Wirtschaft · Künstliche Intelligenz
Hohe KI-Kosten drücken US-Techwerte
Die hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz belasten die Stimmung an den US-Börsen. Nach einer Erholung am Vortag gaben vor allem Technologiewerte deutlich nach. Der Nasdaq Composite verlor 2,6 Prozent und schloss bei 26.008,86 Punkten. Für den Index war es der stärkste Tagesrückgang seit Juni. Der breiter gefasste S&P 500 fiel um 1,21 Prozent auf 7.663,43 Punkte. Der Dow Jones Industrial Average hielt sich dagegen knapp im Plus und beendete den Handel bei 52.867,98 Punkten.
Zweifel an der KI-Rechnung
Im Mittelpunkt der Verkäufe standen erneut Unternehmen, die stark vom Boom rund um künstliche Intelligenz profitieren oder hohe Mittel in entsprechende Infrastruktur stecken. Bei Anlegerinnen und Anlegern wächst die Sorge, dass das Wettrennen um Rechenzentren, Chips und Cloud-Kapazitäten die Gewinne der Konzerne länger belasten könnte als bislang angenommen.
Besonders stark traf es Meta Platforms. Die Aktie verlor 7 Prozent, nachdem der Konzern zusätzliche künftige Ausgabenverpflichtungen in Milliardenhöhe genannt hatte. Zugleich blieb der Gewinn hinter den Erwartungen des Marktes zurück, obwohl der Umsatz kräftig zulegte. Die Entwicklung verstärkte die Frage, wie teuer der Ausbau der KI-Geschäfte für die großen Plattformunternehmen wird.
Auch andere Titel aus dem Technologie- und Halbleiterumfeld gerieten unter Druck. Nvidia und CoreWeave gaben nach. Der PHLX Semiconductor Sector Index, der wichtige Chipwerte bündelt, brach um 6,7 Prozent ein. Damit zeigte sich, dass die Unsicherheit nicht nur einzelne Konzerne betrifft, sondern weite Teile der KI-Lieferkette erfasst.
Kapitalbedarf bleibt hoch
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Branche durch Aussagen von Nvidia-Chef Jensen Huang. Er verwies darauf, dass der Sektor mehr Kapital benötige, um das Wachstum sogenannter Neoclouds zu finanzieren. Gemeint sind Anbieter, die digitale Infrastruktur für große KI-Kunden bereitstellen, darunter Konzerne wie Meta und Amazon.
Diese Einschätzung passt zur aktuellen Debatte über die Finanzierung des KI-Booms. Der Ausbau neuer Rechenzentren, die Beschaffung leistungsfähiger Chips und der Betrieb großer Modelle erfordern enorme Summen. Für Unternehmen kann das kurzfristig höhere Abschreibungen, steigende laufende Kosten und stärkeren Druck auf Margen bedeuten. An der Börse steigt damit die Messlatte: Investitionen in KI werden zwar als Zukunftschance gesehen, müssen aber zunehmend mit belastbaren Erträgen begründet werden.
Der Kursrutsch folgte auf eine Phase, in der viele Techwerte stark gestiegen waren. Gerade diese hohen Bewertungen machen den Sektor anfällig, wenn Anlegerinnen und Anleger Zweifel an der Geschwindigkeit künftiger Gewinne bekommen. Die jüngsten Zahlen und Aussagen aus der Branche haben diese Zweifel verstärkt.
Anleger suchen Sicherheit
Parallel zum Rückgang bei Technologiewerten stieg die Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Wenn Anleihekurse steigen, fallen im Gegenzug die Renditen. Die Rendite zweijähriger US-Papiere sank um 0,188 Prozentpunkte auf 4,635 Prozent. Das war der stärkste Tagesrückgang seit mehr als einem Jahr. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen fiel erstmals seit rund einem Monat unter die Marke von 5 Prozent.
Zuvor hatten Inflationssorgen die Renditen nach oben getrieben. Der Wechsel in Staatsanleihen zeigt, dass Anlegerinnen und Anleger bei einem schwächeren Technologiesektor wieder stärker auf als sicher geltende Anlagen setzen. Der Dow Jones profitierte von dieser Rotation, weil er weniger stark von großen Technologiewerten geprägt ist als der Nasdaq.
Auch andere Marktbereiche bewegten sich deutlich. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg nach neuen Spannungen im Nahen Osten um rund 4 Prozent auf 113,17 US-Dollar je Barrel. Das war der höchste Schlussstand seit Mai. Höhere Energiepreise können die Inflationssorgen zusätzlich verstärken und damit die Lage an den Finanzmärkten weiter verkomplizieren.
Einordnung
Der Rückschlag zeigt, dass künstliche Intelligenz an den Märkten nicht mehr nur als Wachstumsgeschichte bewertet wird. Die Kosten des Ausbaus rücken stärker in den Vordergrund. Unternehmen, die hohe Summen für KI-Infrastruktur zusagen, müssen überzeugend darstellen, wann daraus zusätzliche Gewinne entstehen.
Für die Techbranche bedeutet das einen Stimmungswechsel. KI bleibt ein zentraler Investitionstreiber, doch der Kapitalbedarf ist enorm. Sobald Zweifel an Rendite, Finanzierung oder Zeitplan aufkommen, reagieren die Märkte empfindlich. Der jüngste Handelstag macht deutlich, wie eng die Bewertung vieler Technologiewerte inzwischen mit den Erwartungen an künstliche Intelligenz verknüpft ist.