällen leichter gekürzt, verschoben oder gestrichen werden können. Zudem fordern sie Gespräche über hohe Krankenstände und einen schnelleren Einsatz künstlicher Intelligenz. Ein weiteres Instrument soll betriebliche Vereinbarungen ermöglichen, wenn Investitionen, Innovationen, Standorte oder Beschäftigung gesichert werden sollen.
Die IG Metall sieht darin die Gefahr, dass der Flächentarifvertrag geschwächt wird. Sie verlangt neben höheren Entgelten auch Vereinbarungen zur Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen. Für besonders ertragsstarke Unternehmen will sie eine zusätzliche Beteiligung der Beschäftigten an Gewinnen erreichen.
Industrie mit großer Bedeutung
Die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie gelten für zentrale Bereiche der deutschen Wirtschaft. Dazu zählen unter anderem Autoindustrie, Maschinenbau, Schiffbau, Raumfahrt und Medizintechnik. Entsprechend groß ist die Wirkung der Tarifrunde über die einzelnen Betriebe hinaus.
Mit dem Ende der Friedenspflicht beginnt nun die Phase, in der die Gewerkschaft mit befristeten Arbeitsniederlegungen Druck machen kann. Ob die Auseinandersetzung rasch beigelegt wird, hängt von neuen Bewegungen am Verhandlungstisch ab. Die Positionen liegen bislang weit auseinander: Die IG Metall verlangt einen spürbaren Einkommenszuwachs binnen eines Jahres, die Arbeitgeber setzen auf einen langen Abschluss mit Ausnahmen für Betriebe in Schwierigkeiten.