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Wirtschaft · Finanzmärkte

Frankreich-Sorgen drücken Dax und Anleihen

Nach den Ausschreitungen in Frankreich verkaufen Anleger französische Staatspapiere. Auch der Dax gibt deutlich nach und schließt bei 25.319 Punkten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Unruhen in Frankreich sorgen für Nervosität an Europas Finanzmärkten.
Symbolbild: Die Unruhen in Frankreich sorgen für Nervosität an Europas Finanzmärkten. KI-generiert

Der deutsche Aktienmarkt ist schwach in die neue Woche gestartet. Der Dax verlor am Montag 1,2 Prozent und ging bei 25.319 Punkten aus dem Handel. Auslöser waren vor allem die Unruhen in Frankreich, die europäische Börsen belasteten und französische Staatsanleihen unter Verkaufsdruck setzten. Auch Sorgen um Technologiewerte in den USA wirkten nach.

Französische Renditen steigen spürbar

Besonders sichtbar war die Nervosität am Anleihemarkt. Zehnjährige französische Staatstitel rentierten zum Wochenstart bei rund 4,9 Prozent. Die Angaben zum Tagesanstieg schwankten zwischen acht und elf Basispunkten. Damit lag die Rendite wieder auf einem Niveau, das seit vielen Jahren nicht erreicht worden war.

Auch der Abstand zu Bundesanleihen vergrößerte sich. Deutsche Papiere mit zehn Jahren Laufzeit dienten Investoren weiter als Referenz im Euroraum. Ihre Rendite bewegte sich um 3,41 Prozent. Der Risikoaufschlag französischer Anleihen lag damit bei etwa 1,44 bis 1,46 Prozentpunkten. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozentpunkten.

Französische Papiere entwickelten sich damit schwächer als viele andere Staatsanleihen aus der Eurozone. Für Anlegerinnen und Anleger signalisiert ein steigender Aufschlag, dass sie für ein Engagement in Frankreich eine höhere Entschädigung verlangen. Neben den Ausschreitungen spielt auch die politische Lage eine Rolle. Frankreich steht vor schwierigen Haushaltsfragen, zugleich rückt die Präsidentschaftswahl 2027 näher.

Dax gibt Freitagsgewinne ab

Am Aktienmarkt drehte die Stimmung ebenfalls. Der Dax hatte die Vorwoche noch mit einem Plus von rund einem Prozent bei 25.623 Punkten beendet. Das war der höchste Schlussstand seit Mitte September. Am Montag fiel der Leitindex zeitweise um 1,6 Prozent, konnte einen Teil der Verluste aber bis zum Handelsschluss aufholen.

Der französische Leitindex CAC 40 verlor 1,4 Prozent. Die Verunsicherung in Paris strahlte auch auf andere europäische Handelsplätze aus. Zudem wurde der Euro von der angespannten Lage belastet.

Die internationalen Vorgaben waren gemischt. In den USA hatten Technologiewerte zuletzt erneut nachgegeben, weil Zweifel an der Dauerhaftigkeit der Rally rund um Künstliche Intelligenz zunahmen. Der Nasdaq 100 war dadurch auf den niedrigsten Stand seit vier Wochen gefallen. Zum Wochenauftakt erholte sich die US-Technologiebörse zwar deutlich, was den deutschen Markt etwas stützte. Die breiteren US-Standardwerte bewegten sich jedoch kaum.

Aus China kamen zugleich robuste Konjunkturdaten. Das Wachstum im dritten Quartal fiel stärker aus als erwartet. Ein sehr kräftiger Exportanstieg im September deutet jedoch darauf hin, dass chinesische Anbieter europäischen und deutschen Herstellern zusätzlichen Wettbewerbsdruck machen.

Proteste und politische Risiken

In Frankreich hatten am Wochenende Hunderttausende Menschen demonstriert. Die Proteste richteten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten und schlechte Bedingungen im Bildungsbereich. Später kam es in Paris und anderen Städten zu Ausschreitungen. Nach offiziellen Angaben vom Sonntag wurden etwa 2.000 Menschen festgenommen. Rund 600 Polizisten und Feuerwehrleute wurden verletzt. Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt in einer Fernsehansprache.

Jim Reid, Analyst der Deutschen Bank, sieht durch die Ereignisse zusätzliche Hürden für internationale Investoren. Nach seiner Einschätzung wird es schwieriger, französische Staatsanleihen ohne Vorbehalte zu kaufen. Die Kombination aus angespanntem Staatshaushalt, politischem Kalender und Gewalt auf den Straßen erhöhe die Risiken.

Für die Finanzmärkte ist Frankreich wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung zentral. Das Land ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union. Wenn Investoren dort höhere politische Risiken einpreisen, betrifft das nicht nur französische Vermögenswerte. Auch europäische Aktienindizes, der Euro und die Risikobereitschaft in der gesamten Währungsunion können darunter leiden.

Wie stark der Effekt anhält, hängt nun davon ab, ob sich die Lage beruhigt und ob die Regierung Vertrauen zurückgewinnt. Kurzfristig schauen Anlegerinnen und Anleger vor allem auf die weitere Entwicklung der Proteste, die Renditedifferenz zu Bundesanleihen und die Reaktion der europäischen Aktienmärkte.