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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Volkswagen unter Druck

IG Metall erhöht Druck im VW-Tarifstreit

Bei Volkswagen verschärft sich der Streit um den Sparkurs. IG Metall verlangt die Rücknahme gekündigter Tarifverträge und bereitet mögliche Arbeitskämpfe vor.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine leere Autofabrik steht für den wachsenden Druck auf Beschäftigte und Standorte in der Branche.
Symbolbild: Eine leere Autofabrik steht für den wachsenden Druck auf Beschäftigte und Standorte in der Branche. KI-generiert

Bei Volkswagen spitzt sich der Konflikt um Einsparungen, Jobs und Standorte zu. Am Freitag kamen in Hannover Vertreterinnen und Vertreter von Management, Betriebsrat und IG Metall zu einem weiteren Überprüfungsgespräch zusammen. Die Gewerkschaft verlangt vom Konzern, die Kündigung von zehn Haustarifverträgen bis Ende Oktober zurückzunehmen. Andernfalls will sie Vorbereitungen für Arbeitskampfmaßnahmen treffen. Hintergrund sind neue Sparpläne, die zusätzlich 50.000 Stellen betreffen können, sowie offene Zusagen für deutsche Werke.

Streit um Tarifverträge und Standorte

Das Treffen in Hannover ist Teil eines Verfahrens zur Überprüfung des Zukunftstarifvertrags von 2024. Die Arbeitnehmerseite hatte die Gespräche verlangt, nachdem der Aufsichtsrat Anfang September einen neuen Zukunftsplan beschlossen hatte. Auch das Management will darlegen, warum frühere Sparvereinbarungen aus Konzernsicht nicht mehr ausreichen.

Der Abschluss von 2024 sollte den deutschen Standorten Sicherheit geben. Damals wurden betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen ausgeschlossen. Außerdem waren Investitionen und neue Modelle für deutsche Werke vorgesehen. Im Gegenzug nahmen die Beschäftigten Einschnitte hin. Dazu gehörten niedrigere Bonus- und Zulagenzahlungen, ausgesetzte Entgeltsteigerungen und der Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen.

Nun stellt sich die Frage, wie belastbar diese Zusagen noch sind. Bereits beim ersten Überprüfungsgespräch Ende September hatte Volkswagen Zweifel an einzelnen vereinbarten Investitionen erkennen lassen. Gleichzeitig kündigte der Konzern mehrere Haustarifverträge vollständig oder teilweise zum 31. Dezember 2026. Betroffen sind Regelungen für rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland.

Gewerkschaft setzt Frist bis Monatsende

Die IG Metall sieht in den Kündigungen eine deutliche Eskalation. Verhandlungsführer Thorsten Gröger sagte am Freitag in Hannover, die Gewerkschaft suche nicht den Konflikt, sei aber „vorbereitet“. Der Konzern solle die Kündigungen bis Ende Oktober zurücknehmen. Bleibe Volkswagen dabei, würden in den kommenden Wochen die Belegschaften stärker eingebunden und mögliche Schritte vorbereitet.

Gröger verwies auf das Ende der Friedenspflicht am 31. Dezember. Danach wären Ausstände möglich. Als denkbare Vorbereitungen nannte er organisatorische Schritte für 24-Stunden-Warnstreiks oder eine Urabstimmung. Auch die gewerkschaftlichen Vertrauensleute sollen sich mit den rechtlichen Voraussetzungen befassen. Konkrete Details zu Ablauf und Strategie nannte er nicht.

Zugleich dringt die Gewerkschaft auf einen Beginn der Tarifverhandlungen am 24. November. Nach der bestehenden Schieds- und Schlichtungsvereinbarung müssen die Gespräche spätestens am 3. Dezember starten. Eine Einigung auf den früheren Termin ist bislang nicht bekannt. Neben den gekündigten Verträgen steht auch die reguläre Entgeltrunde im Raum. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld.

Konzern will Profitabilität steigern

Volkswagen begründet den Kurs mit einem schwieriger gewordenen Marktumfeld und hohem Kostendruck. Der Konzern will seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und bis 2030 deutlich profitabler werden. Ziel ist eine operative Rendite von neun Prozent. Zuletzt blieben von 100 Euro Umsatz operativ 3,80 Euro Gewinn.

Der Zukunftsplan 2030 gibt dem Vorstand ein Mandat für tiefgreifende Umbauten. Weltweit sollen in den kommenden Jahren zusätzlich 50.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Marken sollen die Einsparungen jeweils konkret ausarbeiten. Rund die Hälfte des Abbaus könnte Deutschland betreffen.

Offen ist zudem die langfristige Perspektive mehrerer Standorte. Genannt werden Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Für sie ist die Auslastung über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus nicht gesichert. Damit geht es nicht nur um Tarifregeln, sondern auch um Investitionen, Produkte und Beschäftigung an zentralen deutschen Standorten.

Hohe Belastung für die Belegschaft

Die gekündigten Tarifverträge betreffen unter anderem den Manteltarifvertrag, der Fragen wie Arbeitszeit und Urlaub regelt. Weitere Vereinbarungen umfassen etwa Eingruppierungen und Zulagen. Nicht jede Regelung entfällt automatisch sofort, dennoch öffnet die Kündigung aus Sicht des Konzerns den Raum für Neuverhandlungen.

Für Volkswagen bündelt sich damit eine Reihe von Konflikten. Der Konzern will Kosten senken, seine Renditeziele erreichen und auf stärkere Konkurrenz reagieren. Die Arbeitnehmerseite fordert dagegen Verlässlichkeit für Standorte und Beschäftigte. Weil Sparplan, Tarifkündigungen, Entgeltrunde und Werkszukunft ineinandergreifen, dürfte die Auseinandersetzung bis zum Jahreswechsel an Schärfe gewinnen.