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Wirtschaft · Nahverkehr

Flexibles Deutschlandticket vorerst vertagt

Die Verkehrsminister beraten den Vorschlag für einen bundesweiten Gelegenheitstarif im Nahverkehr vorerst nicht. Hamburg und Nordrhein-Westfalen wollten ein App-Modell prüfen lassen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein digitales Ticketmodell soll Gelegenheitsfahrten im Nahverkehr einfacher abrechnen.
Symbolbild: Ein digitales Ticketmodell soll Gelegenheitsfahrten im Nahverkehr einfacher abrechnen. KI-generiert

Die Verkehrsminister der Länder haben die Beratung über ein flexibles Angebot neben dem Deutschlandticket verschoben. Ein Antrag aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg für einen bundesweiten elektronischen Gelegenheitstarif wurde am Mittwoch bei der Konferenz im bayerischen Hohenschwangau nicht behandelt. Damit gibt es vorerst keinen Beschluss zu einem Modell, das vor allem Menschen ansprechen soll, die Busse und Bahnen nur gelegentlich nutzen.

App statt Monatsabo

Der Vorschlag zielte auf ein digitales Tarifsystem. Fahrgäste sollten eine Fahrt per Smartphone starten und nach dem Aussteigen wieder beenden. Die Anwendung hätte anschließend automatisch berechnet, welcher Preis für die gefahrene Strecke am günstigsten ist. Für einen Monat sollte höchstens der Preis des regulären Deutschlandtickets anfallen. Dieser liegt derzeit bei 63 Euro.

Damit unterscheidet sich der Ansatz vom bestehenden Deutschlandticket. Dieses gilt bundesweit im Nahverkehr, ist aber als monatlich kündbares Abo organisiert. Das geplante Modell sollte keine feste Monatszahlung voraussetzen. Es wäre damit vor allem für Menschen interessant, die nicht täglich pendeln, aber gelegentlich Bus, Straßenbahn, U-Bahn, S-Bahn oder Regionalzug nutzen.

Vorbild für den Antrag war ein bereits bestehendes elektronisches Angebot in Nordrhein-Westfalen. Ähnliche Check-in- und Check-out-Systeme werden auch in anderen Regionen genutzt, etwa in Halle, im Verkehrsverbund Oberelbe, in Mittelthüringen und bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben. Dort aktivieren Fahrgäste ihre Fahrt in einer App; die Abrechnung erfolgt anschließend automatisch.

Streit über Verfahren und Geld

Als Begründung für die Absetzung wurde angeführt, der Antrag sei zu kurzfristig eingebracht worden. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer widersprach dieser Darstellung. Der Antrag sei fristgerecht gestellt worden, erklärte der Grünen-Politiker. Er kritisierte, SPD und CDU hätten die Debatte über einen bundesweiten Gelegenheitstarif nicht führen wollen. Das sei eine verpasste Möglichkeit für mehr Digitalisierung, geringere Kosten und bequemere Nutzung im öffentlichen Nahverkehr.

Nach dem Antrag sollte zunächst eine Arbeitsgruppe ein Konzept für das neue System entwickeln. Eine Entscheidung über die Einführung war demnach für den Herbst 2027 vorgesehen. Krischer kündigte an, das Thema bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz erneut auf die Tagesordnung bringen zu wollen.

Skepsis kommt vor allem mit Blick auf die Finanzierung. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, verwies auf fehlende Mittel im Nahverkehr. „Es ist nicht die Zeit für zusätzliche Leistungen“, sagte der CSU-Politiker. Er sieht für den Vorstoß weder die Zustimmung des Bundes noch die notwendige Einstimmigkeit der Länder.

Offener äußerte sich Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne. Sein Land stehe dem Modell grundsätzlich positiv gegenüber und wolle ein solches Angebot konstruktiv erörtern.

Kritik und Unterstützung

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen lehnt den Vorstoß ab. Aus Sicht des Branchenverbands passt ein zusätzlicher Gelegenheitstarif nicht zur Grundidee des Deutschlandtickets als bundesweite Flatrate im Abo. Zudem verweist die Branche auf fehlende finanzielle Spielräume.

Sozialverbände begrüßen die Idee dagegen, weil sie günstigere Mobilität auch für Menschen mit wenig Geld ermöglichen könnte. Befürworterinnen und Befürworter sehen außerdem die Chance, den Zugang zum Nahverkehr zu vereinfachen. Wer nur selten fährt, müsste sich nicht mehr vor jeder Fahrt mit regional unterschiedlichen Tarifen beschäftigen.

Für Verkehrsunternehmen könnte ein digitales Check-in- und Check-out-System auch bei der Einnahmeverteilung Vorteile haben. Wenn genau erfasst wird, welche Verkehrsmittel genutzt werden, lassen sich Einnahmen zielgenauer den jeweiligen Betrieben zuordnen. Verkehrsministerien in Mitteldeutschland sehen darin einen möglichen Nutzen, weil die tatsächliche Nutzung genauer abgebildet werden kann.

Deutschlandticket bleibt Finanzthema

Die verschobene Debatte fällt in eine Phase, in der die Länder ohnehin über die Finanzierung des Nahverkehrs streiten. Beim Deutschlandticket geht es regelmäßig um die Frage, wie Einnahmeausfälle, steigende Kosten und der Ausbau des Angebots getragen werden sollen. Auch die Bestellung von Regionalzügen steht unter Druck.

Die Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau befasst sich darüber hinaus mit weiteren Verkehrsthemen. Auf dem Programm stehen unter anderem die geplante Schienenmaut, Niedrigwasser in Flüssen und die Zukunft des autonomen Fahrens. Der flexible Gelegenheitstarif ist damit nicht erledigt, aber politisch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.