Wirtschaft · US-Geldpolitik
Fed hält Leitzins trotz hoher Inflation stabil
Die US-Notenbank Federal Reserve legt nach der Zinserhöhung im September eine Pause ein. Der Leitzins bleibt in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, teilte die Zentralbank in Washington mit. Die Entscheidung fiel nicht einhellig: Zehn stimmberechtigte Mitglieder unterstützten den unveränderten Kurs, zwei sprachen sich für eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte aus. Zugleich beschreibt die Fed den Preisdruck weiter als hoch und hält zusätzliche Schritte offen.
Zwei Stimmen für höhere Zinsen
Die abweichenden Stimmen kamen von Lisa Cook und Beth Hammack. Beide wollten den Leitzins bereits jetzt um einen Viertelpunkt erhöhen. Damit zeigt sich im geldpolitischen Ausschuss eine spürbare Spannung zwischen Abwarten und weiterem Bremsen der Inflation.
Fed-Chef Kevin Warsh blieb bei seiner Linie, den künftigen Kurs nicht früh festzulegen. Er hat zuletzt betont, dass sich Finanzmärkte stärker an Wirtschaftsdaten orientieren sollten als an Signalen einzelner Notenbankerinnen und Notenbanker. Die Fed machte dennoch klar, dass die weitere Entwicklung der Inflation entscheidend bleibt.
Im September hatte die Zentralbank den Leitzins erstmals seit mehreren Jahren angehoben. Damals begründete Warsh den Schritt damit, dass die Teuerung schneller in Richtung des Inflationsziels zurückgeführt werden solle. Dieses Ziel liegt bei zwei Prozent. Zuletzt stiegen die Verbraucherpreise in den USA im Jahresvergleich um 3,7 Prozent und lagen damit fast doppelt so hoch wie angestrebt.
Märkte blicken auf Dezember
An den Finanzmärkten richtet sich der Blick nun auf die letzte Zinssitzung des Jahres im Dezember. Dort könnte die Fed erneut reagieren, falls der Preisauftrieb anhält. Innerhalb der Notenbank ist die Bereitschaft zu einem weiteren Schritt offenbar groß: 16 von 18 befragten Fed-Mitgliedern erwarteten für dieses Jahr mindestens eine zusätzliche Erhöhung um 25 Basispunkte. Vier von ihnen hielten sogar eine stärkere Straffung für möglich.
Die Inflation wird von mehreren Faktoren angetrieben. Energie verteuerte sich zuletzt deutlich, nachdem wichtige Rohstoffe wie Erdöl infolge des Iran-Kriegs teurer wurden. Hinzu kommen solide Konsumausgaben sowie hohe Investitionen rund um Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig schwächte sich der Beschäftigungsaufbau ab. Für die Fed ergibt sich dadurch kein einfaches Bild: Sie muss Preisstabilität sichern, soll aber zugleich einen möglichst robusten Arbeitsmarkt im Blick behalten.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Haushalte und Unternehmen. Dadurch werden Investitionen und Konsum gebremst, was die Inflation dämpfen kann. Niedrigere Zinsen stützen dagegen Wachstum und Beschäftigung, können aber bei starker Nachfrage den Preisauftrieb verstärken.
Politischer Druck vor den Wahlen
Die Entscheidung fällt wenige Tage vor den US-Kongresswahlen am 3. November. Präsident Donald Trump fordert seit Langem deutlich niedrigere Zinsen. Er hatte die Fed bereits unter Warshs Vorgänger Jerome Powell wiederholt kritisiert und ihr vorgeworfen, die Wirtschaft durch eine zu straffe Geldpolitik zu belasten. Trump drängt trotz hoher Verbraucherpreise auf kräftige Zinssenkungen und brachte zuletzt ein Niveau von einem Prozent oder weniger ins Spiel.
Für die Republikaner geht es bei den Wahlen um knappe Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. Ein Verlust der Kontrolle über Senat oder Repräsentantenhaus würde Trumps politische Spielräume in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit einschränken. Hohe Lebenshaltungskosten gelten dabei als wichtiges Wahlkampfthema, weil Lebensmittel, Mieten und Krankenversicherung viele Haushalte belasten.
Internationaler Zinskontext
Auch in Europa bleibt die Geldpolitik im Fokus. Die Europäische Zentralbank entscheidet am Donnerstag in Frankfurt über ihren Kurs. Ökonominnen und Ökonomen rechnen damit, dass sie den Einlagenzins trotz gestiegener Inflation bei 2,5 Prozent belässt. Damit stünden sowohl die Fed als auch die EZB vor einem ähnlichen Zielkonflikt: Sie wollen den Preisdruck eindämmen, ohne die Konjunktur stärker als nötig zu belasten.